Brummbär;3423692 schrieb:
Gerade dann, wenn man schon "hochspirituell" ist, kann man Urteile fällen, bzw. beurteilen, weil man ja dann nicht nur die eine Seite kennt, sondern die ganze Fülle, je mehr der Geist sich öffnet u. Licht wird.
Na ja, Brummbär,
vielleicht sollte ich da auch wieder beschreiben, wieso ich darauf komme. Es gibt in meinem Leben eigentlich nur drei Menschen, denen ich das Prädikat "hochspirituell" verleihen würde. Einer davon ist meine Großmutter (längst verstorben, keineswegs reich, allerdings gesund bis auf eine lebenslange Schwerhörigkeit), eine andere z. B. mein langjähriger Kampfsportmeister. Wenn ich mal in Schwierigkeiten geriet oder nicht weiter wusste oder rebellierte, hat k e i n e einzige dieser Personen gesagt: Das ist dies oder das, das ist schlecht oder Mangel oder irgendsowas. Sie haben mich an keiner einzigen Stelle korrigiert, wenn ich etwas sagte (so erfuhr ich, was Respekt heißt!). Sondern mir höchstens Fragen gestellt. Als ich beispielsweise schon nahezu pleite war und bei einer Unterredung mit dem Kampfsportmeister mich darüber beschwerte, dass die Einstellung des Bewusstseins auf Reichtum überhaupt nicht funktionierte, fragte er (es ist Jahre her, deshalb kann ich es hier durchaus mal mitteilen): "Fühle mal in dich hinein: War es das Bewusstsein eines Reichen oder eines, der auf dem Weg ist? Und warum willst du überhaupt Geld haben? Wozu brauchst du Geld?"
Wahnsinnig interessant, weil er mich auf die eigentliche Spur brachte. Und ich fühlte mich total ernst genommen in dem, was ich gesagt hatte, und an keiner Stelle runtergemacht oder in eine Schublade geschoben. Vor mir stand ein echter
Mensch und kein Nachbeter von Rezeptbuch-Floskeln.
Die Seele nämlich interessiert es nicht, ob einer so oder so viel Geld hat. Die Seele interessiert ein bestimmtes Gefühl, das sie im Körper erleben will. In diesem Fall könnte es z. B. entweder das Gefühl der Ordnung sein (Rechnungen bezahlen) oder auch das der Freiheit (jederzeit alles zu tun zu können, was einem beliebt). Und als wir so weit waren: "Gibt es Möglichkeiten, dieses Gefühl (Freiheit) zu erleben ohne Zusatzmittel?" Die gab es. Ich merkte, das Janis Joplin recht hatte, wenn sie sang: Freedom is just another word for nothing have to lose. Ich war frei, mich so zu geben wie ich war. Da ich nichts zu verlieren hatte, brauchte ich nirgendwo zu liebedienern, mich nirgends anzubiedern oder zu befürchten, dass mir irgendetwas Übles geschehen würde.
Weiterhin kam der Hinweis, dass es verzerrt wäre, meine (Pleite-)Situation zu bewerten (als negativ). Sondern als wunderbare Chance zum Neuanfang zu betrachten, in der ich alten Ballast schon abgeworfen hatte, der mich künftig nur behindern würde.
Bei diesem Menschen hätte ich mir überhaupt nicht vorstellen können, dass er zu mir sagt: "Du hast Mangeldenken."
In meinen Ohren klingt das immer wie: "Hau ab, du stinkst. Du hast keine Eintrittskarte ins Reich Gottes."
Mein Kampfsportmeister (und eigentlich auch schon meine Großmutter) lehrte mich, dass "positiv" und "negativ" eine simple duale Fiktion ist, eine Wertung eben. Dass alles, was ist, einfach nur IST.
Der
göttliche Punkt (der Ort, an dem alles für mich von selbst geschieht) aber liegt genau in der Mitte zwischen den Schützengräben und interessiert sich nicht für sie.
Ich bin bestenfalls ein Schüler, ein Suchender, aber einer, der schon viel Herrliches und Wundervolles erlebt hat. Was Leute, die den Menschen einen Weg zeigen wollen, lehren, interessiert mich insgesamt und in jeder Hinsicht. Aber seit ich in dieser Hinsicht so viel auf der körperlichen Ebene (das gräbt sich stark ins Bewusstsein) erlebt habe und manchmal geradezu Hochgefühle in den scheinbaren Tiefen meines Lebens erfuhr, höre ich nicht mehr auf Lehrer, die sich für Schützengräben interessieren.
Herzliche Grüße,
nanabosho