Atomstrom

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Als Tschernobyl geschah war auch ein extremes Maß an Inkompetenz mit im Spiel. Allerdings auch unglaublich viel Vertuschung. Die russische Regierung war wahrscheinlich tatsächlich selbst zu spät und vorerst falsch informiert.

Man muss aber auch sagen: Sie haben dann, als die Situation wirklich erkannt wurde, unglaubliche Opfer gebracht um die Katastrophe einzudämmen. Was auch nur wenigen bekannt ist: Es hätte viel schlimmer kommen können. Unter dem Kraftwerk hatte sich Löschwasser angesammelt und die Kernschmelze ging immer weiter nach unten durch. Ohne das in den Griff zu bekommen wäre es noch mal zu einer Explosion gekommen und die hätte alles vorherige noch mal übertroffen, große Teile Europas für lange unbewohnbar gemacht.

Die Russen sandten sogenannte "Liquidatoren" (zum größten Teil Soldaten, aber auch Bergwerksleute), die zuerst Wasser abpumpten, das Durchbrennen nach unten stoppten (indem sie einen Tunnel gruben), sie reinigten das Dach des Reaktors (und zwar ein Mann jeweils nur um die 40 Sekunden)... und alle wurden dabei extrem verstrahlt. Alle sind schwer erkrankt und natürlich viele tot. Dann wurde der Reaktor mit unglaublichem Aufwand versiegelt... das ist ein Milliardenprojekt, das immer wieder erneuert werden muss. Denn das strahlende Material (Tonnen) ist natürlich nach wie vor dort.
Ja, da haben sehr viele Menschen unwahrscheinliche Opfer gebracht.
Ich habe dazu mal ein Buch geliehen bekommen, in dem Hinterbliebene ihre Geschichten und die ihrer Verstorbenen Angehörigen schilderten - ich konnte es nicht zu Ende lesen, es hat mich einfach erschüttert (leider weiss ich den Titel nicht mehr).
Deswegen hat jeder meine Hochachtung, der sich in einer solchen Situation opfert (oder sich opfern muss). Aber das macht auch niemanden wieder lebendig oder irgendetwas ungeschehen.
 
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Ich glaube, beim Thema Atomkraft ist die Bevölkerung durch mehrere Faktoren schwer zu manipulieren. Einen davon erlebe ich hier immer wieder. Folgendes: auch wenn jetzt in Bezug auf Japan immer so getan wird, als wären die bestehenden Probleme weniger schlimm, wenn die mit Strahlung kontaminierte Luft aufs Meer zieht oder auf dem Weg nach Tokio abregnet - die Strahlung ist ja damit nicht aus der Welt, sie geht ja nicht verloren. Sie verteilt sich nur.
Und ich als 1980er DDR-Jahrgang hörte und höre immer noch jede Menge Erzählungen von den älteren Generationen darüber, was zu Tschernobyl-Zeiten für Pilzmassen in ungewöhnlicher Menge und Größe in den Wäldern und auf den Wiesen wuchsen etc. Auch wenn Ostdeutschland schlecht informiert wurde, es war allen die mir davon erzählten klar, dass dieses spontane Wachstum mit der Strahlung zusammenhängt und das das nicht gut sein kann. Das sind Erfahrungswerte, die kann man nicht wegdiskutieren - da fällt es dann natürlich schwer, den Leuten AKWs schönzureden.

Ja... kaum jemand hat den Tschernobyl-Schock vergessen und es ist sogar fast so, dass die Gefahren teilweise "überschätzt" werden. Damit meine ich: Die Strahlung die momentan etwa in Tokio gemessen wird ist (noch) unbedenklich. Aber die Tatsache das Strahlung gemessen wird, lässt viele denken: Tokio wird verstrahlt... (das kann noch passieren, aber bisher ist die Strahlung unbedenklich). Die Höhe der Strahlung ist ein sehr wichtiger Faktor, viel wichtiger als die Nachricht DAS Strahlung gemessen wird. Die Mentalität der Japaner verhindert Panik, wobei sie langsam ausbricht... Wäre Berlin betroffen, wie jetzt Tokio, also dass überhaupt nur Strahlung gemessen werden würde, gäbe es eine extreme Panik.

