die einen wollen das Spielbrett von vorne herein begrenzen (Materie) und sie wollen auch noch, dass die Spielregeln sich an die für einen Teilbereich der Materie optimierten Forschungsmethodik hält: das nenne ich Beschränkung und zwar a priori.
Sinnvolle Beschränkung. Zum einen gibt es immernoch Ockhams Rasiermesser als wirklich sinnvolles Werkzeug, um nicht ständig einen irrsinnigen Wust an Hypothesen mitzuschleppen, die man in Betracht ziehen müsste.
Aufgrund dessen daß hier in Argumentationen zur Seele, aber auch Gott oder Geister, immer wieder Ockhams Rasiermesser heramgezogen wird, möchte ich hier mal betonen, daß dies ebenfalls ein Postulat ist welches nicht unangefochten da steht und kritisch betrachtet werden muß. Interessanter Weise stammt es dazu noch von einem Kirchenvertreter
obwohl Ockham selbst nie ausdrücklich ein solches Prinzip aufgestellt und benannt hat, wohl aber implizit in seinen Schriften gebraucht. So forderte er: Nichts darf man ohne eigene Begründung annehmen, es sei denn es sei evident oder aufgrund von Erfahrung gewußt oder durch die Autorität der Heiligen Schrift gesichert. (In I. Sent d 30, q 1)
Das ockhamsche Prinzip fordert, dass man in Erklärungen nicht mehr Hypothesen und Variablen einführt, als benötigt werden, um den zu erklärenden Sachverhalt ausreichend herzuleiten und um empirisch überprüfbare Voraussagen treffen zu können. Daraus ergeben sich Kriterien für die Theoriefindung. Der praktische Vorteil soll dabei sein, dass Theorien mit wenigen und einfachen Annahmen leichter falsifiziert werden können als solche mit vielen und komplexen Annahmen. Es handelt sich aber um ein Prinzip, das nur EIN Kriterium für die Güte von Theorien ist und ohne Weiteres kein Urteil über die Gültigkeit von Erklärungsmodellen erlaubt.
Schaut man sich denen Satz von Ockham an, so redet er von Erfahrung. Nun Seele, Geister oder Gott fallen in den Bereich der persönlichen Erfahrung und dann wird auch noch die Bibel als Autorität herangezogen. Also mal ganz ehrlich wäre ich Materialist würde ich mir gut überlegen ob es Sinn macht in der Argumentation Ockhams Rassiermesser heranzuziehen.
Zudem gibt es ja ohne weiteres Gegenargumentationen zu Ockhams Rasiermesser:
Walter Chatton, ein Zeitgenosse von Wilhelm von Ockham, vertrat eine Gegenposition zu Ockhams Sparsamkeitsprinzip: Wenn drei Dinge nicht genug sind, um eine klare Aussage über etwas zu treffen, muss ein viertes hinzugefügt werden, und so weiter. Obwohl verschiedene andere Philosophen in dieser Zeit ähnliche Gegenprinzipien formuliert haben, änderte dies nichts an der Bedeutung des ontologischen Sparsamkeitsprinzips. Gottfried Wilhelm Leibniz (16461716) formulierte ein Prinzip der Vielfalt (so benannt von Arthur O. Lovejoy): Demzufolge hat Gott die beste aller Welten erschaffen, indem er diejenige auswählte, die die größtmögliche Vielfalt an Lebewesen ermöglichte. Genau genommen handelt es sich also um ein Prinzip des Optimums an Vollständigkeit, dazu auch Theodizee. Für Definitionen und Erklärungen vertrat Leibniz aber dennoch die Ansicht, dass die einfachste Erklärung die beste sei. Immanuel Kant (17241804) formulierte ein Prinzip, nach dem die Vielfalt der natürlichen Arten voreilig durch eine reduktionistische Erklärung vermindert werden solle (Immanuel Kant: AA III, 428-441[11]), erkannte aber zugleich den Versuch einer solchen Reduktion durch den focus imaginarius der Vernunftideen als Interesse der Vernunft an (s. Transzendentale Dialektik). Karl Menger (19021985) bezeichnete Mathematiker als zu geizig im Umgang mit Variablen und formulierte sein Gesetz gegen die Armseligkeit in zwei Varianten: Entitäten dürfen nicht bis zur Unangemessenheit reduziert werden [und] es ist sinnlos mit weniger zu tun, was mehr erfordert.
Tatsächlich ist es so, dass Ockhams Rasiermesser erst dann angesetzt werden kann, wenn mehrere Theorien vorhanden sind, die die gewünschte Erklärung in gleicher Tiefe liefern können. Eine kompliziertere Theorie, die den Gegenstand besser erklärt, kann daher einer einfacheren vorgezogen werden. So ist die Relativitätstheorie komplizierter als die klassische Mechanik, da sie verschiedene Kräfte in komplexen mathematischen Beziehungen betrachtet, kann aber auch mehr erklären.
Oh, Bad-Pharma bezahlt die meisten Studien, also ist die Methodik bestimmt falsch.". Es steht jedem frei, die Methodik anzuwenden. Die Weigerung z.B. von Homöopathen - mit teilweise dem gleichen dummen Argument - spricht Bände.
Auf dieses Zitat will ich noch eingehen, einfach weil es Polemik ist. Sicher Homöophaten die so reagieren, haben ihr Fach nicht verstanden. Allerdings verweigern Hömöophaten die übliche Form von Doppelblind-Studien zum einen weil ja nicht ein Mittel für eine Erkrankung gegeben wird, sondern ein Mittel immer individuell auf einen Symptomkomplex geben wird, d.h. ein und die selbe Erkrankung hat je nach Person ein anderes Mittel zu Folge. Außerdem können die üblichen Krankheitssymptome nicht verwertet werden, sondern es wird nach herstechenden individuellen, auch psychischen Gemütssymptomen gesucht.
Übrigens ist den Homöophaten eine Arzneimittelprüfung geläufig, nur wird hier interressanter Weise auch häufig im Doppelblindverfahren geprüft welche Symptome ein Mittel hervorruft. Das ganze Repertorium ist darauf aufgebaut.
UND jeder Homöophat der etwas kann MUSS beim Repertorisieren für ein und denselben Klienten letztlich zum selben erfolgreich wirkenden Mittel kommen !
Bevor als jemand sich erlaubt etwas über Homöophatie zu schreiben und das zu werten, sollte dieserjenige erstmal Hahnemann, Hering, Kent, Böricke, etc. lesen alles Schulmediziner die zur Homöophatie gekommen sind, nicht immer ganz freiwillig (manche sollten im Auftrag der Schulmedizin die Homöophatie des Lug und Trugs überführen) und oft zu Beginn zweifelnd.
Mein persönliches Statement. Ich halte puren Reduktionismus im eigentlichen und im besonderen auf die Materie für einen Irrweg und die Krankheit heißt tiefer Zweifel. Anzweifeln und Hinterfragen ist in Maßen sinnvoll, nur nach meiner Meinung zerstört massiver Zweifel immer den Versuch Geistiges, sei Seele, Spirits, etc. nachvollziehbar zu belegen - kaum jemand kommt auf die Idee zu fragen weshalb das so ist !!! Denn wer Zweifelt sollte irgendwann an den Punkt kommen seine Zweifel anzuzweifeln.
LG Siegmund