Geliebte nizuz,
möglicherweise sollten wir da noch näher das Prinzip von "Glaube" beleuchten.
im Hebräischen schreibt sich Glaube bzw. Treue im Kern als "amen", im Wort "glauben, vertrauen" als "aman", in Zeichen "aleph+majim+nun". Die Aleph kann hier auch als das unsichtbare "ich" gesehen werden, das "mannt", man kann sagen: "aman" - "ich manne". Und was ist dieses "mannen"? Es ist die Verbindung von Zeit und Ewigkeit. Die 40 der Majim, der Zeit, und die 50 der Nun, des ewigen Jetzt, miteinander verbindend. Es ist das Manna (hebräisch "man"), das in der Wüste Nahrung ist. In der Wüste kann ich nur leben, indem ich mich mit diesem verbinde, eins werde (achal - essen, von aleph-kal, ich-alles verbinden).
Das Wort, daber, das Sprechen, das mir durch das "Schick-sal", durch die Begegnungen in der Zeit geschickt wird, nicht nur im Zeichen der majim, sondern auch im Zeichen der Nun sehen. Beides miteinander verheiratend. "ich" bin sowohl in Zeit als auch in Ewigkeit.
"man" ist aber auch "wer" oder "was". Es ist die Fähigkeit des Menschen, Fragen zu stellen. Wenn ich zur Frage werde, dann werde ich "amen", dann kommt der Glaube.
Selbst zur Frage zu werden, zu "man hu", den Mut zu haben zu fragen: "wer ist ER"? .... das ist die Wurzel des Glaubens, die Wurzel der Treue.
Selbst zur Frage zu werden, bedeutet: ganz leer zu werden. Nur wer leer ist, kann ER-füllt werden.
Und wer ist leerer als jemand, der ver-zweifelt ist?
Der nicht nur ein bißchen zweifelt, sondern der einfach nichts mehr sieht.
Der nur noch Frage geworden ist?
Gerade in diesem Leerwerden, in dieser völligen Verzweiflung, streckt sich die Seele aus. In dieser Leere findet sich das "zerschlagene Herz". Nicht mehr das hochmütige Herz dessen, der schon alles weiß, der seinen Weg schon kennt, der ver-achtet das Neue.
Sondern das Herz dessen, der zu nichts geworden ist, der fragt: "Mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
Nirgends ist der Glaube stärker! In dieser Not zu Gott zu rufen. Sich seiner Not bewußtzuwerden.
Nicht der Pharisäer, der sich stolz an die Brust schlägt und sagt: "Danke Gott, daß ich nicht so bin wie dieser Sünder da!!!"
Sondern der, der sagt: "Gott, sei mir armem Sünder gnädig. Hilf mir!!!"
Er hat etwas Kostbares errungen, die Selbsterkenntnis, daß er der Gnade bedarf, daß er es nicht alleine schafft. Nicht aus der Selbstherrlichkeit des ego, sondern aus der Verzweiflung nach Gott schreiend.
Der zum Senfkorn gewordene, ins Unsichtbare gegangene, der weiß, WIE winzig seine Kraft ist...
Da, wo "ich" ganz schwach geworden bin, da ist "ER" mächtig in mir.
Dort bin "ich" überhaupt bereit, das ganz Andere zuzulassen, mich zu öffnen.
ja, eben. Das sind die, die
ihren Glauben verloren haben,
ihre Gewißheiten,
ihr scheinbares Wissen. Nicht die Pharisäer, die mit "oidamen" (WIR wissen) kommen, mit der Selbstgewißheit des Eigenwissens, sondern gerade die Kranken, die Hungernden, die Dürstenden nach Gerechtigkeit. Die sich Fragenden...
Eben jene, die nicht wissen, daß sie schon erleuchtet sind, daß sie leuchten und strahlen, die Siegesgewissen und Selbstgerechten.
Nicht die Sehenden, sondern die blinden, die sich schmerzhaft ihrer Blindheit bewußten, die Kranken. Genau dort gedeiht diese seltsame Pflanze namens "Glaube". Sie kommen zu "Jesus".
Sie suchen die Einheit, die Heilung, die Heiligung. Und sie werden geheilt.