Nachbemerkung : Was ich persönlich einfach ärgerlich finde, wenn hier jemand glaubt zB. homöopathische Ärzte darauf aufmerksam machen zu müssen, dass es Placebo-Effekte, verfälschende Beobachtung etc. gibt. Das sind Dinge, die man auf der Uni im Proseminar "Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten" im ersten Semester lernt. Da braucht es bestimmt keinen Joey oder sonst wen, der ausgebildete Personen auf diese banalen Selbstverständlichkeiten aufmerksam machen müsste. Man sollte es nicht glauben, es gibt doch tatsächlich Alternativ-Mediziner, die ihre Tätigkeit ernsthaft und gewissenhaft ausführen und auf diese Fehlerquellen ohne kleinkarierte und besserwisserische Zurufe auch von selbst kommen und ihnen im Interesse der Patienten (und des eigenen fachlichen Rufes) unaufgefordert von sich aus so gut wie möglich vorbeugen.
Warum sollte ein ausgebildeter Schulmediziner die Mühen und Kosten einer zusätzlichen Ausbildung in Homöopathie auf sich nehmen ? Um eine schlechtere und wirkungslosere Methode anzuwenden, als die, die er bereits erfolgreich gelernt hat und bereits anwendet ?
Denken vor dem Schreiben wäre manchmal nicht schlecht !
Meine Kritik bezieht sich nicht nur auf die Homöophatie, sondern auf alle Medizinformen, die meinen sich aus wissenschaftlicher Methodik rausreden zu können. Und, wenn ich die Ausreden anschau, die ich bisher teilweise gehört oder gelesen habe, so zweifel ich schon manchmal an der Teilnahme einiger Leute an dem von Dir genannten Proseminar.
Dass Dir als entsprechend augebildetem Menschen der Placebo-Effekt etc. sehr gut bekannt sind, ist und war mir klar. Ich beschrieb sie teilweise deshalb so explizit, weil hier im Forum auch viele nicht ausgebildete Menschen mitlesen.
Wir kamen ja auf diese Diskussion aufgrund einer Geschichte, die ich ein paar Beiträge vorher geschrieben habe. Sie endete übrigens damit, dass der getestete Kinesiologe vom Buchautor zitiert wurde mit: "Darum machen wir keine Doppelblind-Studien; die funktionieren nie." Deine Einwände bezüglich dieser Geschichte waren auch durchaus berechtigt. Eine Wirkungslosigkeit der kompletten Kinesiologie aufgrund dieser Geschichte zu folgern ist übereilt. Was die Untersuchung mit Kinesiologie genau zu tun hat, weiß ich wirklich nicht; der einzige Hinweis für mich war, dass Kinesiologen mitgemacht haben und den test mit entworfen haben. Die Geschichte könnte auch durchaus ausgedacht oder gefaket sein.
Ich fand allerdings ein wenig ärgerlich, dass Du auf eine Frage, die ich danach gestellt habe, nicht weiter eingegangen bist (zumindest nicht so, dass ich es gemerkt hätte). Die Frage war: Warum hat der Durchlauf des Experiments "funktioniert", als es nicht blind war, aber plötzlich nicht mehr, als es dopperlblind war. Es war mehr eine rhetorische Frage; die Antwort ist uns beiden und allen aufmerksamen Mitlesern klar.
Mir ist Deine Haltung nicht ganz klar, darum frage ich mal direkt: Was verurteilst Du genau? Hast Du etwas gegen die Doppelblind-Methodik als solche? Oder hast Du "nur" etwas gegen die aktuelle Praxis der Durchführung (statistische Stolperfallen, schönen, nur ausgewählte Tests etc.)? Wie wäre Deine Haltung gegenüber wirklich sauber durchgeführten Versuchen mit der Doppelblind-Methodik?
Auch sind zB. Behandlungsergebnisse bei Homöopathen höchstwahrscheinlich wesentlich besser dokumentiert als bei reinen Schulmedizinern, weil hier die Symptomatik des Patienten im Verlauf der Behandlung wesentlich genauer nachgefragt und aufgeschrieben werden muss, um das adäquate Mittel zu finden.
Das zu bemerken würde aber voraussetzen, dass man sich ernsthaft mit der Materie beschäftigt und es nicht mit ein paar oberflächlichen Beobachtungen und flapsigen Sprüchen bewenden läßt, die mehr über die eigene Uninformiertheit als über das Thema aussagen.
Soviel, wie ich bisher von der Homöophatie mitbekommen habe, sind Doppelblind-Studien bei ihr schlicht unmöglich, weil die Medikation sehr individuel auf den genauen Verlauf abgestimmt wird. Das wirft bei mir natürlich wieder diverse Fragen auf... aber angenommen es wirkt wirklich; dann wäre das mit Doppelblind-Tests unmöglich festzustellen.
Falls es Dich, Joey, interessiert, kann ich Dir gerne per PN ein homöopathisches Forum einer norddeutschen Ärztin mitteilen, wo Du hoffentlich mit ihr all Deine Bedenken bezüglich der Homöopathie besprechen kannst. (Ich mache es nicht mehr öffentlich, weil dieses Forum von homöopathie-feindlichen Forentrollen einmal schon fast lahmgelegt worden ist.)
Das würde mich durchaus sehr interessieren. Ich kann zwar nicht versprechen, dass ich in naher Zukunft mich darum kümmern werde, aber es wäre zumindest ein interessanter Anlaufpunkt. Ich kann aber versprechen, dass ich nicht zuviel trollen werde.
Viele Grüße
Joey