Maßhalten bei der Ernährung
Der Magen sollte zur Hälfte mit gesunden Lebensmitteln gefüllt werden. Ein Viertel sollte mit reinem Wasser gefüllt werden. Das letzte Viertel sollte frei bleiben. Brahmacharins sollten diese Regel streng beachten. Sie sollten besonders abends wenig Essen und den Magen nicht überlasten. Man bedenke, dass in den Klöstern bereits um 10.30 zu Mittag gegessen wird. Nach 12 Uhr mittags sollten die Mönche den ganzen Tag nichts mehr essen. Gegen 17 Uhr gibt es eventuell noch einen Saft zu trinken.
Ein Vielfraß kann nur davon träumen, ein Brahmachari zu werden. Die Kontrolle des Gaumens ist eine notwendige Voraussetzung, die Sinneslust zu kontrollieren, wenn man das Gelübde des Brahmacharya beachten möchte. Zuerst muss der Gaumen kontrolliert werden. Dann wird es leicht, die Leidenschaft zu kontrollieren. Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Gaumen und den Geschlechtsorganen.
Der Gaumen ist das Organ des Wissens. Er wird getragen vom reinen Teil des Urelements Wassers. Das Zeugungsorgan dagegen ist ein Organ der Tätigkeit. Es wird getragen vom belebenden Teil des Urelements Wasser. Sie sind verschwisterte Organe, die derselben Quelle entspringen. Wenn der Gaumen mit anregender Nahrung stimuliert wird, werden auch die Geschlechtsorgane angeregt. Darum sollte bei der Ernährung eine bewusste Auswahl und Begrenzung getroffen werden. Die Nahrung eines Brahmachari sollte einfach, schonend, ungewürzt und nicht anregend sein.
Das Maßhalten bei der Ernährung ist sehr wichtig. Den Magen zu überfüllen ist in hohem Grade gesundheitsschädlich. Besonders der Verzehr von Früchten ist sehr vorteilhaft. Man sollte nur Essen, wenn man wirklich Hunger hat. Der Magen neigt mitunter dazu, dich zu überlisten. Dann hast du das Gefühl, du hättest Hunger. Setzt du dich dann aber hin, um etwas zu essen, hast du keinen Appetit mehr. Das Fasten kann ein sehr nützlicher Helfer bei einer gesunden Ernährung und bei der Praktizierung von Brahmacharya sein. Du solltest das Fasten nicht ignorieren und dich einmal damit auseinander setzen.
Das Fasten - eine reinigende Übung
Das Fasten kontrolliert die Leidenschaft. Es beseitigt die sexuelle Erregung, beruhigt die Emotionen und kontrolliert die Sinne. Leidenschaftliche junge Männer und Frauen sollten gelegentlichen Zuflucht zum Fasten nehmen. Es erweist sich als sehr vorteilhaft. Das Fasten ist eine gute Bußübung. Es reinigt den Verstand und vernichtet sehr viele Sünden. Die Shastras, die heiligen Schriften, schreiben Chandrayana Vrata (Vrata = Gelübde), Krichara Vrata, Ekadasi Vrata und Pradosha Vrata für die Reinigung des Verstandes vor.
Chandrayana Vrata ist eine Essensregel, die mit fünfzehn Bissen Nahrung am Tage des Vollmondes beginnt. Von da an soll das Essen tagtäglich bis zum Neumond um einen Bissen verringert, ab dem Neumond täglich wieder um einen Bissen vermehrt werden, bis die fünfzehn Bissen zum Vollmond wieder erreicht sind. Unter dem Ekadasi Vrata versteht man das Fasten am Ekadasi-Tag: Das ist der 11. Tag nach Vollmond und der 11. Tag nach Neumond. An diesen Tagen sollten man sich nur von Obst und Milch ernähren. Das Pradosha Vrata ist die Anrufung Shivas mit der Bitte um Erfolg in allen Unternehmungen und die Erfüllung aller Herzenswünsche, in der Abenddämmerung des 13. Tages jeder Mondhälfte. Auch am Pradosha-Tag sollte man fasten.
Das Fasten kontrolliert den Gaumen, den großen Feind der Enthaltsamkeit. Wenn du fastest, dann erlaube dem Verstand nicht, an köstliche Gerichte zu denken, weil du sonst keinen Erfolg beim Fasten haben wirst. Das Fasten regeneriert die Atemwege, den Kreislauf, das Verdauungssystem und die Harnwege. Es scheidet alle Verunreinigungen, Harnsäuren und Gifte des Körpers aus. So wie unreines Gold durch Schmelzen gereinigt wird, so wird der unreine Verstand durch Fasten gereinigt.
