Jeder nennt ihn,
keiner kennt ihn.
Was ist das eigentlich für ein Name, Judas Ischariot?
ein hebräischer Name, er heisst eigentlich "Jehuda, isch kerijot", wurde dann ins Griechische übertragen und übernommen eben als Judas Ischariot.
Jehuda leitet sich von "Lob" ab, wobei das Lob Gottes gemeint ist. Im Deutschen gibt es den entsprechenden alten Vornamen Gottlob.
"isch" bedeutet "Mann", und "kerijot" bedeutet "Städte". Also "Gottlob, der Mann der Städte", oder besser übersetzt "Gottlob, der Stadtmensch".
Nun ist jede Figur in der Bibel eine psychologische, eine innere Figur, eine innere Konfiguration im Menschen. Man könnte sich also anstatt im Außen irgendjemanden als Verräter zu verdammen mal auf die Suche machen im eignen Innern, also im "esoterischen" (esoter bedeutet "innen").
Die "esoterische" Lesart der Bibel ist eine komplett innerliche. Alles dort schreibt und lebt und webt Inner-lich(t)es...
Wer also ist der in mir, der gerne Gott lobt und ein Stadtmensch ist? Eine Stadt ist ein umgrenzter Ort, in dem zahlreiche Menschen leben.
Es ist die Gruppenbildungstendenz im Menschen. Einer Religion zu huldigen, eine Gesellschaft, eine Zivilisation, einen Staat, eine Kultur (am besten natürlich eine "Leitkultur"), eine Mode, einen Hype, eine Politik und - last not least - eine Währung (natürlich am besten eine "Leitwährung") zu definieren (das geliebte Geld darf da nicht fehlen).
Ein wesentliches Merkmal von Städten ist ihre Abgrenzung gegenüber dem, was um sie herum ist. Das Land, oder "die Natur".
So grenzt sich der religiös veranlagte Teil in mir gerne von anderen Menschen anderer Religion ab durch Dogmen.
So grenzt sich der gesellschaftliche Teil in mir gerne von anderen Menschen ab, indem er sie einfach aus der Gesellschaft ausschließt. Egal, ob das nun der böse Straftäter ist, der weggeschlossen werden muss, der Irre, der in die Anstalt muss, der böse Kapitalist/Kommunist/Extremist/Faschist/religiöser Fundamentalist/Diktator/Terrorist.
Der Böse ist immer der Andere.
Die eigene Tiernatur in mir grenzt sich gerne von der Tiernatur anderer Tiere ab, indem sie sich selbst als überlegen, als Krone der Schöpfung definiert, und Tieren Gefühle und Intelligenz abspricht.
Überhaupt, der Teil in mir, der sich selbst gerne im allerbesten Licht sehen möchte, grenzt sich sehr gerne von dem anderen Teil ab, von dem ich eigentlich weiß, dass da auch das Ungeheuer in mir lauert, und verdrängt es ins Unbewusste und projiziert dieses Ungeheuer auf andere Menschen. Judas, der Verräter...
Dieser Anteil des Judas Ischariot in mir handelt nach bestem Wissen und Gewissen, in bester Absicht. Das muss zugestanden sein. Nur... "gut gemeint" ist eben das Gegenteil von "gut".
weit über 99% aller Menschen meinen es immer "gut", zumindest mit sich selber. Und schauen wir, was das Ergebnis davon ist...
In dieser Projektion auf andere, in diesem sich abgrenzen von anderen als eine Gruppe, liegt der Verrat am Leben selbst. Dabei tut dieses Monster in mir, dieser judas-ischariot-Anteil, auch noch so, als ob er dabei das Leben lieben würde. Er verrät das Leben mit zahlreichen Küssen. Er tut lieblich und sticht von hinten mit einem Dolch zu.
Ist doch wichtig, Gesetze zu haben.
Ist doch wichtig, Geld zu besitzen.
Ist doch wichtig, sich gegen Terroristen wehren zu können.
ja und nein!
der Teil des "Gottlob" in mir tut leider so, als wenn das anbetungswürdig wäre. Als wenn es "gut" wäre, dass Menschen in Gefängnisse und Psychiatrien kommen, als wenn es "gut" wäre, dass Kriege geführt werden, als wenn es "gut" wäre, dass unsere Währung eben besser ist als die der anderen, als wenn es "gut" wäre, dass die Illusion entsteht, dass mit Geld alles zu kaufen ist und alles zu bewerten und zu bemessen ist.
Der Judas in mir liebt das Geld, liebt die Abgrenzung vom anderen Menschen, liebt das sich-besser-fühlen (ich und der Meister!) und tut so, als wenn das wirklich gut wäre, als hätte man das Ei des Kolumbus schon gefunden. Naja, der kleine Knacks an der Spitze. Die Gesellschaft, die das Beste für die Meisten vorgibt zu tun. Na und die anderen, der "Rest", die Randgruppen, die haben eben ein bißchen Pech gehabt. Bestimmt selber schuld.
In dieser Einstellung verrate ich das Leben in mir selbst, bringe es zu Tode.
Ab dann gilt das Mittelmaß, die "Norm", man muss "normal" sein. Die Masse, die Mehrheit, das ist die Norm.
Und was nicht passt, naja, Prokrustes war ein guter Mensch...
Also die Norm ist wichtig, das ist der Stadtmensch, der Ischariot in mir. Und das Ideal ist wichtig, das ist der Judas, der Gottlob, in mir.
Norm+Ideal schematisch angewandt => Verrat am Leben selbst.
Das geschrieben heute, am 27. des Januarius, des doppelgesichtigen Janusmonats. und die 27 ist die Zahl, die die Wurzel des Bösen abgibt. Und das im Jahre 2011, dem Jahr der Hure.