Ich gebe dir generell absolut Recht.
Und dennoch ist es oft viel schwieriger, als es zunächst den Anschein hat.
Gewalt hat so viele Gesichter und es ist fraglich, ob es überhaupt völlig "gewaltfreie" Kommunikation/ Interaktion zwischen Menschen gibt. Was alles konkret unter "Gewalt" fällt, liegt arg im Auge des Betrachters.
Natürlich darf niemals körperliche Gewalt ausgeübt werden, aber es gibt auch "Grenzfälle" (meinetwegen, wenn Eltern ihr Kind zu heftig von potentiellen Gefahren wegziehen u.ä.). "Grenzfälle" wiederum können "als Mittel zum Zweck" herhalten usw..
Es ist in nicht allzu ferner Vergangenheit oft vorgekommen, dass Kinder vorschnell aus ihren Familien herausgenommen wurden, weil die Helfer ihr Denken, ihre Maßstäbe und ihre Werte als Maßstab zugrunde gelegt haben, aber kein Land besteht ausschließlich aus einer "Mittelschicht" (aus der Helfer in der Regel kommen).
Heime, Jugendschutzstellen, bis hin zu Sleep-Inns für Jugendliche sind eher "letzte Möglichkeiten" aber keine wirklichen Alternativen.
Pflegefamilien sind letztendlich "Glückssache" gewesen ... .
Weil man darum weiß, hat man Verbesserungen angestrebt, indem man z.B. Pflegefamilien genauer untersucht, geschult und betreut hat (welcher "Normalo" schafft es, in einen normalen Alltag "mal eben" ein traumatisiertes Kind zu integrieren ohne weitergehende Kennntnisse, ohne Erfahrung, ohne Unterstützung ... ).
Es gibt nun Wohngruppen als Alternative zu Heimen und darunter noch riesige Unterschiede.
Der Trend ist seit einigen Jahren dahin gegangen, vorsichtiger in der Herausnahme von Kinder aus ihren Familien zu sein, allerdings hatte das wiederum zur Folge, dass man manche Not nicht erkannt hat und es zu fatalen Folgen gekommen ist.
Der letzte Faktor ist das Geld - auch wenn es keinen Einfluss haben sollte, so wissen die Mitarbeiter doch, welche diesbzgl. Ressorurcen zur Verfügung stehen und welche Möglichkeiten es deshalb noch gibt/ nicht gibt.
Kein Kind "verpackt" es "locker" von seinen Eltern getrennt zu werden (auch wenn es diesen Wunsch selbst äußert) - in aller Regel löst man damit eine neue Traumatisierung aus und die muß schon sehr gut begründet sein.
Weil man all das evaluiert hat, weiß man, dass der optimale Weg wäre, die Familien zu begleiten, notfalls auch sehr intensiv (täglich).
Nebenher: das ist immer noch die weitaus "billigste" (dabei effizienteste) Alternative zu allen anderen Vorgehensweisen.
Am allerwichtigsten ist es politisch dafür zu sorgen, dass die Bedingungen für Gewalt in den Familien minimiert werden und daran "hakt" es noch ganz enorm, auch wenn es in den letzten Jahrzehnten viele Maßnahmen gegeben hat ... .
Hier ist es leider bis zum "Äußersten" gekommen und es zeichnet sich ab, dass das weitergeht und das ist einfach sehr traurig.
Thx Ireland...



(überhaupt für deine Beiträge hier, die haben Hand und Fuss!