Junge und robuste Brahmacharins sollten fasten, wenn sie von der Leidenschaft bedrängt werden. Du kannst während des Fastens sehr gut meditieren, da der Verstand ruhig und gelassen ist. Du solltest die Fastenperiode für eine konsequente Meditation nutzen, da die Sinne sehr ruhig sind. Du solltest alle Sinne zurückziehen und den Verstand auf Gott richten. Bete zu Gott und bitte ihn um seine Führung, dass er deinen Weg mit seinem Licht erleuchte. Bitte in Andacht: "O Gott! Mögest du mich erleuchten. Führe mich, schütze mich. Ich bin dein, mein Gott!“ Du wirst Reinheit, Licht, Stärke und Wissen erhalten. Das Fasten ist eine der 10 religiösen Vorschriften des Yoga. Vermeide übertriebenes Fasten. Es erzeugt Schwäche. Benutze deinen gesunden Menschenverstand. Die, die nicht in der Lage sind, einen ganzen Tag zu fasten, sollten neun oder zwölf Stunden lang fasten. Abends oder Nachts können sie dann Milch und Früchte zu sich nehmen.
Während des Fastens haben die Verdauungsorgane wie der Magen, die Leber und die Bauchspeicheldrüse Ruhe. Schlemmerer und unermüdliche Esser erlauben diesen Organen nicht, wenigstens einmal für ein paar Minuten zu ruhen. Folglich sind diese Organe häufiger krank. Diabetes (gestörte Insulinproduktion), Verdauungsstörungen und Hepatitis (Leberentzündungen) haben ihre Ursachen in der Überfettung.
Neunzig Prozent aller Menschen essen mehr, als der Körper eigentlich braucht. Das Überessen ist zu ihrer Gewohnheit geworden. Das hat sehr viele Krankheiten zur Folge. Gelegentliches Fasten ist sehr sinnvoll, um eine gute Gesundheit zu erhalten, die inneren Organe zu entlasten und Brahmacharya zu praktizieren. Krankheiten, die von den Medizinern mitunter als unheilbar eingestuft wurden, wurden oft durch Fasten kuriert. Das Fasten erzeugt Willensenergie und Ausdauer. Manu, das hinduistische Gesetzbuch, betrachtet das Fasten als Hilfsmittel, um sich von den fünf Todsünden (Gier, Hass, Nichtwissen, Stolz und Neid) zu befreien.
Es ist besser, während des Fastens, entsprechend der Temperatur und Neigung, eine große Menge kaltes oder lauwarmes Wasser zu trinken. Es spült die Nieren, entfernt das Gift und alle Verunreinigungen des Körpers. Du kannst dem Wasser auch einen halben Teelöffel Backpulver (Natron, Soda Bicarbonat) hinzufügen. Natron wirkt entgiftend. Die, die zwei oder drei Tage fasten, sollten ihr Fasten nicht durch eine feste Nahrung unterbrechen. Sie sollten einen Fruchtsaft nehmen, entweder Orangensaft oder Granatapfelsaft. Sie sollten den Saft in kleinen Schlücken trinken. Das Reinigen des Darmes bringt alle Giftstoffe, die sich seit Jahren im Darm abgelagert haben, nach außen. Ein reiner Darm nimmt dann die Vitamine und Mineralien wesentlich besser auf.
Beginne am Anfang mit einem Tag zu fasten. Dann erhöhe langsam die Anzahl der Tage, entsprechend deiner inneren Stärke. Es kann sein, dass du am Anfang eine leichte Schwäche fühlst. Der erste Tag kann sehr ermüdend sein. Am zweiten oder dritten Tag fühlst du dich sehr glücklich. Der Körper fühlt sich sehr leicht an. Während des Fastens fällt das geistige Arbeiten dir leichter. Die, die häufiger fasten, haben ihre Freude daran. Am ersten Tag möchte der Verstand dich auf vielfältige Art verleiten, etwas zu essen. Bleibe standhaft und trotze der Versuchung.
Praktiziere während des Fastens mehr Japa (Mantrameditation) mit dem Gayatri-Mantra oder einem anderen Mantra. Fasten ist eher ein geistiges als ein körperliches Handeln. Du solltest das Fasten für höhere spirituelle Zwecke nutzen. Richte deine Gedanken auf Gott und denke über den Sinn des Lebens nach. Stelle dir die Fragen "Wer bin ich?" und "Was ist Atman (Seele) oder Brahman (Gott)?" Was sind die Mittel und Wege, um Gott zu erreichen? Seid ohne Furcht und Sorgen und ruht in der Reinheit für immer und ewig. Meine lieben Brüder! Haben dich diese Zeilen zum Fasten ermutigt? Dann beginne sofort damit. Friede euch allen!
Practice of Brahmacharya