Wissenschaft, Philosophie und Spiritualität – Wege zum Verständnis der Wirklichkeit

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@Knurzhart, danke für die ausführliche Klarstellung. Ich sehe, wo wir uns nahekommen – und wo noch feine Unterschiede bleiben.

Du sagst: Es gibt eine nicht widerlegbare, objektive Wirklichkeit, und unsere subjektive Wahrnehmung erzeugt daraus ein Artefakt. Dieses Artefakt taucht immer auf, trägt Spuren der objektiven Wirklichkeit, ist aber nicht greifbar und letztlich ohne wirkliche Relevanz.

Mein Ansatz unterscheidet sich hier subtil: Ich spreche nicht von objektiver Wirklichkeit, sondern von Vorhandensein als minimaler Bedingung. Unabhängig davon, ob wir sie subjektiv oder objektiv erfassen, muss es Differenz geben, damit überhaupt Inhalte als Inhalte erscheinen.

Das Artefakt entsteht nicht aus der Subjektivität allein – sondern aus der Vorstellung, dass man Differenz umgehen oder reduzieren könnte. Selbst wenn wir sagen: „Alles, was wir sehen, ist subjektiv“, bleibt die formale Struktur der Differenz bestehen. Sie ist nicht greifbar, ja – aber sie ist notwendig, weil ohne sie überhaupt keine Unterscheidungen möglich wären.

Insofern stimmt etwas bei uns überein: Diese Struktur ist nicht direkt beobachtbar, sie erscheint nur implizit. Aber sie ist relevant, weil sie die Bedingung dafür ist, dass überhaupt Phänomene, Wahrnehmungen oder Inhalte – Artefakte oder nicht – erscheinen können.

Mit anderen Worten:
Nicht die Differenz selbst ist das Artefakt, sondern die Vorstellung, man könne sie beseitigen oder umgehen. Das ist der Kern meiner formalen Perspektive.
 
@Gerlind, nein – ich meine keinen „Alltag des Stärkeren“ oder Vorgaben, wie etwas „wirklich sein soll“.

Wenn ich sage, Wirklichkeit verstärkt, was wir ohnehin sehen, meine ich: Im Alltag filtern wir ständig, ohne es zu merken. Philosophisch spannend wird es erst, wenn wir erkennen, dass jede Erfahrung auf einer minimalen Struktur beruht, die das Erscheinen von Inhalten überhaupt erst ermöglicht.
 
@Gerlind, nein – ich meine keinen „Alltag des Stärkeren“ oder Vorgaben, wie etwas „wirklich sein soll“.

Wenn ich sage, Wirklichkeit verstärkt, was wir ohnehin sehen, meine ich: Im Alltag filtern wir ständig, ohne es zu merken. Philosophisch spannend wird es erst, wenn wir erkennen, dass jede Erfahrung auf einer minimalen Struktur beruht, die das Erscheinen von Inhalten überhaupt erst ermöglicht.
Aber so koennte sich Verstaerkung (Gebrauch von wirklich oder andere Satzverstaerker) schon zu Anfang im Alltag auswirken: "Wir haben wirklich in Wirklichkeit das Sagen. Das ist die Wahrheit."
 
Aber so koennte sich Verstaerkung (Gebrauch von wirklich oder andere Satzverstaerker) schon zu Anfang im Alltag auswirken: "Wir haben wirklich in Wirklichkeit das Sagen. Das ist die Wahrheit."
Genau – das ist der Punkt. Solche Verstärker im Alltag wirken rhetorisch, sie markieren Macht, Gewissheit oder Rechtfertigung. Sie verändern aber nicht die formale Struktur, die Erscheinen und Unterscheidung überhaupt erst ermöglicht. Philosophisch interessiert mich diese Struktur, nicht die rhetorische Nutzung von „wirklich“.
 
