Es geht darum, dass Menschen bei eigenen Erfahrungen nicht immer exakt die Kausalitäten identifizieren können. Beispiel: Ich erleide einen grippalen Infekt. Nach fünf Tagen entschließe ich mich, einen Homöopathen zu konsultieren, der mir auch sogleich ein Homöopathikum verschreibt, das ich im Anschluss daheim einnehme. Nach zwei weiteren Tagen stellt sich sukzessive ein Genesungsprozess ein. Mancher würde nun schließen: Ja, seitdem ich die homöopathische Essenz einnehme, stabilisiert sich mein gesundheitlicher Zustand zunehmend. Also ist Homöopathie medizinisch wirksam.
Doch SO einfach geht es eben nicht, da der Betroffene beispielsweise nicht differenzieren kann, ob andere Kausalfaktoren, die zufällig zeitgleich mit der homöopathischen Therapie auftraten, die Genesung beschleunigten, oder ob sich der Heilungsvorgang vielleicht auch ohne die Anwendung der homöopathischen Medikation in jenen Tagen eingestellt hätte (durch die Immunantwort des eigenen Organismus').
Um eine möglichst akribische Selektion anderer Kausalkomponenten und Einflussfaktoren vornehmen zu können, müssen die Gruppen der Probanden nach Möglichkeit zunächst standardisiert werden, damit alle Teilnehmer möglichst identische Ausgangssituationen haben usw.
Die fehlende Kausalität hast du im Falle einer Grippe, wenn Du zum Arzt gehst, ebenso. Der testet i.d.R. nämlich nicht, was Du wirklich hast, geschweige denn untersucht einen kausalen Zusammenhang von dann verschriebenen Medikamenten. Er schreibt dich krank und schickt dich mit Hausmitteln und evtl. einem Rezept mit einem Medikament zur Symptombekämpfung nach Hause.
Eine Standardisierung wird nur dann möglich sein, wenn Du eine Anzahl X Probanden findest, die möglichst gleichartig funktionieren. Das wird aber meist überhaupt nicht untersucht, sondern allenfalls Personen herausgenommen, die vom Alter oder ihrer Krankengeschichte her aus einem vorab definierten Standard fallen, die gar nicht alle wesentlichen Faktoren berücksichtigen kann (das fängt nicht erst mit der jeweils persönlichen Lebensgeschichte nebst Lebensgewohnheiten an). Man muss in Studien massiv die untersuchenden Faktoren reduzieren. Das liegt in der Natur der Sache selbst begründet.
Nun, wenn du Dinge wie eine Krebserkrankung untersuchen möchtest, wird es auch ethisch sehr schnell bedenklich, da Du keine Studien zu alternativen Heilmethoden machen darfst, da Du eine Person mit einer Krebserkrankung nicht einfach ohne schulmedizinische Therapie hernehmen kannst. Sprich diese Probanden, wenn denn versucht wird Heilerfolge zu untersuchen, haben immer auch eine schulmedizinische Behandlung in irgendeiner Art und Weise erfahren. Und ein Skeptiker kann hinterher immer behaupten, eine alternativmedizinische Anwendung hat keinen Heilerfolg gebracht.
Eine Kausalität einer alternativer Methoden auf eine Erkrankung wird in solchen Fällen naturgemäß nie wissenschaftlich nachweisbar sein.
Selbst bei Verletzung und Wundheilung ist es so, dass Menschen hier verschieden sind, eine Gruppe homogener Probanden wird sich schwer ermitteln lassen. Dann müsste man gezielt Körperverletzung betreiben, dann untersucht werden, bei wem Wunden wie schnell heilen. Selbst wenn sich eine statistische Abweichung ergibt, sagt das kausal noch nicht viel aus, sondern allenfalls lassen sich Tendenzen erkennen.
Die tatsächliche Aussagekraft von wissenschaftlichen Studien ist also ihrer Natur nach immer begrenzt und kann nicht alle Faktoren berücksichtigen.
Oder anders: mir persönlich nutzt es wenig, vor einer OP zu wissen, dass bei 80% der Operierten alles gut lief, wenn ich tatsächlich zu den 20% gehören werde. Das weiß ich tatsächlich erst dann, wenn ich operiert wurde.
Lg
Any