Astrologie als Thema beim ZDF Magazin Royale

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Erstens: Es gibt unendlich viele Themen, die man als Astrologe untersuchen kann. Irgendein beliebiges Thema herauszupicken und dann den Astrologen einen Vorwurf zu machen, sie hätten ausgerechnet das nicht kommen sehen, ist ziemlich lächerlich. Warum sollte ich aus einer prinzipiell unendlich grossen Menge ausgerechnet ein einziges Element (Tod der Queen) im voraus ausgewählt haben, und darauf eine Analyse gemacht haben? Als Astrologe interessiert mich die Queen nicht die Bohne. Ich habe besseres zu tun, als tagelang ihr Leben nach möglichen zukünftigen Ereignissen abzusuchen.
Findest du deinen Beitrag fundiert? Klar kann ein Astrologe sich mit unzähligen Themen beschäftigen. Es waren zahlreiche Astrologen persönlich, die sich immer wieder mit dem (Ab)leben der Queen beschäftigten. Was ja auch nicht dumm ist, denn dass eine Frau in den Neunzigern nicht mehr lange leben würde war wahrscheinlich.

Und selbst wenn nur von Wahrscheinlichkeit die Rede ist: "Die Zeiten in der Politik werden unruhig", "Der Klimawandel wird weitere Konsequenzen mit sich bringen" u.ä.

Astrologie hat bisher zu keinem Ereignis irgendetwas erkannt oder als wahrscheinlich berechnet.
 
Nein. Du hast ausschweifend etwas geschrieben. Aber aus deinem Text geht nicht hervor, wo Astrologen den Nicht-Astrologen überlegen sind.
?

Warum sollten Astrologen den Nicht-Astrologen überlegen sein? Verstehe nicht, wovon du sprichst.

Wovon die Rede war: Die Astrologen haben leider bisher noch immer keine brauchbare Erklärung, warum Astrologie funktioniert. Während die Nicht-Astrologen - oder genauer: die Gegner der Astrologie - ziemlich gute Argumente haben, warum die Astrologie nicht funktioniert. Es wäre also die Aufgabe der Astrologen, endlich dafür zu sorgen, dass sie brauchbare Gegenargumente haben. Aber das interessiert die absolute Mehrheit der Astrologen nicht. Und insofern ist es dann durchaus naheliegend, dass die Astrologie eine irrelevante Nische für ein paar Verrückte bleibt.

Diesen Zustand finde ich unbefriedigend, und daher mein Wunsch, die Astrologen würden sich doch endlich mal dazu aufraffen, einen höheren Anspruch an ihre eigene Disziplin an den Tag zu legen, und etwas systematischer über die Grundlagen ihrer eigenen Erkenntniswissenschaft nachzudenken.
 
Das Problem ist eben das Weltbild, welches die Wissenschaft zugrundelegt. Meist sind die Kritiker der Astrologie ziemlich naive "Szientisten" - ohne zum Beispiel zu berücksichtigen, dass es ganze Wissenschaftszweige wie eben die Hermeneutik oder Philosophie gibt, auf die die Anwendung von Empirie überhaupt keinen Sinn macht. (Die Korrektheit einer philosophischen Schlussfolgerung ergibt sich i.d.R. nicht aus ihrer Messbarkeit heraus.) Diese Szientisten haben also ein naiv-positivistisches Weltbild und argumentieren aus der Position heraus, dass die Astrologen ebenfalls ein solches Weltbild teilen würden.
Und darauf fallen dann die Astrologen hinein, und argumentieren aus demselben naiv-positivistischen Weltbild - und haben dann natürlich die schlechteren Argumente als die Szientisten.
Darauf wiederum reagieren einige Astrologen damit, die Wissenschaft gleich ganz beiseite lassen zu wollen. Was aber ebenfalls nicht funktioniert, weil Astrologie ja zuallermindest auf Nachvollziehbarkeit beruht. So wie die Hermeneutik eben: Es gibt viele mögliche Deutungen für einen Sachverhalt, aber nicht unendlich viele. Manche Deutungen sind klar ungültig, manche sind in einem Graubereich, und manche sind klar gültig. Die Sache erschliesst sich letztlich erst in der Teilnahme an einem Diskurs. Genau so funktioniert seit Jahrhunderten die ganze hermeneutische Wissenschaft.

Wir Astrologen können also weder das naiv szientisch-positivistische Weltbild teilen, noch die Wissenschaft beiseite lassen. Insofern sollten wir uns tunlichst darum kümmern, den Wissenschaftsbegriff zu erweitern - denn der jetztige ist ganz offenbar nicht reichhaltig genug, um die Realität der Astrologie erfassen zu können.
Das ist nichts Neues, es wäre eben ein Paradigmawechsel in der Wissenschaft nötig. Diese Paradigmenwechsel gab es schon viele, und es wird sie weiterhin geben. Aber dazu braucht es gute, überzeugende Argumente, nicht das Aufgeben des Anspruchs auf Wissenschaftlichkeit.

Ich stimme dir exakt zu und ich finde du bringst sehr gute Argumente und machst das Problem auch sehr klar deutlich.
Das ganze Thema erinnert mich hier insgesamt an einen alten Thread (10+ Jahre her bestimmt) wo auch so ein Skeptiker hier über 100 Seiten hinweg mit den Astrologen hier diskutiert hat und am Ende kaum Argumente von Astrologen-Seite kamen, die zufriedenstellend hinsichtlich der Wissenschaftlichkeit gewesen wären. Von daher glaube ich nicht dass sich da irgendwas ändern wird (von beiden Seiten aus), wenn die Astrologen sich nicht, wie du es beschreibst, besser positionieren würden.
 
Geschweige denn ein Beispiel dafür, dass sie funktioniert.
Na, darüber können wir uns durchaus unterhalten.

Aber dann müssen wir erst einmal klären, was "sie funktioniert" oder "sie funktioniert nicht" genau heissen soll..

Ein Auto "funktioniert" genau so lange, bis es nicht mehr funktioniert. Die Funktionsweise beinhaltet notwendigerweise das Nicht-Funktionieren als ihre Bedingung.

Der Begriff des "Funktionierens" ist durchaus nicht-trivial - und noch viel weniger trivial, wenn wir ihn auf die Astrologie anwenden.

Ein verwandtes Beispiel ist die Psychoanalyse. "Funktioniert" die denn überhaupt? Naja, gemessen an welchem Anspruch? Die Psychoanalyse hat erstmal keinen Beweis für die Existenz eines Unbewussten. Das Unbewusste kann ja nicht bewiesen werden, genau das ist ja die Natur des Unbewussten. Sollte man die Psychoanalyse somit ganz verwerfen? Das ist ungefähr das, was an den allermeisten Univerisäten tatsächlich passiert, es gibt heute so gut wie kaum Lehrstühle für die Psychoanalyse mehr. Aber gleichzeitig ist die Psychoanalyse ein Kulturgut geworden, kommt in Literatur und Film vor, ist Teil von Psychotherapie diverser Couleur und so weiter. Die Psychoanalyse ist tatsächlich brauchbar für viele Menschen. Aber funktioniert sie deswegen auch?

Wenn wir also diskutieren wollen, ob Astrologie funktioniert, dann brauchen wir erst einmal eine Klärung, was denn "Funktionieren" genau heissen soll.
 
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