Das Artefakt entsteht nicht aus der Subjektivität allein – sondern aus der Vorstellung, dass man Differenz umgehen oder reduzieren könnte. Selbst wenn wir sagen: „Alles, was wir sehen, ist subjektiv“, bleibt die formale Struktur der Differenz bestehen. Sie ist nicht greifbar, ja – aber sie ist notwendig, weil ohne sie überhaupt keine Unterscheidungen möglich wären.
Die Differenz ist ontologisch nicht notwendig, diese Notwendigkeit ergibt sich aus dem Akt des Differenzierens, unserem Zugang zur objektiven Wirklichkeit selbst. Das ist operativ verknüpft.

Wir können hier aber nicht weiter kommen, da die objektive Wirklichkeit sich unserem Zugang entzieht, sie ist nicht messbar, widerlegbar oder definierbar, das erfordert zu Differenzieren, weshalb wir aber nicht eine ontologische Differenz der objektiven Wirklichkeit annehmen können. Wir wissen es nicht. Darin liegt der Zirkelschluss, den ich anfänglich meinte.
 
Zuletzt bearbeitet:
@Knurzhart, ich verstehe deinen Punkt: Du sagst, Differenz ist nicht ontologisch notwendig, sondern entsteht operativ durch unseren Zugang – durch den Akt des Differenzierens. Und damit geraten wir in den Zirkelschluss: Wir brauchen Differenz, um Wirklichkeit zu erkennen, können aber die ontologische Basis dieser Differenz nicht bestimmen.

Mein Standpunkt ist formal: Ich spreche nicht von ontologischer Notwendigkeit der Differenz in der Wirklichkeit selbst, sondern von formaler Notwendigkeit der Differenz für Erfahrung und Unterscheidung. Selbst wenn alles, was erscheint, subjektiv ist, muss es mindestens diese Struktur geben, damit überhaupt etwas unterscheidbar wird.

Es geht also nicht darum, die Differenz als „tatsächlich existierend“ in der Welt zu behaupten, sondern als Bedingung dafür, dass wir von Inhalten sprechen können, unabhängig davon, ob die objektive Wirklichkeit definierbar ist oder nicht.
 
@Knurzhart, ich verstehe deinen Punkt: Du sagst, Differenz ist nicht ontologisch notwendig, sondern entsteht operativ durch unseren Zugang – durch den Akt des Differenzierens. Und damit geraten wir in den Zirkelschluss: Wir brauchen Differenz, um Wirklichkeit zu erkennen, können aber die ontologische Basis dieser Differenz nicht bestimmen.

Mein Standpunkt ist formal: Ich spreche nicht von ontologischer Notwendigkeit der Differenz in der Wirklichkeit selbst, sondern von formaler Notwendigkeit der Differenz für Erfahrung und Unterscheidung. Selbst wenn alles, was erscheint, subjektiv ist, muss es mindestens diese Struktur geben, damit überhaupt etwas unterscheidbar wird.

Es geht also nicht darum, die Differenz als „tatsächlich existierend“ in der Welt zu behaupten, sondern als Bedingung dafür, dass wir von Inhalten sprechen können, unabhängig davon, ob die objektive Wirklichkeit definierbar ist oder nicht.

Ja aber nicht weil es notwendig ist, sondern als Ergebnis unseres erkenntnistheoretischen Zugangs. Die Priorisierung ist meines Erachtens nach umgekehrt, Weil wir erfahren, gibt es eine formale Differenz. Sie kann auch notwendig sein aber ob es so ist, werden wir nicht erfahren können.
 
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Ja aber nicht weil es notwendig ist, sondern als Ergebnis unseres erkenntnistheoretischen Zugangs. Die Priorisierung ist meines Erachtens nach umgekehrt, Weil wir erfahren, gibt es eine formale Differenz. Sie kann auch notwendig sein aber ob es so ist, werden wir nicht erfahren können.
Die Differenz ist die Bedingung, unter der Erfahrung überhaupt Sinn machen kann – ob wir sie als notwendig „erfahren“ oder nicht, spielt für die formale Struktur keine Rolle.

Notwendig für die Logik des Erkennens, aber nicht zwingend erfahren als etwas, das uns direkt begegnet.
 
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