Du sagst im Kern:
Unser Zugang ist subjektiv.
Durch Begriffe verlieren wir Eigenschaften.
Diese Beschränkung erzeugt erst den Eindruck, es brauche eine strukturelle „Beobachtung“.
Vielleicht ist das alles nur ein Artefakt unserer Perspektive.
Das ist kein trivialer Vorwurf.
Aber ich würde an einem Punkt klar widersprechen.
Die Subjektivität erklärt, wie wir Inhalte erfassen.
Sie erklärt nicht, dass überhaupt Unterscheidung stattfindet.
Selbst wenn unser Zugang verzerrt, reduziert oder perspektivisch ist –
bleibt die Tatsache bestehen, dass etwas als etwas erscheint.
Artefakt wovon?
Ein Artefakt setzt bereits einen Prozess voraus, der etwas hervorbringt.
Aber auch dieser Prozess wäre wieder nur beschreibbar, wenn Differenz möglich ist.
Wenn du sagst: „Unsere beschränkte Sicht erzeugt diesen Eindruck“,
dann setzt du bereits voraus:
– es gibt eine Sicht
– sie ist beschränkt
– es gibt etwas, das nicht vollständig erfasst wird
Das sind Unterscheidungen.
Mein Punkt ist nicht: Die Struktur ist wahr, weil wir subjektiv sind.
Mein Punkt ist: Subjektivität selbst ist nur als Struktur von Differenz denkbar.
Selbst wenn wir alles als kognitive Reduktion erklären, bleibt die minimale Bedingung:
Es gibt Unterscheidbarkeit.
Und das meine ich mit „Beobachtung“ – nicht als psychologischen Akt, nicht als bewussten Vorgang, sondern als formale Differenzbedingung.
Du kannst sagen: Diese Struktur ist ein Artefakt unseres Denkens.
Aber auch „Artefakt“ unterscheidet zwischen ursprünglicher Wirklichkeit und verzerrter Darstellung.
Du kommst nicht unter Differenz.
Das ist der entscheidende Punkt.
Die Frage ist also nicht, ob wir Wirklichkeit vollständig erfassen können (vermutlich nicht).
Die Frage ist: Ist Differenz selbst ein bloßes Nebenprodukt – oder ist sie die minimale Bedingung, dass überhaupt von „Nebenprodukt“ gesprochen werden kann?
Wenn sie nur Artefakt wäre, müsste es eine differenzlose Wirklichkeit geben, von der wir sinnvoll sagen könnten, dass sie differenzlos ist.
Aber „differenzlos“ ist bereits eine Bestimmung.
Und genau dort sehe ich die Grenze.
Nicht als metaphysische Behauptung. Sondern als formale Notwendigkeit.
Und wenn ich böswillig zurückformulieren darf

:
Vielleicht ist nicht die Struktur ein Artefakt, sondern die Vorstellung, man könne unter sie zurück.