Wie so oft, muss man Statistiken schon zu lesen verstehen.
Diese Zahlen besagen eigentlich gar nichts in Bezug auf Prostitution, sie lassen keine brauchbaren Schlüsse zu. Warum? Weil keinerlei Vergleichsbasis da ist. Es ist durchaus möglich, dass es eben allen Frauen so ergeht. Wir wissen hier nicht, ob das nun viel oder wenig ist, ob es mehr oder weniger ist als eine Nicht-Prostituierte in ihrem Leben erlebt. Daraus lässt sich somit keineswegs ablesen, ob nun Gewalterlebnisse aus der Kindheit beispielsweise förderlich sind dafür, dass Frauen in der Prostitution landen. Leider ist ein direkter Zugriff auf die Studie selbst nicht möglich, insofern wissen wir nicht, wie die Zahlen genau zustande kamen.
Nun gibt es aber schon Studien, die belegen, dass Prostituierte viel häufiger das Opfer von Gewalt sind als die Durchschnittsbevölkerung. Beispielsweise das hier:
https://www.gffz.de/forschung/abgeschlossene-forschungsprojekte/gewalterfahrungen-von-prostituierten. Das Problem ist jedoch mit dieser Studie, dass für diese Studie ein grundlegender Bias gilt: Die Auswahl an Frauen, die dort befragt wurden, haben erstmal über Beratungsstellen zur Studienteilnahme gefunden. Wir müssen folglich davon ausgehen, dass unter den Befragten die Zahl von Frauen, die in irgendeiner Weise "problematische" Erfahrungen gemacht hat, bedeutend höher ist, als unter der Gesamtzahl aller Prostituierten. Es ist durchaus denkbar, dass jene Prostituierten, die keine solche Erfahrungen gemacht haben, gerade nicht eine Beratungsstelle aufsuchen, und deren Abwesenheit von solchen Erfahrungen gar nicht in die Studie mit einfliesst.
Auch diese Zahlen sind bei näherer Betrachtung nicht näher interpretierbar, weil ein Referenzrahmen fehlt. Wir wissen nicht, ob das viel oder wenig ist. "78% haben Angst vor Gewalt durch Freier". Und jetzt? Wenn wir beliebige Frauen fragen würden, ob sie schon mal "Angst vor einem Mann" gehabt hätten, wieviele würden denn da ja sagen? Die Zahlen deuten zwar in eine Richtung, aber man muss sehr vorsichtig sein, sie nicht falsch zu interpretieren.
Mit diesem letzten Satz verlassen wir dann wieder die Wissenschaft. Denn hier im Thread wurden ja auch Gegenstimmen genannt, die ebenfalls glaubhaft versicherten, dass gerade das Verbot der Prostitution die Situation insbesondere von Strassenprostuierten bedeutend verschlechtern würde.
Somit haben wir zwei gegensätzliche Behauptungen, die beide erstmal logisch klingen.
Wenn ich das alles zusammenfasse, dann weiss ich jetzt ehrlich gesagt noch immer nicht wahnsinnig viel mehr als vorher.