daß nun die Depression bei der Geburt entstehe, das ist nun doch eher weit hergeholt, das denke ich wohl auch. Sonst hätten ja die Kaiserschnitt-Kinder keine Depressionen. Sie haben weniger selten eine Luxation des Atlasgelenks, aber ob die nun die Ursache für eine Depression ist, lassen wir mal dahin gestellt. Physiologisch gesehen verursacht sie zunächst mal nur Spannungskopfschmerz- wie der sich dann organisch auswirkt, ist im Zusammenhang glaube ich noch nicht hier im Westen anerkannt dokumentiert.
So. Was man da ja ansonsten im geistigen Raum hineininterpretiert, das ist dieser Gegenpol zum Tod, weil das Kind ja erst außerhalb des Mutterleibes sichtbar wird. Heute haben wir Ultraschall, klar. Und wir wissen, daß Kind und Mutter hormonell gekoppelt sind und daß sich diese Koppelung auch im späteren Verhalten ausprägt. Ein Kind, das aus dem Mutterleib keine Glücksgefühle und die dazugehörigen Hormone kennt, wird aus eigenem Antrieb seine Glücksgefühle entwickeln können und einfach nicht so glückabhängig sein wie die Mutter. Es hat eine eigene Zirbeldrüse. Aber wenn das Kind dann von einer depressiven Mutter erzogen wird und deren Verhaltensmuster übernimmt, kennt es eben "die Frau" als depressiv. Bzw. eben den "Mann". Wobei ja Manie und Depression immer Hand in Hand gehen und sich in Partnerschaften ausgleichen. Der eine hängt, der Andere räumt hinterher. Papa im Sessel, depressiv von der stupiden Arbeit, Mama holt depressiv darüber, daß sie es täglich tut, dem Papa das Bier. Loriot hat es mal wunderbar dargstellt für die ältere Generation, in unserer läuft das etwas anders. Und innerlich denken sie manisch über "die Alte" und "den Alten" nach.
Dieses Manische Nachdenkenmüssen, diese innere Zappeligkeit des Depressiven, die er nicht sehen und ertragen kann, die ist für mich so ein bißchen der Dreh- und Angelpunkt bei der Geschichte. Wenn man die unterdrückt und nicht herausläßt, was da drinnen aus einem Prozeß heraus entsteht, dann macht das nur noch kränker. Wenn man irgendwann dahinter steigt, daß es nur Gedanken sind, die man hat, ist der Kampf gewonnen.
Es sind Gedanken, das sind Worte im Geist. Text, mit dem man sich selber zumüllt und sich verpestet. Auf diese Worte muß man Jagd machen und sie einzeln Silbe für Silbe hinterfragen und sich vergewissern, was an ihnen wahr und was an ihnen unwahr ist. Soviel Aufmerksamkeit muß man sich schon gönnen und das kann ein jeder.
Die Gefühle des Körpers sind die Gefühle des Körpers und nicht zu ändern. Aber der Geist macht die Ursache für diese Gefühle mit seinem Text, den er denkt. Manisch, ohne Unterlaß. Es ist eigentlich ein einziger Gedanke, der nur zuende gedacht werden muß, der aber nichts mit Handlung zu tun haben will. Dieser Gedanke will uns nicht umbringen, er will nur wie jeder andere Gedanke auch von uns erlöst werden, indem wir ihn letztlich als unnützlich erkennen und ihn fallen lassen.
"Nein, ich will mich nicht umbringen, ich will leben." Das Sätzchen muß dann schon die Geistsuppe irgendwann mal von selbst an die Oberfläche steigen lassen, bis man es dann auch irgendwann sich selber glaubt. Jeder Gedanke durchläuft eben positive und negative Energie, wenn man ihn nur zu Ende denkt. So allein entsteht ja Erkennen außerhalb der mißverständlichen Dualität, innerhalb derer man sich krank empfindet. Dabei ist man gesund wie ein Pferd, man müßte nur mal endlich den Gedanken zu Ende denken, ohne daß man sich davor umbringt. Sonst kommt man ja logischerweise nie zu einem Schluß, völlig egal, was irgendwelche spiritual- und individual-Heinis predigen. Das gebietet das Wissen über Natur und Energie, daß das so sein müßte. Energie geht eben nicht verloren, man kann sich selber nicht enfliehen, auch über den Tod hinaus nicht. Das ist zu kurz gedacht.
