Hey, aber das ist eine Besessenheit, bei der könnt ich glatt zum Nachahmungstäter werden
Das ist mir auch bewusst, wenn man auf "Pegida " aller Arten unermüdlich loshackt, bestärkt man die nur und treibt ihnen womöglich weitere direkt in die Arme.
Was aber ist zu tun? Wie entgegnet man wirklich sinnvoll einer Extremeinstellung? Ich gestehe, dass ich mir da selbst nicht ganz schlüssig bin. Bei sich bleiben und die eigenen Ansichten entsprechend sicher zum Ausdruck bringen? ... Ich glaube, man wird nicht gehört... Oder? Vielleicht doch irgendwann?
Kinnaree
Ich denke, es geht um Bildung. Aber eben eine andere Art der Bildung als jene die läuft. Warum wird das was ich hier beschreibe so gut wie nirgends gelehrt? Wenn man zurück denkt in die Schulzeit und sich vorstellt es hätte ein Schulfach dieser Art gegeben, dann wäre das etwas das jeder oder zumindest fast jeder gerne gelernt hätte - jeder der die Bedeutung dessen versteht und die wäre wiederum sehr leicht zu vermitteln. Würde ich vor einer Schulklasse von 15jährigen stehen könnte ich genau das was die interessiert dazu benutzen um diese Prinzipien zu erklären. Denn was interessiert 15jährige? Deren eigene Probleme, hauptsächlich Beziehungen - erste Liebe etc.
Daran kann man die Prinzipien erklären und die kann man wieder auf ganz andere Themen übersetzen, auch auf ganz andere Fächer. Denn diese Prinzipien sind sowieso eng verwoben mit dem Thema lernen. Manipulation ist ja "lernen" bzw. "gelehrt werden". Dabei wird nur eben die eigentliche Intention versteckt. Versteckt man sie nicht ist es Bildung und genau das kann man auch erklären.
Das wäre ein super Fach... Und wie viele Idiotien würden die dann lassen? Die würden auch netter miteinander umgehen wenn sie das erst mal geschnallt haben. Und sie würden Rattenfängern nicht mehr so leicht auf den Leim gehen, egal ob rechts oder links oder Kriegstreibereien oder was sonst noch alles. Alleine weil sie grundlegende Prinzipien verstehen würden sie sich auch viel mehr interessieren. Denn die unendliche Komplexität die sehr viele abstößt, wenn es z.B. um Finanzmärkte geht oder sonstige politische Debatten, würde als Ausprägung dieser Prinzipien erkannt... das macht es dann gleich faszinierender weil verständlicher. Mich interessiert ja z.B. fast alles. Ich sehe ja alles auf die Art... egal ob Kriege oder die Börse oder ob mir ein Freund von seinen Frauenproblemen erzählt oder meine eigenen Probleme.
Und wenn es dann um Manipulation geht... da habe ich ein perfektes Beispiel. Vermutlich hat jeder und fast jeder im Geschichtsunterricht das Thema Nazis gehabt und die berühmte Rede von Goebbels (Wollt ihr den totalen Krieg?) wird behandelt. Und der Hammer ist: So wie das gelehrt wird, ist es manipulativ! Warum? Wenn die tieferen Prinzipien dessen was Goebbels da macht, und das macht er nahezu algorithmisch perfekt, nicht erklärt werden, wird lediglich ein oberflächliches Bild von Propaganda erzeugt. Wenn dann später jemand sagt: "Unsere Medien betreiben Propaganda!", dann stößt er auf Ablehnung. Die Menschen denken ja "Ich habe gelernt was Propaganda ist. Das ist sowas wie die Nazis gemacht haben und das kann man doch gar nicht vergleichen!".
