Gnosis: Die Botschaft des fremden Gottes

Was meint Jesus, wenn er von Toten spricht? Wer ist tot und wer am Leben?

Mt 8,22: „Jesus erwiderte: Folge mir nach; lass die Toten ihre Toten begraben!“

Jesus nennt diejenigen, die zu leben scheinen, „die Toten“, als ob sie nicht leben würden.

Wenn die Seele sich inkarniert, wird sie in einen materiellen Körper eingegossen und ihre Erinnerung daran, dass sie eine Seele ist, gelöscht. Sie verliert daher das Bewusstsein ihres Selbstes und fixiert sich auf ihre physische Hülle, als ob diese alles ist, was sie ist. Sie identifiziert sich mit den Wünschen und Ängsten des Körpers – das nennen wir "Ich". Innerhalb unseres Körpers steckt natürlich unsere Seele, aber vor allem unser Geist. Dieser ist unser wahres Selbst oder Wesen. Der Geist wird nicht geboren und stirbt nicht. Er besteht aus göttlichem Licht. Das physisch orientierte Ich wird ein Ende haben. Die physisch orientierte Seele weiß nicht, was wahres Leben ist, und ist so gut wie tot, da sie keine Verbindung mit ihrem Geist hat und daher nicht ewig am Leben erhalten werden kann, wenn sie weiter in der Unwissenheit ausharrt.

Wie viele Menschen auf dieser Welt sind sich ihrer Seele oder gar ihres Geistes bewusst? Diejenigen, die dies tun, sind in dieser Welt noch relativ selten sind, aber diejenigen, die dies tun, gehören zu den Lebenden, sie leben. Alle anderen sind tot. Sie glauben nur, dass sie am Leben sind, weil sie nicht wissen, was Leben ist. Sie sind wie Leichen, die ihre Leichen begraben, wie Jesus sagte. Das ist die Bedeutung der Worte Jesu.

Dies mag eine sehr düstere und harte Sichtweise sein, aber Jesus ist gekommen, um die Wahrheit zu bringen, und die Wahrheit ist am Anfang hart – da muss ich auf den disruptiven Aspekt der Wahrheit verweisen, über den ich im Beitrag #688 geschrieben habe – , aber die gute Nachricht ist, dass unser Geist niemals sterben kann, und unsere Seele sich dessen bewusst werden und weiter leben kann, wenn sie Jesus als den Weg, das Wort und die Wahrheit erkennt.
Ganz sporadisch lese ich hier mit. :rolleyes::)

Dem kann ich mehr oder weniger zustimmen, was du hier schreibst. Obwohl die Sache mit der Seele, gehe ich einen etwas anderen Weg.

Schaue mal. Es ist z.B. bei jedem Kind, die seelische Anbindung noch voll intakt. Und irgendwann verblenden wir diese Anbindung. Und es gibt aber viele Kinder/Erwachsene, die diese Verbindung aufrechterhalten mit der eigenen Seele.
 
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Die wahre Bedeutung der Worte Jesu

Ich habe bereits über die Unterteilung der Menschen nach gnostischer Sicht geschrieben. Die Hyliker (materiell orientierte Menschen) glauben weder an Gott noch an Jesus und sind daher von der Wahrheit abgetrennt. Die Psychiker (seelisch aktive Menschen, z.B. Christen) glauben zwar an Gott und an Jesus, aber sie verstehen nicht wirklich, was Gott ist und was Jesus gesagt hat. Nur die Pneumatiker (Lichtmenschen = Gnostiker) verstehen, dass Gott mehr ist als der Gott, der im Alten Testament beschrieben wird, und verstehen die richtige Bedeutung der Worte Jesu, die ihnen dabei helfen werden, Gott zu finden.

Jesus sagte: „Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor“. Die Wahrheit wurde von Jesus nur denjenigen gebracht, die sie auch verstehen können, weil sie vor ihrer Geburt dementsprechend vorbereitet wurden. Nicht alle werden die Gnosis verstehen, aber das ist normal. Es handelt sich um Inhalte für Adler, die fähig sind, zu einer höheren Wirklichkeit hinzufliegen. Wie sollen Hühner da mitmachen? Nicht destotrotz möchte ich hier einige Perlen loswerden. Nicht alle werden verstehen, aber was soll’s?

Die wahre (esoterische) Bedeutung der Worte Jesu am Beispiel des Verses Johannes 17,1 (Jesu Abschiedsgebet)
"Dies sprach Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!"

Mit „Verherrlichung“ ist der Empfang des Lichtgewandes gemeint. Um aufzusteigen, braucht die Seele ein Lichtgewand, siehe Matthäus 22,11-13:Als der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Menschen, der kein Hochzeitsgewand anhatte. Er sagte zu ihm: Freund, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen? Der aber blieb stumm. Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.

In Johannes 17,1 bittet Jesus den Vater, ihm sein Lichtgewand zurückzugeben, das ihm vor seiner Ankunft in dieser Welt gegeben wurde und er im letzten Mysterium zurückgelassen hatte, bis die Zeit angebrochen sein würde, um es wieder anzulegen.

