Gern erkenne ich an, dass Tiere mit einem zentralisierten Nervensyszem eine subjektive Erlebniswelt haben, was man auch als Qualia oder phänomenales Bewusstsein bezeichnet. Allerdings sehe ich keine Hinweise dafür, dass Tiere über ein reflexives Bewusstsein verfügen. Anders formuliert: Sicherlich sind Tiere mit zentralem Nervensystem in der Lage, Schmerzzustände wahrzunehmen. Jedoch ist es ihnen aus meiner Sicht nicht möglich, jene Schmerzen zu reflektieren und darüber nachzudenken bzw. sie adäquat zu klassifizieren. Das aber zeichnet ein reflexives Bewusstsein aus.
Ja, bei manchen höherevolvierten Tierspezies scheint es tatsächlich Evidenzen für ein primitives Ich-Bewusstsein zu geben, zumindest, wenn man erfolgreich bestandene Spiegeltests als Indiz für die Präsenz eines Ich-Bewusstseins akzeptiert. Das betrifft beispielsweise Schimpansen, Orang-Utans, Schweine, Delphine, Elstern, Elefanten. Dennoch kann wohl niemand dementieren, dass es sich beim menschlichen Bewusstsein, bei unseren individuellen Ich-Instanzen, um etwas Einmaliges und absolut Außergewöhnliches im gesamten uns bekannten Reich des Lebendigen handelt, oder?
Die tierische Imagination scheint hingegen eher rudimentär zu sein. Dies gilt sogar für Affen, wie so genannte crossmodale Transfertests belegen. Dieses Testverfahren ermittelt, ob ein visuell wahrgenommenes Objekt anschließend auch in der Dunkelheit mit Hilfe des Tastsinns als dasselbe Objekt erkannt werden kann, was ein gewisses Maß an Vorstellungskraft und gezieltem Erinnerungsvermögen voraussetzt. Für diesen Test kommen selbstverständlich nur sehr einfach zu identifizierende Formen in Frage wie zum Beispiel eine Kugel, eine Banane oder Vergleichbares. Bereits Kleinstkinder sind in der Lage, das ertastete Objekt mit dem zuvor erblickten Gegenstand korrekt in Verbindung zu bringen. Bei Affen hatten die Experimentatoren dagegen keinerlei Erfolgserlebnisse. Mit anderen Worten: Die vom gefühlten Objekt ausgehenden Signale haben sie nicht mit denen des gesichteten Objektes assoziiert, obwohl diese Tiere über ein gewisses Potenzial an Sensibilität und Intelligenz verfügen.
Eine weitere Frage stellt sich betreffs des tierischen Bewusstseins: Sind sich Tiere ihres eigenen Todes bewusst? Das halte ich für unwahrscheinlich, denn Tiere scheinen sich im Allgemeinen nicht sonderlich aufmerksam um kranke, verletzte oder verstorbene Artgenossen zu kümmern. Natürlich gibt es genetisch bedingte, also angeborene mütterliche Instinkte, die man schon bei sehr primitiven Organismen antrifft. Auf selbige beziehe ich mich aber nicht. Mir geht es tatsächlich um das Mitgefühl und die Anteilnahme des Tieres mit leidenden oder sterbenden Artverwandten. Um die Erkenntnis der eigenen Verwundbarkeit und des Todes.
Wenn ein Rudel von Affen einen Wald durchschreitet, nehmen sie in aller Regel keine Rücksicht auf versehrte Artgenossen. Selbst wenn die verletzten Tiere noch ein hohes Engagement zeigen, um mit dem Rudel Schritt halten zu können, wird ihnen von den gesunden Affen keinerlei Resonanz geschenkt. Das alles spricht für mich dafür, dass die Tiere das eigene Schicksal nicht als solches erkennen können.