Und noch ein wirklich
hochinteressanter (!!!) Artikel über die griechische Perspektive... basierend auf Insider-Wissen und auch wenn das nicht beweisbar ist, was für die EU-Seite ja ebenfalls zutrifft, ist es im Gesamtkontext sehr glaubwürdig. Sollte jeder lesen der sich für das Thema interessiert:
„Die Deutschen wollten uns rausdrängen“
So schildern griechische Insider den finalen Bruch zwischen Tsipras und den Gläubigern
Nach dem Abbruch der Verhandlungen mit den europäischen Geldgebern gilt die Tsipras-Regierung als unberechenbar. Doch auf griechischer Seite kursiert eine ganz andere Version der entscheidenden Stunden: Deutschland sei für die griechischen Zugeständnisse unempfänglich gewesen und habe das Land aus dem Euro drängen wollen.
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Doch es gibt auch eine griechische Version des Dramas. Die
„New York Times“ hat sie nun anhand von Gesprächen mit Beratern aus Tsipras‘ Umfeld rekonstruiert. In dem Artikel ist von einer Ansammlung von „Kränkungen, Beleidigungen und verpassten Chancen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern“ die Rede.
Diese Version geht so: Am Montag hatte Griechenland einen Vorschlag geschickt. Die erste Reaktion sei positiv gewesen, so dass die Griechen Hoffnung geschöpft hätten. Doch nach den anfänglichen positiven Signalen des französischen Währungskommissars Pierre Moscovici und von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem habe sich am nächsten Morgen die Ernüchterung eingestellt.
Die Gläubiger hatten das Papier zurückgeschickt: Die Punkte, mit denen sie nicht einverstanden waren, hatten sie rot markiert. Nach Informationen der „New York Times“ war der Rotstift überall.
Die Griechen konnten es kaum fassen
Das griechische Verhandlungsteam habe es kaum fassen können. Ihrer Meinung nach hatten die Gläubiger die Gespräche wieder dorthin zurückgeworfen, wo sie bereits vor sechs Monaten gewesen waren.
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Friss oder stirb?
Es hört sich an, als wäre der umstrittene griechische Finanzminister regelrecht gegrillt worden. Als er mit IWF-Chefin Christine Lagarde über die Schuldentragfähigkeit habe sprechen wollen, habe Dijsselbloem ihm das Wort abgeschnitten. Es sei ein „Nimm es oder lass es“-Angebot, soll er laut dem Bericht gesagt haben. Das Treffen ging ohne Einigung zu Ende.
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Der Ministerpräsident soll auf und ab gelaufen sein, während er seinen Beratern zuhörte. Die behaupteten, dass weder der Internationale Währungsfonds (IWF) noch Deutschland an einer Einigung interessiert sei und stattdessen versuchten, die Griechen aus dem Euro zu drängen.
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Ganz gleich wie viele Zugeständnisse
Das führt nirgendwohin, soll der Grieche schließlich gesagt haben. Und: Je mehr wir uns auf sie zubewegen, desto mehr entfernen sie sich von uns. Das berichtet die Zeitung unter Berufung auf Quellen, die mit im Raum gewesen sein sollen.
Teilnehmer und Personen, die später über die Verlauf der Verhandlungen informiert wurden, berichten, dass Tsipras überzeugt gewesen sei, dass eine Einigung unmöglich war – ganz gleich, wie viele Zugeständnisse er gemacht hätte.
Was dann geschah, ist bekannt. Tsipras flog nach Hause, kündigte ein Referendum über die europäischen Vorschläge an, und empfahl seinem Volk, sie abzulehnen. Damit schlug er die Tür nach Europa für sich selbst zu – und forderte die Griechen auf, es ihm gleich zu tun.
Doch in der griechischen Version der Geschichte ist es keine Handlung eines unberechenbaren und unbelehrbaren Heißsporns, sondern die verzweifelte Tat eines Mannes, der sich allein gelassen fühlte.
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Ganzer Artikel:
http://www.focus.de/politik/ausland...n-tsipras-und-den-glaeubigern_id_4794816.html
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Es gibt da mindestens ein Detail das für die griechische Version spricht. Nämlich, dass sie einen Entwurf nach Brüssel schickten und auf einmal kam positives Feedback. Eine Einigung schien auf einmal sehr nahe zu sein... glaube, das war vor etwa zwei Wochen. Und auf einmal drehte sich das wieder... da war das was ein oder zwei Tage später noch als großer Schritt gelobt und gute Basis gelobt worden war auf einmal wieder nix mehr wert.
Insofern glaube ich mittlerweile wirklich, dass nicht Tsipras der Geisterfahrer ist der auch noch Schlangenlinien fährt... sondern die EU bzw. Deutschland und IWF. Meiner Ansicht nach geht es allerdings nicht darum Griechenland aus dem Euro zu drängen, wie diese Insider vermuten... sondern um die Syriza-Regierung zu stürzen um dann mit Ja-Sagern weiterverhandeln zu können die alles abnicken. Die alten Oligarchen-Buddies.... mafiöses Pack bleibt eben am liebsten unter sich.
