Joey
Sehr aktives Mitglied
bei der Diskussion über Bewußtsein wird immer wieder vergessen, dass Bewußtsein nicht in EINEM Gehirn entstehen KANN. Diese Frage wird so leicht übersehen und ist doch ZENTRAL. D.h. es müssen zwei biologische System vorhanden sein und zwei Gehirne drin, damit es entsteht. Das Gedankenexperiment mit einem einzigen Gehirn/Menschen endet im Nichts (ich habe damals bei Ron Smothermon das erste mal darüber gelesen).
Auch das Gehirn muss erst lernen. Das Bewusstsein ist nicht von Anfang an in der Form, wie es im Erwachsenenalter ist. Das entsteht dann mit der Interaktion mit der Umwelt.
Das Argument "nicht falsifizierbar" ist insofern inadäquat, als es ein "Ausruheargument" ist: nach dieser Aussage muß ich mich mit dem Thema nicht mehr beschäftigen, bis der Delinquent sich bemüht eine falsifizierbare Theorie anzuschleifen.
Falsch, es ist sehr adäquat. Weil nicht-falsifizierbare Theorien rein gar nichts zur Beschreibung der Welt beitragen. Ich kann mein ganzes Weltbild auf nicht-falsifizierbaren Theorien aufbauen und die Welt so erklären... beispielsweise: "Geister bewegen die Gegenstände so, wie sie sich bewegen. Es gibt keine Gravitationskraft etc... machen alles Geister." Beweis mir das Gegenteil. Wird Dir nicht gelingen. Das Problem ist: So kommt man Naturgesetzen nicht näher. Man ruht sich eher auf diesen nicht-falsifizierbaren Theorien aus, als auf dem Argument, eine Theorie wäre es.
Als Beispiel zu den Doppelblindstudien:
Die evidenzbasierte Medizin rühmt sich eben besonders evident zu sein, die klaren Schwächen (der auf Doppelblindstudien und deren Ergebnissen beruhenden Empfehlungen) sind aber: FAST NUR Untersuchungen von KURZFRISTIG heilbaren und nicht direkt lebensgefährlichen Krankheiten,
Was kann die Doppelblind-Methodik dafür? In der Methodik steht nicht, dass man nur solche Studien führen darf.
FAST NUR Untersuchungen mit Hilfe von Geldern der Pharmaindustrie (ethische Prinzipien gehören nicht zur wissenschaftlichen Methodik? Gehts noch?)
In der Doppelblindmethodik steht auch nicht, wer Dir die Forschungsgelder geben darf.
FAST NUR Untersuchungen an Universitätskrankenhäusern (die nicht repräsentativ sind für "Krankheit der Bevölkerung") ....
Auch dafür kann die Doppelblind-Methodik nichts.
Die Doppelblidmethodik kürzt ein paar der wohl bekannten Effekte der Suggestion und (Selbst-)täuschung raus. Wenn Du jetzt diese Methodik ablehnst, weil sie in der evidenzbasierten Medizin nicht zu Deiner Zufriedenheit angewendet wird, und es immernoch ebenfalls wohlbekannte methodische Schwächen gibt, ist das arg Überreagiert.
Es ist doch immer wieder lustig, wie Leute sich winden, die die Doppelblind-Methodik ablehnen, und sie dann für Dinge kritisieren, für die die Methodik nichts kann. In der Methodik wird NICHT vorgeschrieben, dass die Studie von der Pharmaindustrie bezahlt werden soll... dennoch wird - wie hier auch - die Methodik u.a. dafür kritisiert - a la: "Oh, Bad-Pharma bezahlt die meisten Studien, also ist die Methodik bestimmt falsch.". Es steht jedem frei, die Methodik anzuwenden. Die Weigerung z.B. von Homöopathen - mit teilweise dem gleichen dummen Argument - spricht Bände.
Der Harvard-Professor Ted Kaptchuk hat den Placebo-Effekt untersucht, was ja als Bewußtseinsfrage angesehen werden kann und kam unter anderem zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass Menschen gesunden, wenn ihnen ein netter Arzt erklärt, sie schlucken jetzt ein Placebo, aber man könne es ja mal probieren. Nähere englische Infos hier.
Schön, ein weiterer Stein im Mosaik des Placebo-Effekts. Na und?
Ich verstehe die, die die bisherige Wissenschaft als ausreichend befinden, das zu erklären, was da ist. Wer allerdings nach drei Medienbesuchen aufgibt und sagt, dass da nichts sein kann, kann sich ja auch nachdem er dreimal vor dem Computer saß, darüber beschweren, dass ersie nichts versteht.
