"Am vom Erdbeben beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat die radioaktive Strahlung die zulässigen Höchstwerte überschritten..
Am vom Erdbeben beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat die radioaktive Strahlung die zulässigen Höchstwerte überschritten. Das teilte die Betreiberfirma Tokyo Electric Power (Tepco) am Sonntag mit, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Am Samstagnachmittag hatte sich in der Anlage eine Explosion ereignet, die das Gebäude rund um den Reaktorblock 1 zerstörte.
Bislang hatte es von Seiten der Regierung stets geheißen, eine erhöhte Strahlung im Umfeld des Reaktorgebäudes sei auch nach der Explosion nicht nachweisbar. Regierungssprecher Yukio Edano wurde zudem mit der Aussage zitiert, der nach dem Ausfall des Kühlsystems zuletzt stark gestiegene Druck im Reaktor nehme wieder ab, was auf eine Entspannung der Lage hindeutete. Nun allerdings scheint sich die Situation dramatisch zu verschärfen: In dem havarierten Krisenmeiler fielen am Sonntag in einem weiteren Reaktor sämtliche Kühlsysteme aus. Tepco begann deshalb nach eigenen Angaben , Dampf aus dem Reaktor abzulassen um den Druck zu reduzieren. Dieses Verfahren hatten die Verantwortlichen auch bei der am Samstag explodierten Anlage zum Einsatz gebracht vergeblich.
Dennoch ist das Öffnen des Druckventils offenbar die einzige Option, um eine zweite Detonation womöglich zu verhindern auch wenn dadurch weitere radioaktive Strahlung freigesetzt wurde: Der japanische Fernsehsender NHK berichtete auf seiner Internetseite, in der Nähe des Blocks 1 von Fukushima seien bereits am Samstag 1.015 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden. Diese Strahlendosis sei doppelt so hoch wie der Grenzwert für meldepflichtige Notfälle.
Die Zahl der Opfer steigt
Wegen der dramatischen Lage wurden nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) inzwischen rund 170 000 Menschen in Sicherheit gebracht, das Gebiet wurde im Umkreis 20 Kilometer um die Anlage evakuiert. Die japanischen Behörden teilten außerdem mit, bis zu 160 Personen wären der Strahlung ausgesetzt gewesen. In Evakuierungszentren wurden Flüchtende daraufhin untersucht.
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo liegt die amtliche Zahl Toten und Vermissten inzwischen bei 1800. Tatsächlich dürften aber noch viel mehr Menschen ihr Leben verloren haben. So haben die Behörden zum Beispiel keinen Kontakt zu etwa 10 000 Einwohnern einer Kleinstadt. Das entspricht der Hälfte der Bevölkerung.
Viele der Überlebenden befinden sich inzwischen auf der Flucht aus dem Krisengebiet. Betroffen sind an die 300 000 Menschen, etliche von ihnen harren in Notunterkünften aus. Fünfeinhalb Millionen Menschen müssen aufgrund der Katastrophe ohne Strom auskommen.
Ein Land steht unter Schock
In normalerweise betriebsamen Vierteln in der Hauptstadt Tokio herrschte am Samstagabend gespenstische Leere. Die wenigen Besucher von Bars und Restaurants verfolgten im Fernsehen die Berichterstattung über die Rettungseinsätze für die Erdbebenopfer.
Die japanische Notenbank will Medienberichten zufolge den Finanzmarkt mit umgerechnet mehreren Milliarden Euro stützen. Wie hoch die Belastungen für den japanischen Staatshaushalt sein werden, war zunächst unklar. Die Regierung geht nach eigenen Angaben davon aus, dass Haushaltsreserven in Höhe von umgerechnet 1,8 Milliarden Euro bis Ende März ausreichen werden."
http://www.focus.de/panorama/welt/t...avariertem-akw-ueberschritten_aid_607979.html