sobek #700
Ich finde deine Unterstellungen sehr aufschlußreich über deine Denkweise. Ich behaupte hier überhaupt nichts, außer daß ich jemanden, der Randi in einer wissenschaftlichen Argumentation anfängt aufzulisten, definitiv sich selbst disqualifiziert - als Wissenschaftler in einem *lol* Esoforum. Ich kann Joey und dich auf diesem Gebiet daher leider nicht mehr für voll nehmen.
Wahrnehmung, Realität, Wirklichkeit
schwierige Begriffe, besonders wenn nicht klar ist, was der Einzelne damit meint. 
Die subjektive Realität ist das, was wir mit den Mitteln und Möglichkeiten unserer Wahrnehmung konstruieren. Wir können unsere Umwelt nicht in vollem Umfang real wahrnehmen, da unser Wahrnehmungsapparat sich anhand des sinnvoll-notwendigen selektiert und entwickelt hat.
Darüber hinaus ist diese Wahrnehmung auch noch individuell gefärbt (trotz ähnlicher od. gleicher Grundausstattung) und unterliegt bei uns allen großer Irrtumsanfälligkeit.
Dass wir trotz defizitärer (sprich: unvollständiger) Wahrnehmung sinnvoll in unserer Umwelt interagieren und uns mit unseren Mitmenschen darüber austauschen können, zeigt m.E., wie wirkungsvoll die Anpassung war und wie ähnlich wir (trotz aller möglichen individuellen Unterschiede) die Umwelt aufnehmen.
Wirklichkeit kann als Einheit der Realität (des tatsächlich Möglichen) und der Aktualität (des tatsächlich Realisierten) betrachtet werden.
Je nach Begriffsverwendung, aber auch in den unterschiedlichen Sprachen, bestehen auch mehr oder minder markante Unterschiede zwischen Realität und Wirklichkeit. Im deutschen Sprachgebrauch wird Wirklichkeit und Realität meist synonym verwendet. Etwas, das ich hier auch tun werde.
Wirklich oder real bedeutet für mich, dass etwas in einer begründeten, nachprüfbaren Form für tatsächlich genommen werden kann oder auch als wahr.
Dabei kann die Wirklichkeit in die objektive Welt der Tatsachen und die subjektiv-geistige Wirklichkeit des Individuums geteilt werden.
Letztere enthält, neben der Interaktion mit der Welt der Tatsachen, der Umwelt, auch Gefühle, Empfindungen, persönliche Wahrnehmung, individuelle Lebensgeschichten uäm.
Und hier, im Übergang zwischen subjektiver und objektiver Wirklichkeit, liegt offensichtlich auch das Problem begraben:
Alles und jeder ist fehlbar. Nichts und niemand ist unfehlbar. Und wenn nichts und niemand unfehlbar sein kann, dann natürlich auch nicht der reine menschliche Geist oder die reine menschliche Sinneswahrnehmung, die die offenbarte Wahrheit der Welt empfangen und den Menschen in den Besitz der unbezweifelbaren Wahrheit der Welt bringen könnten.
(Hans Albert, Philosoph Traktat über kritische Vernuft)
Absolute Gewißheit , endgültige Wahrheit kann nicht erreicht werden. Wie kann ich also, ausgehend von subjektiver Wirklichkeit, eine einigermaßen fundierte, objektive Wirklichkeit (bzw. einen Aspekt daraus) erkennen?
Der Philosoph Hans Albert schreibt weiter dazu:
Somit kann stets versucht werden, durch eine umfassende kritische Prüfung der als hypothetisch aufgefassten Aussagen über die Wahrheit unserer Erkenntnisse und unseres Wissens über die reale Welt, eine jede Theorie einer Erprobung zu unterziehen sie an der Realität scheitern oder sich bewähren zu lassen und somit der Wahrheit vielleicht ein Stück näher zu kommen.
Das Mittel zur Erkenntnis, also zur Annäherung an Wahrheit, Wirklichkeit ist dabei die kritische Prüfung.
Dieser Kritizismus ermöglicht also eine realistische Wissenschaftsauffassung, in der die Wahrheitsidee - darüber hinaus die Idee der Approximation an die Wahrheit - als regulative Idee anerkannt wird, so daß die in ihr enthaltene methodologische Konzeption an ihr orientiert werden kann. Das bedeutet, daß hier mit dem kritischen Realismus der überkommenen Auffassung ein konsequenter Fallibilismus verbunden wird, der sich auch auf die Methoden der Wissenschaft bezieht. Nicht nur Aussagen, Theorien und Erklärungen, auch die Methoden, mit deren Hilfe sie konstruiert und geprüft werden, sind prinzipiell revidierbar.
Ein Mittel, die eigene subjektive Wirklichkeit als vermeintlich objektive Wirklichkeit darzustellen ist, neben Zirkelschlüssen, Dogmatismus (Behauptung einer Letztbegründung) und willkürlichem Abbruch von Begründungsverfahren, vor allem die Immunisierung gegen Kritik (etwas, das nicht nur im Bereich des religiösen Glaubens, sondern auch bei allen Spielarten übersinnlicher Fähigkeiten extrem beliebt ist).
Damit wird nicht nur das eigene Weltbild zementiert, es verhindert auch jeden echten Erkenntnisgewinn (sowohl subjektiv, als auch objektiv).
Daher eine Empfehlung des "Ethischen Decalog" (aus: Manifest des evolutionären Humanismus)
sechstes Angebot:
"Immunisiere dich nicht gegen Kritik! Ehrliche Kritik ist ein Geschenk, das du nicht abweisen solltest. Durch solche Kritik hast du nicht mehr zu verlieren als deine Irrtümer, von denen du dich besser heute als morgen verabschiedest. Habe Mitleid mit jenen Kritikunfähigen, die sich aus tiefer Angst heraus als unfehlbar und ihre Dogmen als heilig (unantastbar) darstellen müssen."
Für Dich Sobek kommt von mir darum ein aufrichtiges
