Zitat Bonobo
Vorerst habe ich mich mit dem Interview mit Swami Chidananda befasst.
Swami Chidananda wurde 1916 als ältester Sohn einer orthodoxen Brahmanenfamilie in Südindien geboren. Schon als Kind fühlte er sich von hingebungsvollen Liedern und Geschichten aus den hinduistischen Schriften sehr angesprochen. In den Jahren seines Studiums erweckten die Biographien und Lehren von modernen Heiligen wie Sri Ramakrishna, Swami Vivekananda, Ramana Maharshi oder Swami Ramdas in ihm eine glühende Sehnsucht nach dem spirituellen Leben.
Zweifellos ein Mann, den man durchaus beneiden könnte, um seine innere Ruhe und Spiritualität.
Also, das Enthaltsamkeit Vorteile haben kann, möchte ich nicht bezweifeln.
Die Frage ist warum, welche Vorteile sie hat und, vor Allem, unter welchen Umständen sie Vorteile hat.
Welche Vorbedingungen machen also Enthaltsamkeit zu einer lohnenden Vorgehensweise?
Was sagt Swami Chidananda dazu?
Zitat:
Im alten Indien, erklärte er, wurde ein Menschenleben mit hundert Jahren angesetzt und in vier Phasen geteilt. Die erste Phase war die Zeit als Schüler, die Zeit von Brahmacharya, wo vom jungen Menschen erwartet wurde, dass er sich intensiv seinen Studien widmete, seinen Körper gesund und kräftig machte und sich in jeder Hinsicht auf das darauf folgende Leben als Erwachsener vorbereitete. In diesem Abschnitt war Enthaltsamkeit geboten.
Der zweite Abschnitt war das Leben als verheirateter Mensch in der Familie, wo die Ausübung der Sexualität Voraussetzung und legitimer Teil des Lebens des Menschen ist; es wurde als die fundamentale Pflicht einer Familie betrachtet, Nachkommen zu haben, die dann die nächste Generation bilden würden.
"Der dritte Lebensabschnitt war die Zeit des Lebens in Abgeschiedenheit, wenn das Ehepaar die Pflicht zum Erwerb des Lebensunterhalts in die Hände der Kinder legte und den Geist auf Höheres richtete", erklärte Swamiji. Nun wurde die Praxis von Brahmacharya wieder Teil ihrer Sadhana.
"Dann, im vierten Abschnitt, wurde das Leben gänzlich Gott gewidmet. Man wurde Sannyasin, Mönch, und dann war das Zölibat natürlich automatisch.
Wenn ich richtig verstanden habe, dann fing der "enthaltsame Weg" erst nach Abschluß des zweiten Lebensabschnitts an.
Warum?
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Antwort opti.
Warum solch ein Verhalten, wie es Swami Sivananda besessen hat, von Vorteil ist, dürfte doch wohl offensichtlich sein. Du sagst ja selbst, ein Mann den man beneiden könnte. Das sagt doch eigentlich alles.
Die Vorbedingungen, warum sich jemand zur Enthaltsamkeit entschließt sind individuell. Allen dürfte gemeinsam sein, dass sie mit ihrem Leben nicht glücklich sind.
Der enthaltsame Weg fing bereits als Kind an. Etwa ein Drittel aller indischen Kinder, meistens aus der gehobenen Schicht, gingen meist schon im frühen Kindesalter zu einem Yogi, der oft mit einer Frau zusammenlebte, um dort zu lernen.
Sie lernten die täglichen Dinge des Lebens, halfen bei den anfallenden Arbeiten, beim Saubermachen, bei der Tierhaltung, beim säubern der Ställe, beim Sammeln von Brennholz, lernten aber auch Yoga, Meditieren und wurden in den Heiligen Schriften unterrichtet. Brahmacharya war selbstverständlich, sowohl beim Yogi und seiner Frau, als auch bei den Schülern.
Der einzige Lebensabschnitt, in dem Sexualität toleriert wurde, war die Zeit der Ehe. Aber auch dort wurde das intime Zusammensein eigentlich nur geduldet, um Kinder zu zeugen. Wenn die Eheleute die Absicht hatten, ein Kind zu zeugen, so wurde ihnen empfohlen, einmal im Monat miteinander intim zu sein. War der Kinderwunsch abgeschlossen, so wurde den Eltern empfohlen, enthaltsam zu leben.
Nach der Zeit der Elternschaft, bereiteten sich die Erwachsenen darauf vor, sich ganz auf Gott zu konzentrieren. Wie das im einzelnen ausgesehen hat, kannst du bei
yoga-vidya.de sehr gut nachlesen.