Es waren hier im Forum hoch gelobte Medien, die selbst hier auch aktiv waren. Ein Reading kam nicht zustande, weil das Medium offenbar selbst damit überfordert war trotz Verabredung mir ihre Adresse mitzuteilen (und die Beschreibung "5 Minuten von der U-Bahn" eben nicht ausreicht, eine Wohnung zu finden). Das zweite erzählte mir detailreiche Dinge, bei denen aber rein gar nichts passte. Und das dritte Mal waren ColdReading und Barnum-Aussagen deutlich erkennbar (was übrigens auch Medien machen, die sich dessen nicht bewusst sind) und mir wurden hinterher meine "Beweisfragen" zum Vorwurf gemacht. Ich könnte jetzt weiter von Medium zu Medium rennen, und alleine die Gesetze der Wahrscheinlichkeit würden dafür sorgen, dass eines mal ein paar Treffer landet. Das wäre immernoch KEIN Beweis, dass Medialität existiert.
Es ist faszinierend, wie ein relativ offenes System (Brettspiel) mit wenigen Regeln (3) zu erstaunlich vielfältigen Ergebnissen kommt -- doch umgekehrt: wie komme ich von den Ergebnissen des Spieles, wenn ich es nicht kenne, zu den Regeln und dem Spielbrett desselben: das ist die Frage mit der sich manche Forscher beschäftigen
Soweit richtig.
-- die einen wollen das Spielbrett von vorne herein begrenzen (Materie) und sie wollen auch noch, dass die Spielregeln sich an die für einen Teilbereich der Materie optimierten Forschungsmethodik hält: das nenne ich Beschränkung und zwar a priori.
Sinnvolle Beschränkung. Zum einen gibt es immernoch Ockhams Rasiermesser als wirklich sinnvolles Werkzeug, um nicht ständig einen irrsinnigen Wust an Hypothesen mitzuschleppen, die man in Betracht ziehen müsste.
Und die Wissenschaftliche Methodik verhindert nunmal sehr wohl bekannte Effekte der Suggestion und Täuschung und Selbsttäuschung. Wer sich nicht an diese Methodik hält, muss sich Fragen gefallen lassen, wie er mit diese Effekten umgeht, oder warum deren Einfluss auf das Experiment unwichtig ist (wie z.B. bei Studien, die gezielt den Placebo-Effekt untersuchen). Und da gilt ein "Ich täusche mich nicht!" oder gar ein "man kann trainieren, dass man sich nicht mehr täuscht" (was ich auf die Frage uach schonmal gehört habe) eben nicht.
Niemand konnte ein Atom nachweisen, als es theoretisch erfunden wurde. Doch 100 Jahre Forschung haben den Begriff Atom mit unzähligen Ideen und Bildern und Begriffen gefüllt, die sich teilweise widersprechen. Ein Atom ist ebenfalls nicht falsifizierbar, trotzdem geht alle Welt wie selbstverständlich davon aus, dass es es gibt. Keiner hat es je gesehen.
Falsch. Mittlerweile sind Atome zweifelsfrei nachgewiesen - und mit dem Elektronentunnel-Mikroskop sogar sichtbar gemacht worden. Und, als das noch nicht möglich war, gab es diverse Effekte, die mit einer Kontinuums-Materie wirklich nicht vereinbar war. Und davor war die Atom-Hypothese selbst auch umstritten.
Und diese Rasiermesser sind gut zum Rasieren, ok, das sehe ich ein. Aber sie sind nicht gut, ein offenes Spielbrett zu beschreiben. Die Rasiermesser-Methodik ist für ein stabilisiertes Forschungsgebiet mit funktionierenden Anwendungen nützlich, für die Erklärung von Unbekanntem, für die Erweiterung ins noch nicht Bekannte ist sie leider nicht nützlich. Es wird ja auch niemand gezwungen, sich Gedanken zu machen, was da noch sein könnte.
Doch. Die Postulate ins Unbekannte kann man immernoch heranziehen, wenn die Postulate im Bekannten ausgereizt sind, oder, wenn das Unbekannte eben mit guter wissenschaftlicher Methodik nachgewiesen wurde. Ockhams Rasiermesser hat nicht den Anspruch, Hypothesen auf ewig wegzuschließen, sondern ews ist nur ein Werkzeug zu entscheiden, was es sich jetzt anzuschauen lohnt und was nicht. Meistens bleiben die so aussortierten Theorien auch aussortiert... aber nicht immer.
Also an einer Diskussion die sich erweitern WILL habe ich Interesse. Erklären zu müssen, warum es Sinn macht, habe ich nicht. Ich habe auch kein Problem mit Wissenschaft. Sie funktioniert. Aber es ist mir zu wenig.
Aha, die Wissenschaft muss sich also (in Deinem Sinne) erweitern. Dass Du Dich aber vielleicht in dem Sinn erweiterst einzusehen, dass Deine Methoden Dich vielleicht nicht im nötigen Maße vor Selbsttäuschung schützen, kommt Dir nicht in den Sinn?