Das ist natürlich jetzt simplifiziert aber so in etwa läuft es oft. Aber man kann es wirklich zeigen das Goebbels psychologische Strategien benutzte die auch heute benutzt werden. Die Propaganda der Nazis baute ja eben auch darauf auf eine unglaublich starke Identifikation zu schaffen. Bzw. wurden die nicht geschaffen sondern intensiviert... etwa Vaterlandsliebe. Eine Identifikation mit dem eigenen Land ist eh bei fast jedem irgendwo da und das kann intensiviert werden. Eine Feindschaft gegen jene die man als Verursacher von Leid ansieht ist ebenfalls da und kann intensiviert werden. Es ist dann auf dieser Basis nicht mehr schwer auch alles mögliche "Neue" einzuführen. Die Nazis konnten die deutsche Bevölkerung eine zeitlang gegen jeden und alles schicken. Und das haben sie durch laufenden Druck auf die eigene Bevölkerung getan. Sie haben ja bewusst Ängste und Demütigungen betont.
Die Sportpalast-Rede ist ein super Beispiel, das hier ist nur die berühmteste Stelle:
Viertens: Die Engländer behaupten, das deutsche Volk wehrt sich gegen die totalen Kriegsmaßnahmen der Regierung. Es will nicht den totalen Krieg, sondern die Kapitulation. (Zurufe: Niemals! Niemals ! Niemals !)
Ich frage Euch: Wollt Ihr den totalen Krieg? Wollt Ihr ihn wenn nötig totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt noch vorstellen können?
Das macht er in der Rede laufend. Zuerst Druck...Demütigung... die Engländer haben gesagt. Um dann das anzubieten was er will. Den Widerstand gegen diesen Druck den
er psychologisch erzeugt.
ER demütigt und appelliert an Ängste.
Und das geschieht bei uns eben auch laufend. Selbst der scheiß Focus-Artikel bzw. die Überschrift des Videos funktioniert doch so:
Viertens: Wir bieten Flüchtlingen Sicherheit! Wir nehmen sie auf! Und jetzt glauben sie mit der deutschen Politik abrechen zu müssen?
Ich frage Euch: Was antworten wir darauf?
Antwort - Kommentarspalte unter dem Artikel.
Oder 9/11:
Bush macht prinzipiell ja das gleiche. Er stellt Fragen die die amerikanische Bevölkerung hat und beantwortet sie dann selbst. Er erzeugt das Gemeinschaftsgefühl der "freien Welt", appelliert Identifikationen und Ängste (die ebenfalls Identifikationen sind), er baut einen Feind auf der die freie Welt bedroht und beschreibt wie böse dieser Feind ist usw. Und Krieg ist die Tür die er anbietet. Und nach dem 9/11-Trauma gibts da keine Wahl. Die Amis haben alles abgenickt.
Jedenfalls.... würde man sowas in der Schule lehren, würden solche Sachen nicht funktionieren. Dann würde Politik wie wir sie kennen, nämlich über Angst ("wir müssen euer Geld nehmen um private Banken zu retten, sonst.......!") nicht funktionieren. Und deshalb wird das nicht gelehrt.
Und die Medien würden eben auch kritischer gesehen. Der Witz ist ja, dass es auch unglaublich plumpe Manipulationen gibt die so dumm sind das sie ja im Grunde fast jeder schnallt.
Zum Beispiel das hier:
Assad lässt Kinder töten - wie lange wollen wir noch zuschauen?
Bei der Sendung haben sie es voll übertrieben und hartes Feedback bekommen. Es ist aber wieder das gleiche Prinzip. Druck erzeugen... denn wer kann schon akzeptieren wenn Kinder getötet werden? Eine tiefliegende Identifikation in uns allen. Und wie lange wollen wir da noch zuschauen? Das impliziert ja nicht nur das Assad tatsächlich Kinder töten lässt, es impliziert gleich noch mal Druck, nämlich Zeitdruck... der macht das die ganze Zeit, wir müssen lieber gestern als heute eingreifen.
Es ist super plump aber vieles ist eben deutlich subtiler und daher wirkungsvoller.
Wie gesagt... würde den Kids schon in der Schule beigebracht wie es funktioniert, würden jene Erwachsene die aus ihnen werden nicht mehr jeden Mist glauben und sich in Stellung gegeneinander oder gegen äußere Feinde bringen lassen.