Gopi Krishna spricht über Liebe und Sex - Teil 4
Gopi Krishna: So haben wir einerseits Askese und mönchische Entsagung. Es war Buddha, der das Brahmacharya (Zölibat) einführte, und es war
St. Benedikt (italienischer Mönch), der es im Westen im 6. Jahrhundert einführte. Das monastische (mönchische) Leben war nicht Teil der frühen christlichen Kirche.
Anmerkung opti: Es war nicht Buddha der das Brahmacharya einführte. Buddha führte lediglich eine Tradition fort, die bereits von vielen Yogis vor ihm praktiziert wurde. Meditation, Atemübungen und das Zurückziehen der Sinne (Brahmacharya) wurde bereits in den älteren Upanishaden um ca. 700 v.C. erwähnt. Es war auch nicht St. Benedikt der das Zölibat in Europa einführte. Vielmehr wurde es offiziell im Jahre 306 n. Chr. durch eine kirchliche Synode eingeführt, die allen Klerikern das Zölibat vorschrieb.
Der Enthaltsamkeitszölibat wird erstmals auf der Synode von Elvira (ca. 306 n. Chr.) als Gesetz aufgeschrieben. Man stimmt in dem vollkommenen Verbot überein, das für Bischöfe, Priester, Diakone, d.h. für alle Kleriker, die im Altardienst stehen, gilt, dass sie sich ihrer Ehefrauen enthalten und keine Kinder zeugen. Wer aber solches getan hat, soll aus dem Klerikerstande ausgeschlossen werden. Es lässt sich klar zeigen, dass dieses Gesetz keine Neuerung darstellt, sondern nur eine Betonung einer bisherigen Praxis darstellt. Es gibt also bereits um 306 eine schon längere Tradition des Zölibats. Einige Historiker sind sogar der Ansicht, der Zölibat gehe auf apostolische Zeit zurück.
Es wird auch davon ausgegengen, dass die Jünger Jesus enthaltsam lebten. So sagte z.B. Paulus in 1 Kor 7, 7: «Ich wünschte, alle Menschen wären unverheiratet wie ich. Doch jeder hat seine Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.» Und: "Heiratest du aber, so sündigst du nicht; und heiratet eine Jungfrau, so sündigt auch sie nicht. Freilich werden solche Leute irdischen Nöten nicht entgehen, ich möchte sie euch ersparen." (1 Kor 7, 28) Und: "Wer seine Jungfrau heiratet, handelt richtig; doch wer sie nicht heiratet, handelt besser." (1 Kor 7, 38)
Ebenso bei Lk 18, 28f: "Da sagte Petrus: Du weißt, wir haben unser Eigentum verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Jeder, der um des Reiches Gottes willen Haus oder Frau, Brüder, Eltern oder Kinder verlassen hat, wird schon in dieser Zeit das Vielfache erhalten und in der kommenden Welt das ewige Leben."
Aber bereits lange vor Christi Geburt gab es im Judentum die ersten zölibatären Bewegungen. In den alttestamentlichen Büchern Exodus (2. Buch Mose) und Levitikus (3. Buch Mose) ist die Rede von Reinheitsvorschriften. Bei bestimmten Festlichkeiten und heiligen Handlungen übten die Juden sexuelle Enthaltsamkeit, aber auch Enthaltsamkeit von der Arbeit, von Speisen usw.
Bereits um etwa 150 vor Christus breitete sich die jüdischen
Essener (die Frommen), eine aramäische religiöse Gruppierung innerhalb des Judentums, in Damaskus (Syrien) aus. Sie lebten meist ehelos in Klostergemeinschaften zusammen und mussten sich vielen Reinheitsvorschriften unterziehen. Die Essener können als Vorläufer späterer Mönchsorden angesehen werden, die es aber im jüdischen Selbstverständnis damals noch nicht gab. Nach den antiken Quellen lebten sie getrennt vom offiziellen Tempeljudentum und in Anlehnung an Jeremia 31,31-34 in klösterlicher Einsamkeit. Sie forderten asketische Ordensgemeinschaft mit Gütergemeinschaft, ähnlich den ägyptischen Therapeutae bei Alexandria , bei denen es auch weibliche Mitglieder gab.
Wenn Gopi Krishna behauptet, das monastische Leben war nicht Teil der frühen christlichen Kirche, so ist das nur die halbe Wahrheit. Immerhin gab es bereits 310 nach Christus eine Synode, die alle Bischöfe, Priester und Diakone zum Zölibat verpflichtete, also bereits lange bevor der Heilige Benedikt im 6. Jahrhundert angeblich das erste Kloster gründete. Wie ich nämlich im Heiligenlexikon fand, gab es offensichtlich bereits schon vorher die ersten Klöster in Europa. Der Heilige Hieronymus (347 n. Chr. - 30. September 420 n. Chr.) wurde in Stridon (heute Kroatien) geboren, studierte in Mailand und Rom Grammatik, Rhetorik und Philosophie und setzte sein Studium in Trier fort, wo er das Klosterleben kennen lernte. Der Heilige Hieronymus wirkte 35 Jahre lang zurückgezogen als Mönch.
Das Zölibat ist also durchaus keine Erscheinung, die in Europa erst mit dem ersten Kloster auftrat. Zu allen Zeiten hat es Einsiedler, Priester und Heilige gegeben, die das Zölibat praktizierten. Sie praktizierten es aber in der Regel ganz für sich allein.
Ich fand übrigens im Alten Testament einen sehr interessanten Satz, der offenbar ein Hinweis auf die Meditation sein könnte: "Selig der Mann, der das Joch auf sich nahm von Jugend auf; er wird einsam sitzen und schweigen ..." (Klgl 3,27f)
Teil 5 folgt.