@chili1 )
ich möchte noch ergänzen, dass es Jugendamt und Profis inzwischen sehr viel mehr darum geht, die Kinder nach a.l.l.e.r Möglichkeit in Kontakt mit der leiblichen Familie (Vater, Mutter, Geschwister... und/oder...) zu belassen statt eine Pflegefamilie oder ähnliches in Erwägung zu ziehen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass.... und wenn die Verhältnisse noch so desolat sind, es für die psyche des Kindes besser ist, wenn überhaupt, familienbegleitend zu helfen. Natürlich mit Hauptaugenmerk auf Schutzbefohlene, aber eben so, dass sie es, diese Schutzbefohlenen also "nachvollziehen" können, sprich selbst wollen, sobald es zum äussersten kommt/kommen muss. Und ein Kind aus der Familie reissen ist zB. das "Äusserste"... oft dürfen sie nach Wunsch und "gesellschaftlichem Bedarf" auch Kontakt zum getrennten Elternteil haben... sollen, müssen diesen sogar pflegen,.... wenn auch (meistens bei Härtefällen) unter Aufsicht... aber wenn das Kind wirklich völlig von der leiblichen Familie isoliert wird, dann ist (*heutzutage!!!!) im Grunde sehr sehr klar davon auszugehen, dass da sowas wie "Kapitalverbrechen" dahinter stehen (und zwar auch psychologischer Natur (!)). Dazu gehört Mord und Totschlag, selbstverständlich, und eben auch sexueller Missbrauch, sofern er als solcher ""plausibel" überführt ist"... und ebenso eindeutig zb. die Erpressung, zB. Kind und anderem Elternteil gegenüber, das Kind zur Adoption frei zugeben, sofern diese nicht innerhalb der desolaten Verhältnisse eines Despoten parieren. Auch entsprechend ist es alarmierend, wenn nun ein älteres Geschwisterkind bis zur völligen Selbstaufgabe in die Elternrolle gegenüber jüngeren Geschwisterkindern fällt, weil die Eltern aus diversen Gründen ausfallen.
All das wird gemustert, möglichst neutral bewertet und dann entsprechend der NOTWENDIGKEIT gehandelt. Was auch immer das Jugendamt hier entschieden hat, eins oder mehrere dieser "Kapitalverbrechen" m.u.s.s. hier vorgelegen haben..
Und wer nun hier romantisierend meint, was wunders unserer Kinder geschützt wären, der sei bitte daran erinnert, dass es um Wirtschaftlichkeit und KOSTEN geht. Am wenigsten kosteset es den Staat, das Kinder "innerhalb" der Familie zubeteuen und alle "gemeinsam zu therapieren. Es ist gleichzeitig erfahrungsgemäss das beste Modell für die Psysche des Kindes -alle weiteren Folgeschäden und Traumatisierungen des Kindes werden minimiert- das Kind bekommt einen "professionellen Backround", darf "mitreden" und ist im Ernstfall geschützt und ganz besonders gestärkt ohne den traumatsichen Totalverlust seiner Identität durchlaufen zu müssen- und das kostet den Staat, also uns nichts weiter oder kaum mehr als das, was die Betreuung durch Jugendamt so oder so kostet. Je nachdem plus minus 800€
Ein Kind in einer Pflegefamilie kostet den Staat vielleicht 2500€, die Familie bekommt davon 1000 euro- das ist ein Job- die restlichen 1500 gehen an Jugendamt und die jeweiligen Kontrollinstanzen... plus Steuern/Kv/UHv/und jeweiliger Ergotherapie fürs Kind.... sprich real 3000€ und mehr....
Ein Kind im Kinderheim kostet den Staat mindestens 5000€ pro Monat, da sind aber nur Heimplatz, also Miete, Jugendämter (oft sind mehrere involviert), Kost&Logie, Ferien, komlpette Schulkosten, Erzieher, sonstiges Personal (Kochen, Putzen, Garten, Handwerker, überhaupt Instandsetzung usw).... plus noch die sonstigen Kosten wie Therapien, Besuchsrecht, Nachtzuschläge (Bereitschaftsdienst) usw.... kann sich das bis zu 10000€ pro Monat, pro Kind belaufen... häufig mit dem erfahrungsgemässen Resultat, einen so oder so "kaputten Menschen" zu sozialisieren, der für den Rest seines Lebens mehr kosten wird, als er erwirtschaftet.
Die schlimmste Version ist, dass diese Kinder in Heime für Schwererziehbare bis hin zur Sicherheitsverwahrung geraten, was den Staat dann mitunter locker bis zu 20T € kosten kann.
Das mag sich alles brutal anhören, aber diese gesammelten Instanzen haben sehr viel Lehrgeld bezahlt, bis sie verstanden hatten, dass die "günstigste" Lösung ist, den jeweiligen betroffenen Kindern, soviel Mitspracherecht wie möglich und soviel "Betreuung innerhalb der desolaten Familenverhältnisse" wie nötig (und gesetztlich möglich) zu kommen zu lassen.
Du kannst ein Kind noch so sehr "gut gemeint" retten wollen,... wenn es das selbst nicht nachvollziehen kann, wird der "Retter" des Kindes ein noch viel schlimmeres Übel im Erleben des Kindes als es die Eltern in ihren Unfertigkeiten je waren. Und das wird dieser sogenannte Rettter auch dann bleiben, wenn er alles noch so Schlimme durch seine Rettung sogar tatsächlich abwendete.