Unser Geist ist ungezogen und verspielt. Er hüpft herum zu den Augen, den Ohren, der Nase, der Zunge und dem Körper und sammelt Sinnesobjekte ein. Sobald wir diese hereingelassen haben, sind wir auch noch dumm genug, den unwissenden dhammas (Dingen) die Steuerung zu überlassen und schon gibt es nur noch Ergreifen und Festhalten, Ich und Mein.
Still sein bedeutet, den Sinnesobjekten keinen Eintritt in den Geist zu gewähren, damit zufrieden zu sein, dass sie sich wie Wellen an der Küste des Geistes brechen und in sich zusammenfallen. Sieht zum Beispiel das Auge eine Form und es handelt sich nur um reines Sehen, nennt man das: sichtbare Formen nicht in den Geist treten lassen. Könnt Ihr das nicht, und Gefühle von Zufriedenheit oder Unzufriedenheit steigen auf, dann haltet hier ein. Fangt nicht an, entsprechend dieser Gefühle zu begehren.
Wenn die Welle hier endet, hat der Geist noch eine Chance, still zu sein. Wenn Ihr aber dem Gefühl erlaubt sich auszuweiten und Ihr darauf reagiert, werden Ich und Mein einen Moment später auftauchen und dukkha (Leid) wird entstehen. Das nennt man: nicht still sein. Es ist ein schlecht erzogener Geist, der sich weigert still zu werden.
Das still sein der Zen Meister bezieht sich auf genau die Übung die der Buddha lehrte: erkennen, dass nichts, was immer es auch sei, im Sinne von Ich und Mein ergriffen und festgehalten werden sollte. Wenn es rein gar nichts gibt, an dem man sich festhalten könnte, welchen möglichen Zweck könnte dann unsere Geschäftigkeit haben? Welchen Sinn hat es, in uns selbst Verwirrung zu stiften, Dingen nachzujagen und ein Durcheinander zu verursachen? Sollten wir nicht vielmehr still sein?
Wir müssen nach suññata (der Leere in unserem Geist) Ausschau halten, sie allein ist unser Sehnen und Bestreben wirklich wert. Die Aussage, dass es eine Form der Leerheit gibt, die Verlöschen, Reinheit, Klarheit oder Frieden aufsteigen lässt, ist immer noch eine Sprachkonvention. Genau genommen gibt es nichts ausser der Leerheit. Und die Leerheit ist auch nicht die Ursache von irgend etwas. Sie ist Buddha; sie ist Dhamma; sie ist Sangha; sie ist der Weg. Sie ist Reinheit, Klarheit und Frieden. Alle diese Dinge sind in suññata (der Leere) mit inbegriffen.
Der Weg, um aus dieser Lehre Nutzen zu ziehen, besteht darin, das Bedingte Entstehen nicht stattfinden zu lassen. Eine Methode, das zu tun, ist es, diesen Prozess unmittelbar im Moment des Sinneskontakts abzuschneiden. Verhindert die Entwicklung von vedana (Gefühlen) , lasst es nicht zu, dass Gefühle von Zufriedenheit oder Unzufriedenheit aufsteigen. Wenn keine Gefühle erzeugt werden, kommt es nicht zu Begehren und Festhalten und nicht zur Geburt von Ich und Mein. Die Geburt der Illusion von Ich und Mein liegt genau hier begründet: im Verlangen und Anhaften. Solange es nur die Sinneskontakt gibt, aber keine Gefühle entstehen, haben Ich und Mein keine Möglichkeit im Geist aufzusteigen. Dann gibt es keine spirituelle Krankheit und kein Leiden.
Das Kernholz des Bodhibaums