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Guest
Im Verlauf der Sadhana von Heruka Vajrasattva ... kommt ein Teil, in dem ihr euch selbst als Vajrasattva in Vereinigung mit der Gefährtin visualisieren müsst. Da Mönche und Nonnen aber Gelübde abgelegt haben, keine sexuellen Kontakte zu pflegen, könnte man glauben, dass sie diese Art der Praxis nicht üben sollten. Da die Gefährtin jedoch keine physische Frau, sondern eine Samadhi-Frau ist, können auch Mönche und Nonnen diese Meditationen üben. Frauen können sich entweder als Vajrasattva visualisieren, der die Gefährtin umarmt, oder als die Gefährtin Dorje Nyima Kharmo selbst, die vollständig eins ist mit Heruka Vajrasattva und seine transzendenten Weisheit.
Der Sinn und Zweck der Praxis mit einem Gefährten oder einer Gefährtin ist die Entwicklung der glückseligen, transzendenten Weisheit von Shunyata. Das macht sie zum genauen Gegenteil der gewöhnlichen Umarmung von Mann und Frau. Will man mit dem glückseligen transzendenten Gewahrsein umarmen, muss man den Geist des glückseligen transzendenten Gewahrseins allmählich entwickeln. Aus diesem Grund stellen Yogis und Yoginis ( und damit sind nun nicht ordinierte Praktizierende angesprochen, Anm. von mir...) zuerst jeden körperlichen Kontakt ein und praktizieren ... mit einer Samadhi-Gefährtin oder einem Samadhi-Gefährten (damit ist nun eben dieser visualisierte Lichtkörper gemeint, Anm.), bis sie höhere Realisationen erlangt haben. Erst auf einer viel höheren Ebene der Entwicklung können sie auch körperliche Umarmung üben, aber das hat mit den gewöhnlichen, samsarischen Lüsten nicht mehr das Geringste zu tun. Wir haben noch einen langen Weg vor uns,bis wir an diesem Punkt angelangt sind, und es mag nicht einmal nötig sein, diese Praktiken überhaupt zu üben.
Müsste es nicht heißen: "( und damit sind die ordinierten Praktizierenden angesprochen, Anm. von mir...)"? Sind es doch die ordinierten Mönche und Nonnen, die den körperlichen Kontakt einstellen und mit einem visualisierten Lichtkörper arbeiten.
Ich habe gestern Abend und auch heute Morgen darüber nachgedacht, wie diese Praxis wohl konkret aussehen würde. Und ich hatte im Prinzip dieselben Vorstellungen, wie du sie hier aufgeschrieben hast.
Ich sehe allerdings in dieser Praxis einige Widersprüche und Ungereimtheiten.
Ich möchte zunächst einmal mit den Mönchen und Nonnen beginnen. Da wird gesagt, die Mönche und Nonnen sollen sich entweder als Vajrasattva (Adibuddha) oder als die Gefährtin Dorje Nyima Kharmo visualisieren die sich mit einer Gefährtin bzw. einem Gefährt vereinigen.
Es wird gesagt, der Sinn und Zweck der Praxis ist die Entwicklung der glückseligen, transzendenten Weisheit von Shunyata (Leere). Und hier sehe ich einen Widerspruch. Solange die Vereinigung einen sexuellen Aspekt hat, ist man in die Sexualität verhaftet. Und solange man in die Sexualität verhaftet ist, besteht keine Leere sondern eine Verhaftung.
Um das allerdings genau zu beurteilen, müsste man die Praxis ganz genau kennen. Aber ich möchte ruhig einmal eine Vermutung aussprechen. Ich glaube nicht, dass die fehlende Eindeutigkeit dieser Praxis bzw. das Geheimnis, welches darum gemacht wird, zufällig ist, sondern ich vermute dahinter nichts anderes als den heimlichen Wunsch der Mönche, sich mit einer Partnerin zu vereinen.
Da wird in meinen Augen so getan, als ob der Mönch den Weg kennen würde, wie man zur Erleuchtung gelangt bzw. wie die dann mit ihm intim vereinte Frau den Weg zur Erleuchtung finden würde. In Wirklichkeit geht es aber um nichts anderes als um sexuelle Vereinigung.
Es wird ja auch gesagt, dass sie dann, wenn sie höhere Realisation erlangt haben, auch körperliche Umarmungen ausüben können. Und das soll dann angeblich nichts mehr mit samsarischen Gelüsten zu tun haben. Das aber ist in meinen Augen ein Selbstbetrug. Kein Mann, und sei er spirituell noch so weit fortgeschritten, ist in der Lage, der erotischen Ausstrahlung einer hübschen Frau zu wiederstehen. Wer etwas anderes sagt, der sagt die Unwahrheit.
Wenn ein Mönch sich mit einer Partnerin vereint, dann kann das nur geschehen, weil ihn diese Frau auch erotisch anspricht, sonst würde seine Genitalien nämlich keine Reaktionen zeigen. Aber so etwas gibt es nur bei Impotenten. Und selbst wenn der Mönch sich so weit beherrschen kann, dass er es zu keinem Samenerguss kommen lässt, dann ist es in der Realität nur die Frage, wie oft er seinem Verlangen widerstehen kann.
Diese Praxis ist nichts anderes als ein Spiel mit dem Feuer, bei dem sich bestimmt 99 % aller Mönche verbrennen werden. Ich stelle mir sowieso die Frage, warum man sich so sehr auf die Sexualität konzentriert. Solange noch irgendwo die Sexualität im Hinterkopf ist, ist keine Leere vorhanden. Und selbst wenn der Mönch ohne Partnerin ist, so besteht immer noch die Gefahr, dass er sich so sehr in die Vorstellung der Vereinigung mit einer, wenn auch göttlichen Partnerin, hineinsteigert, dass es am Ende doch wiederum zu einem Orgasmus kommt.
Haben wir nicht alle schon gewisse Erfahrungen mit dieser Übung gemacht? Haben wir nicht so manchmal allein im Bett gelegen und uns vorgestellt, wie es ist mit dieser oder jener erträumten Partnerin bzw. mit diesem oder jenem erträumten Partner intim zu sein? Wie war es denn, wenn wir dabei ganz bewusst auf den Orgasmus verzichteten? War es nicht doch irgendwie unbefriedigend? Und wie lange konnten wir dem widerstehen? In der Regel nicht allzu lange.
Ich halte diesen Weg, allenfalls für eine theoretische Lösung. Ich selber halte es einfach für vollkommen falsch, sich so sehr auf die Sexualität zu konzentrieren. Stattdessen sollte man sich lieber auf die Meditation konzentrieren. Dafür bedarf es allerdings keiner wie auch immer visualisierten Partnerin bzw. eines visualisierten Partners.