Was die Belastung durch Tschernobyl betrifft: Dort sind natürlich nach wie vor weite Gebiete nicht zu nutzen und alles was dort wächst ist verseucht. Und das wird noch sehr sehr lange so sein. Dasselbe kann mit dem Gebiet um Fukushima passieren. Wahrscheinlich werden die evakuierten Menschen nicht zurückkehren können. Zumindest nicht, wenn noch mehr passiert, wovon man momentan leider ausgehen muss.
 
Es ist aber reines Gewäsch... Wahlkampfkosmetik. Die sind unter Druck, weil sie sonst Wahlen, v.a. Baden-Würtemberg, verlieren. Wenn das passiert, wird selbst Merkels Kanzlerschaft auf der Kippe stehen. Mit diesem "Moratorium" kaufen sie sich Zeit um herauszufinden wie die Bevölkerung in drei Monaten tickt, nicht so sehr wie sicher die AKWs sind. Wenn Japan "glimpflich" ausgeht und sich die Bevölkerung in drei Monaten beruhigt hat, gehen die Dinger wieder ans Netz und es verändert sich so gut wie nix.

Es wird wohl nicht so kommen, weil sie sich momentan wahrscheinlich verrechnen. Aber das ist die Strategie.

wir werdens ja sehen, wenn wir nur zuschauen, wirds so sein

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,750871,00.html#ref=rss
 
viele probleme sind hierbei DAS problem... ich hab im anderen thread etwas ausfuehrlicher stellung zu genommen...

aber eventuell einigt man sich darauf das der IST-ZUSTAND einfach nicht der gewuenschte zustand ist, unabhaengig von lobby sollte man sich moeglichst viele infos holen und dann seine meinung ueberdenken....

und du hast einige informationen erhalten, von zig usern....
dein wasser, wenn moeglich, atom schonender als fossil ist plausibel....
aber das ganze scheint einfach etwas komplexer zu sein... und dafuer solltest du zumindest offen sein....

Es geht ja darum, man muss alle Aspekte sehen, es nützt nichts die AKWS zu verteufeln und Ereignise die hier nie eintreten können (Tsunami) als Argument nehmen und auch Erdbeben in dieser Stärke sind nicht möglich.
Es geht ja rein darum, man benutzt die schweren Unfälle um damit etwas zu bewirken gegen eine Technologie, die sehr sicher ist und vom CO2 Aspekt besser abschneidet als fossil. Ich bin auch kein Atomfreund, ich sehe es einfach als Möglichkeit, dass man damit weniger Treibhausgase produzieren kann. Am liebsten wäre mir auch, man könnte den Energiehunger mit Wasserkraft oder anderen Alternativen decken, was aber technisch nicht möglich ist und auch nie bezahlbar wäre, ... .
Dh. es ist komplexer als man denkt, mit jeder verteurung wird der Wirtschaftsstandort schlechter und weniger konkurrenzfähig, dh. die Globalisierung ist auch ein riesengrosses Problem was Umwelbelange angeht.
Denn verdrängen ins Ausland und so weiter bringt auch nichts, dh. wenn ich irgendwo billig produziere unter schlechteren Umweltauflagen, so verseuche ich den Planteten genau gleich, wie wenn ich es vor der Haustüre mache.
Dh. vielen ist nicht bewusst, dass es nur globale Lösungen geben kann.
Dh. die Atmospähre betrifft alle weltweit und es gibt nicht die Glaskuppel über den Ländern. Also alles was irgendwo billig produziert wird, verursacht auch die Emissionen. Somit wäre es am sinnvollsten global zu denken in Sachen Umwelt aber gegen die Globalisierung sein, weil es eine Verlagerung ist immer in billigere Produktionsgebiete wo billiger sind u.a. wegen Umweltauflagen.
lg
Cyrill
 
Ja, da haben sehr viele Menschen unwahrscheinliche Opfer gebracht.
Ich habe dazu mal ein Buch geliehen bekommen, in dem Hinterbliebene ihre Geschichten und die ihrer Verstorbenen Angehörigen schilderten - ich konnte es nicht zu Ende lesen, es hat mich einfach erschüttert (leider weiss ich den Titel nicht mehr).
Deswegen hat jeder meine Hochachtung, der sich in einer solchen Situation opfert (oder sich opfern muss). Aber das macht auch niemanden wieder lebendig oder irgendetwas ungeschehen.