Nun nützt mir das ggf. nix, wenn ich in einem depressiven Loch bin. Da kann ich nur den Tip geben, sich etwas vorzustellen, vor dem man die meiste Angst im Leben empfindet. Und dann stellt man sich das Schönste vor, das man im Leben empfunden hat vor, es muß wirklich das Schönste sein, etwas aus der Kindheit, etwas mit "Glanz". Das Christkind, das hat in mir früher so etwas geweckt, als es kam, und ich noch an seine Magie glaubte. Und dieses Eine da, das führt durch alles hindurch. Eine einzige Erinnerung reicht. Man hat ein riesiges Bilderbergwerk über das eigene Leben in sich und ein einziges davon reicht, um zu sich selbst zu finden. Das muß man suchen. Bei mir ist das der Blick in die Augen meines Vaters, den ich verloren habe als ich sieben war und darüber war ich lange, 25 Jahre lang, ein bißchen deprimiert. Irgendwann hat er mir im Traum gegenüber gesessen, neulich noch einmal. Das hat mir einfach gefehlt. Ich wußte das nicht. Jetzt weiß ich es. ..gelernt.., man könnte sagen, mein Leben lebt aus Augenblick heraus. Die Vergangenheit ist Er-innerung, ich bin frei. Mit, durch meine Vergangenheit.
Und ein Gedankengang regelt die Freischaltung dieser Erinnerungen von alleine. Wenn man den Gedankengang aber abbricht, laufend an die Mauer denkt, indem man denkt:
"ich bringe mich um" und dann
"nein, ich tue es doch nicht"
- das führt ja zu nichts, dieses unentschlossene, kranke Hin und Her -
, dann tut man sich letztlich keinen Gefallen. Man sollte den Gedanken zu Ende denken und sich überlegen: wenn ich mich umbringe, was genau passiert dann?
Und dann sollte man- so hab ich es gemacht- jeden einzelnen Lebenslauf hernehmen, den man kennt und sollte mal durchspielen- simulieren kann man ja- wie das Leben dieses Menschen wohl verlaufen würde, wenn man sich umbrächte. Wie würde das Leben der eigenen Mutter verlaufen, wie das Leben des eigenen Vaters? Wie das Leben der Geschwisters, des Partners, der Kinder, der Arbeitskollegen, Haustiers, Nachbarn usw. usf. ? Was würden die Jugendfreunde empfinded und sagen,wenn sie beim Klassentreffen erführen, daß man sich umgebracht hat und keiner weiß so recht warum? Wie würden sich diese Menschen fühlen?
Man gäbe die eigene Depression an diese Menschen weiter. Man würde vermutlich der Schatten einer Familie, mehrerer Generationen.
Und das geht einfach nicht. Das ist wirklich meine tiefste innere Überzeugung, das geht nicht. Man darf Krankheiten nicht verbreiten. Man muß sie leben und sie zuende leben, bzw. geistige "Merkwürdig"-keiten zu Ende denken und das vermeintlich "merkwürdige", das man festhält, loslassen lernen. Dann wandeln sich auch Gedanken mit Krankheitsinhalt zu Gefährten, auf einem Weg, vielleicht auch nur auf einem Stück davon. Es sind nur Gedanken.
Die Traurigkeit ist mein Gefährte. Sie kommt jeden Tag aus meinen Augen, immer wieder kommt sie da oben heraus. Aber ich stehe hier aufrecht, die Tante aus der Apotheke, die Schlange da oben am Schild, die hat es gerichtet, ohne daß ich in der Apotheke drin gewesen wäre. Ich war fürchterlich krumm. Vor Trauer eben. Vielmehr vor Nicht-Trauer. Jeder hat ja andere Auslöser für ein depressives Empfinden. Geholfen hat das Bemerken von Bewegung allgemein und das Loslassen des Erstarrten in mir. "Eis sprengen" ist auch ein guter Begriff für diese inneren Vorgänge.
Ich bin ratlos, wie es gehen soll, wenn man alleine ist und niemanden kennt, keine Familie hat. Ich weiß genau, daß es Menschen gibt, die vielleicht kein Bild haben von früher, nach dem sie suchen können, weil sie wissen, daß es es gibt. Und ich leide wie ein Hund darunter, daß es nicht Hilfe gibt an jeder Straßenecke und daß sooooooo viele Menschen einsam sind. Ich fühle mich selber aus Sym- oder auch Empathie immer gleich mit einsam, obwohl ich gar nicht einsam bin.
Kann man denn mehr tun, als darüber reden lernen? Ich glaube ja nicht, aber es ist ein Glaube. Also nichts Bewiesenes.