Irgendwie reden wir völlig aneinander vorbei. Ich kann auch nichts mit einem "aggressiven Unterton" anfangen, den du meinst, ausfindig gemacht zu haben. Mir ist auch ein Rätsel, wo ich behauptet hätte, Serienmörder hätten keine Seele.
Wenn du die Besprechung einer These als "Gerichtsverhandlung" interpretierst, dann hat es wenig Sinn, an dieser Stelle weiterzudiskutieren. Du wirst dann jedes Gegenargument als persönlichen Angriff auffassen und schon bald hat sich die Sachebene erledigt.
Nur als kleiner Denkanstoß einige Widersprüchlichkeiten und Inkonsistenzen in deinen Gedankengängen.
MMn steht Gott halt nicht außerhalb des Universums, sondern ist es. Es gibt den Zustand "vor" dem Urknall und es gibt das Universum. Und mit diesem erfährt sich Gott.
Irdische Maßstäbe sind aber keine göttlichen Maßstäbe. Natürlich ist es gut für die Erde und die Menschen, wenn wir ethisch und sozial handeln und fühlen. Aber warum sollte das den Rest des Universums tangieren?
Gerade wenn du eine pantheistische Gottesvorstellung zugrundelegst, bricht deine These, "irdische Maßstäbe" hätten mit göttlichen nichts zu tun, zusammen. Wie sollte das möglich sein? Im ersten Zitat erklärst du, daß alles Gott sei und dann sollen irdische Maßstäbe nichts mit ihm zu tun haben und "bloß" menschlich sein? Wenn man sagt "Gott ist alles", dann behauptet man logischerweise auch, daß Gott die Menschen samt ihrer moralischen Vorstellungen ist.
Wir leben aber in einem modernen Rechtsstaat. Historisch gesehen ist es Aufgabe der Religionen gewesen, sich um soziale und ethische Belange zu kümmern, heute regeln das Gesetze und Regeln. Es gibt also ganz pragmatische historische Gründe, warum alle Religionen ethische Dinge berücksichtigen.
Das Liebesgebot ist eine universale Konstante in den religiösen Systemen dieser Welt und unabhängig von "pragmatischen" Erfordernissen. Wir finden keine Glaubensvorstellung, die einfach nur einen Gott beschreibt, ohne ethische Konsequenzen aus dieser Gottesvorstellung zu ziehen. Theologie ohne Ethik/ Spritualität ohne Ethik ist ein Widerspruch in sich. Ich würde auch noch einmal nachfragen wollen, auf was sich eigentlich die Idee eines "nicht wertenden Gottes" stützt. Die Aussagen Reanimierter sprechen Bände dagegen; sie berichten von konkreten Gottesbegegnungen, in denen klar und unmißverständlich ethisch erwünschte Verhaltensrichtlinien ausgesprochen sind.
https://www.esoterikforum.at/threads/45617
Abkürzung zu unserer Frage:
https://www.esoterikforum.at/forum/showpost.php?p=771898&postcount=3
Wir haben also auch empirische Gründe, die erhebliche Zweifel an einer "Spritualität ohne Ethik"-These aufkommen lassen.
Wir entstammen doch alle diesem Funken reiner Energie, der das Universum wurde. Spirituell sein heißt doch nur, sich dessen bewusst sein. Warum sollte ein Serienmörder das nicht können?
Klar kann er das. Man müßte dann, bei diesem ausgedünnten Begriff von Spiritualität, jedem Astrophysiker Spiritualität auf höchstem Niveau bescheinigen, insofern die Meinung so gut wie einhellig geteilt wird, daß unser Universum aus diesem Energiefunken hervorging (die NASA-Sonde MAP hat den Zeitpunkt dieses Funkens mittlerweile bei 13,7 Milliarden Jahren v.u.Z. dingfest gemacht, mit einer Fehlerquote von maximal 10%). Daher schrieb ich, daß ich den Verdacht habe, du legst einen Begriff von "Spiritualität" zugrunde, der von dem üblichen Verständnis abweicht. Zwar sind *Definitionen* immer problematisch, ich halte aber folgenden Versuch, die allgemein geteilte Auffassung von Spiritualität zu beschreiben, für ausdrucksstark:
Die Bedeutungsinhalte der Spiritualität sind nach Untersuchungen von Büssing et al. (2006) vom weltanschaulichen Kontext abhängig, beziehen sich aber immer auf eine immaterielle, nicht sinnlich fassbare Wirklichkeit (Gott, Wesenheiten, Kräfte), die dennoch erfahr- oder erahnbar ist (Erwachen, Einsicht, Erkennen) und die der Lebensgestaltung eine Orientierung gibt. Zu unterscheiden sind hier eine suchende Haltung von einer glaubend annehmenden bzw. einer wissend erkennenden Haltung. Als Ausdrucksformen der Spiritualität konnten mit Hilfe von Fragebogenkonstrukten [1] `mindestens 7 Faktoren differenziert werden: (1) Gebet, Gottvertrauen und Geborgenheit; (2) Erkenntnis, Weisheit und Einsicht; (3) Transzendenz-Überzeugung; (4) Mitgefühl, Großzügigkeit und Toleranz; (5) Bewusster Umgang (mit anderen, sich selbst und der Umwelt); (6) Ehrfurcht und Dankbarkeit; (7) Gleichmut und Meditation.[1]
Es ist selbstverständlich, dass jeder Versuch, eine möglichst offene Begriffsbestimmung vorzunehmen, zu einem synkretistischen Konglomerat führen muss, das spezifische weltanschauliche Besonderheiten nicht adäquat berücksichtigen kann. Von Büssing [1] wurde daher folgender Vorschlag gemacht: Mit dem Begriff Spiritualität wird eine nach Sinn und Bedeutung suchende Lebenseinstellung bezeichnet, bei der sich der/die Suchende ihres "göttlichen" Ursprungs bewusst ist (wobei sowohl ein transzendentes als auch ein immanentes göttliches Sein gemeint sein kann, z.B. Gott, Allah, JHW, Tao, Brahman, Prajna, All-Eines u.a.) und eine Verbundenheit mit anderen, mit der Natur, mit dem Göttlichen usw. spürt. Aus diesem Bewusstsein heraus bemüht er/sie sich um die konkrete Verwirklichung der Lehren, Erfahrungen oder Einsichten im Sinne einer individuell gelebten Spiritualität, die durchaus auch nicht-konfessionell sein kann. Die hat unmittelbare Auswirkungen auf die Lebensführung und die ethischen Vorstellungen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Spiritualität
Spiritualität läßt sich nicht abkoppeln von sinnhafter Orientierung, Lebensgestaltung, Handlungspraxis. Daher ist auch kein Serienmörder denkbar, der in seiner "spirituellen Entwicklung" fortgeschritten sei. Auch nicht, wenn er aus psychopathischer Perspektive seine Morde als Ausdruck eines universalen, göttlichen Liebesgebotes mißverstehen würde.