Um ehrlich zu sein finde ich die Schicksale derer, die erst nach solchen Katastrophen schwer krank und behindert geboren werden, noch schlimmer, als das Schicksal derer die sich opferten/opfern mussten. Es würde mir persönlich wahrscheinlich leichter fallen mich verstrahlen zu lassen, möglicherweise damit noch viele Leben zu retten, als wenn ich selbst gesund bliebe aber Vater eines schwer kranken Kindes würde, weil mein Erbgut vollkommen pervertiert wurde.
 
... als wenn ich selbst gesund bliebe aber Vater eines schwer kranken Kindes würde, weil mein Erbgut vollkommen pervertiert wurde.

Das kann ich gut verstehen.
Auch hierzulande stieg die Anzahl bspw. von Kindern mit Downsyndrom überproportional in die Höhe (nach Tschernobyl). Es gab auch in der Folge überdurchschnittlich hohe Fehlgeburtenzahlen.
Das sind Dinge, über die man seltenst etwas hört.
 
menschen sind unmuendig... sie brauchen einen guten hirten...

und vielleicht geschehen katastrophale dinge, welche unserer entwicklung dienen sollen...

aber ich denke, durch das wort wird letzten endes revolutioniert, propaganda von unten....
plaene fuer alternativen sind ja nicht mal ausreichend publik gemacht...

wenn dem ottonormalverbraucher richtige entscheidungsfindungen hier nicht zugetraut werden, dann kann man sich doch ueber den fokus der politik auch mal gedanken machen....

ich habe nichts gegen eigenverantwortung, aber diese entwickelt sich eventuell nicht so leicht bei komsumorientierter/materialistischer erziehung
Menschen sind auch wenn "unmündig" letztendlich verantwortlich.

Keiner kann das abnehmen. Auch kein "guter" Hirte.

Und diese Konsumgesellschaft ist eine sehr kurze Episode in der Geschichte.

Entwicklung ist also gut möglich. ;)
 
Um ehrlich zu sein finde ich die Schicksale derer, die erst nach solchen Katastrophen schwer krank und behindert geboren werden, noch schlimmer, als das Schicksal derer die sich opferten/opfern mussten. Es würde mir persönlich wahrscheinlich leichter fallen mich verstrahlen zu lassen, möglicherweise damit noch viele Leben zu retten, als wenn ich selbst gesund bliebe aber Vater eines schwer kranken Kindes würde, weil mein Erbgut vollkommen pervertiert wurde.
Ich wollte auch auf keinen Fall eine Wertigkeit aufstellen, welches Schicksal schlimmer ist.
Und ich kann Deine Gedankengänge nachvollziehen, ich sehe es ähnlich.
 
Sehe ich ganz genau so. Was hat diesen Sinneswandel in der Regierung denn eigentlich ausgelöst?

Nackte Überlebensangst wegen der Wahlen

Wusste die nicht vor Japan schon, was bei einem Unfall in einem AKW passieren kann?

Doch. Es war ihnen egal. Der Profit ist ihnen wichtiger, als jede Vernunft.

War denen denn vorher nicht klar, dass unwahrscheinlich eben nicht unmöglich bedeutet?

Nein. VogelStraußPolitik.

Mussten erst irgendwo ein paar Reaktorblöcke in die Luft fliegen, um zu dieser Einsicht zu gelangen?
Ich denke, dass dies sogar noch nicht ausreicht.


Die Tatsachen (wech von AKW´s) müssen gewirkt sein, bevor ich daran glaube, dass sich da wirklich etwas geändert hat. Dann muß ich aber nicht mehr nur daran glauben, denn dann ist es ja Tatsache.:)
 
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Um ehrlich zu sein finde ich die Schicksale derer, die erst nach solchen Katastrophen schwer krank und behindert geboren werden, noch schlimmer, als das Schicksal derer die sich opferten/opfern mussten. Es würde mir persönlich wahrscheinlich leichter fallen mich verstrahlen zu lassen, möglicherweise damit noch viele Leben zu retten, als wenn ich selbst gesund bliebe aber Vater eines schwer kranken Kindes würde, weil mein Erbgut vollkommen pervertiert wurde.

über tschernobil und seine spätfolgen

Die radioaktive Zerfallskette von Plutonium und ihre Spätfolgen
Dass der explodierte Reaktorblock 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl die Umgebung auf Jahrhunderte unbewohnbar machen würde, war zu erwarten. Unerwartet, doch physikalisch erklärlich ist, dass die Radioaktivität in Weißrussland heute allerdings noch gefährlicher ist als in den Jahren direkt nach dem Unglück................

:morgen:
 
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