Der Verlauf dieses Threads macht der bis hierher still mitlesenden Kinny vor allem glasklar deutlich, daß und warum der ausgesetzte Geldbetrag, um den es im Eingangspost geht, niemals ausgezahlt werden wird. Weil es nämlich den Menschen, die sich etwas Derartiges beweisen lassen wollen, nie und nimmer um den erbrachten Beweis geht, sondern darum, sich nichts beweisen zu lassen.
Du kennst sicher den Wahrsager-Test, den ich hier vor ein paar Monaten mal durchgeführt habe. Wenn die Trefferquote der teilnehmenden Hellseherin deutlich über der Zufallserwartung gewesen wäre, und die der beiden Fake-Hellseher nicht, so hätte ich es sehr schwer gehabt mit einer "natürlichen" Erklärung. Die einzige "natürliche" Erklärung wären Schummelleien im Hintergrund gewesen, von denen ich nichts mitbekommen hätte... genauso, wie man mir Schummelei unterstellen könnte, die das negative Ergebnis hervorgerufen haben könnte.
Ich habe diesen Test extra so entworfen, dass diverse Suggestionseffekte ausgeschlossen wurden.
In Einzelfällen und Berichten werden diese Effekte eben nicht ausgeschlossen, so beeindrucken (wirklich beeindruckend; das meine ich ernst) die Berichte auch sein mögen. Und darum sind sie kein Beweis.
Es ist ganz offensichtlich aus den letzten Seiten herauszulesen. Was auch immer vorgebracht wird, die Spielregeln werden immer ganz schnell so verändert und angepaßt (manchmal durchaus subtil), daß der Beweiserbringenwollende endlos im Kreis läuft.
Von einem Punkt bin ich nie abgewichen: Wenn man einer Untersuchungsmethode so etwas wie einen Beweischarakter zusprechen will, so müssen die diversen Suggestions- und Auswahleffekte definitiv und kategorisch ausgeschlossen werden können. Und die einzige mir bekannte Möglichkeit dazu ist nunmal das Doppelblind-Verfahren. Vielleicht wird es in Zukunft andere Methoden geben, mit der sich dann auch die Homöopathie ihr gerecht überprüfen ließe. Aber mir ging es ja hier nicht speziel um die Homöopathie (die kam ja erst später dazu), sondern schlicht darum, wann man von einem Beweis sprechen darf.
Die Haupt-Kritikpunkte am Doppelblind-Verfahren betreffen, soweit ich sie verstanden habe
- Die konkrete Durchführung (wie ehrlich sind die Versuchsleiter?)
- Dass sie nur an jeweils einer Menschengruppe durchgeführt werden (nicht unbedingt übertragbar auf andere Nationen, Altersgruppen und Geschlecht)
- Sorgfältigere Studienüberwachung als später in der Praxis
Das sind durchaus berechtigte Punkte, aber ich verstehe nach wie vor nicht, was das mit dem Doppelblind-Verfahren an sich zu tun hat? Keiner dieser Punkte, die dabei kritisiert werden, ist fundamentaler Bestandteil dieser Methodik. Diese Kritikpunkte sind so, als wenn ich sagen würde: "So, wie mein Automechaniker Lack auf die Karosserie sprüht, ergeben es hässliche Streifen... also fahre ich mein Auto ohne Lack."
Ich habe nicht kategorisch behauptet, dass die Homöopathie wirkungslos wäre. Ich zweifel zwar dran, aber definitiv kann ich da nichts sagen.
Gawyrd hat auch schon geschrieben, dass es keine Beweise im strengen Sinne gibt. Im Prinzip sind wir also einer Meinung. Ich finde diesen Zustand aber unbefriedigend und wundere mich ein wenig darüber, warum Leute, die in diesem Thread erwähnte Lehrveranstaltungen auf der Uni besucht haben, das so hinnehmen. Klar, sie glauben dran, was auch ihr gutes Recht ist. Aber, wenn sie die Methodik kennen und auch die Wichtigkeit dieser, um von einem Beweis zu sprechen; warum erarbeiten sie keinen zweifellosen Test? Oder warum überlegen sie sich keine neue Methodik, die vielleicht auch der Homöopathie oder anderen Verfahren gerecht wird?
Und wie ich schon schrieb: Ich habe nichts dagegen, wenn Ärzte oder Heiler homöopathisch oder sonstwie behandeln. Es ist ihr Beruf, Menschen zu helfen; und die Patienten gehen selbstverantwortlich zu den Leuten, denen sie vertrauen. Ich habe auch nichts dagegen, wenn jemand sagt: "Ich glaube, ich kann Menschen hiermit oder damit helfen." (wobei die Betonung auf "glaube" liegt). Ich habe aber etwas dagegen, wenn jemand sagt: "Ich weiß, dass ich es kann, und dass ich es besser kann als die Schulmedizin." (hat Gawyrd nicht gesagt... aber das hört und liest man ab und zu), oder, wenn jemand sagt: "Ein Beweis im strengen Sinne ist nicht möglich!!! Glaub oder glaub nicht, aber lass mich in Ruhe!!!"
Nicht fair, aber erkenn- und vermeidbar.
Welche Spielregeln habe ich verändert? Vielleicht kannst Du Dir mal anhand von Zitaten aus diesem Thread die Mühe machen, mir zu zeigen, wo ich Spielregeln verändert habe... mir ist das nämlich wirklich nicht bewusst.
Viele Grüße
Joey