In der Pistis Sophia wird das Lichtgewand Jesu mit Superlativen beschrieben: „Es geschah nun, als diese Lichtkraft auf Jesus herabkam, umfing sie Ihn allmählich ganz. Da stieg Jesus auf und fuhr in die Höhe, während Er in unermesslichem Licht erstrahlte.

Es [das Licht] sandte Lichtstrahlen aus in Fülle, und kein Maß war für seine Strahlen. Dieses Licht war nicht gleichförmig, sondern unterschiedlich in Art und Beschaffenheit, während die einzelnen Strahlen wunderbarer leuchteten als andere. Und das ganze Licht war ineinander von dreierlei Art, die eine wunderbarer als die andere.
 
wie kann man sich von Wünschen und Ängsten konkret lösen. Gibt es dazu im Gnostizismus konkrete Anleitungen, wie man dies umsetzen kann?
Ich meine damit, genügt es, sich wiederholende Mantras zu sagen, dass man dies und jenes nicht möchte und woher weiss man, ob man dies und jenes nicht zu mögen hat.
Vielleicht kannst du hier ein bisschen etwas Konkretes dazu sagen.
Du scheinst mir auf technische Details und Methoden besonderen Wert zu legen. Gnosis ist – anders als Yoga oder Meditation – der Weg zur Erkenntnis. Dazu sind keine spezielle Methoden notwendig, sondern Erkenntnisse, Erkenntnisse und nochmal Erkenntnisse. Wie man Erkenntnisse erlangt, ist grundsätzlich egal. Das Ziel ist wichtig. Der Weg dorthin bleibt jedem überlassen.

Noch bevor man sich kritischer Aspekte, wie Wünsche und Ängste, annimmt, ist eine Grundeinstellung erforderlich. Das will ich mit einem Beispiel erläutern. Wenn du dich am Weg machst und du es für wichtig erachtest, alle möglichen Steine – kleine Steine, große Steine – aus deinem Weg zu räumen, wirst du die ganze Zeit nur Steine räumen. Das Ziel wirst du aus den Augen verlieren und schließlich nicht erreichen, denn du hast dich lieber mit Problemen als mit dem Ziel beschäftigt.

Wenn du stattdessen dicke Stiefel anziehst, trampelst du einfach auf den Steinen und die Steine sind kein Thema mehr, sondern das Ziel.

Konkret: Wer nach Erkenntnis sucht, merkt, dass Wünsche und Ängste schwächer und schwächer werden, bis sie verschwinden.
 
ein " völlig anderes verständnis" als WER ?
die seele ist ja immer individualisierter geist
es gibt eine denkende seele, eine fühlende seele und eine wollende seele. das macht die irdische persönlichkeit aus.
der geistfunke des ich der diese zusammenhält, aus dieser dreiheit eine einheit macht, war zur zeit platos
noch auf dem weg zur erde, war also noch nicht in die irdische persönlichkeit eingezogen.
womit genau hast du da ein problem?
Schon unsere Altvorderen hatten bemerkt, dass etwas in uns ist, das uns mit Leben erfüllt und unser Wesen bestimmt. Also etwas Ganzheitliches, dass wir weder bestimmen, noch fassen können. Wir können also nicht sagen dies oder das ist die Seele, auch wenn wir sie sezieren.

Die Seele denkt auch nicht, weil die Gedanken am Ende eines Prozesses stehen und nicht am Anfang. Nur weil sich der Mensch von alledem nicht bewusstwerden kann und nur das Ende kennt, möchte er glauben, dass der Gedanke am Anfang stünde.

Der Geist im Sinne von Logistikón, wird somit auf einen Sockel gehoben, um ihn als Götze anbeten zu können. Mit diesem Götzen stellen wir aber auch uns selbst mit auf den Sockel mit all seinen Folgen.

Bei alledem solltest Du einmal bedenken, dass auch unsere Mitgeschöpfe etwas in sich tragen, das sie mit Leben erfüllt und ihr Wesen bestimmt. Ja und das alles ohne Platons Logistikón.

Eventuell sind die Gefühle der Mitgeschöpfe ehrlicher, die sie uns entgegenbringen, als all die Beteuerungen von denen wir nur reden. Nein, Platons Sorge um Logistikón ist nicht meine Sorge um das Seelenheil.


Merlin
 

da ich dich gefragt hatte:

"ein " völlig anderes verständnis" als WER ?"

und du mit dem antwortest was du dir so zurecht legst, dass es für dich halt passt,
- wir können das auch konkret im einzelnen durchgehen- nehme ich mal an, dass deiner ansicht nach
plato "als philosoph" ein anderes verständnis hatte als du.
nun, plato entwickelte seine philosophie aus den griechischen mysterien heraus. diese waren
wiederum eine fortsetzung der ägyptischen mysterien usw.

woraus entwickelst du deine weisheit? und als was?
 
Die wahre (esoterische) Bedeutung der Worte Jesu am Beispiel des Verses Johannes 17,1 (Jesu Abschiedsgebet)
"Dies sprach Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!"

Mit „Verherrlichung“ ist der Empfang des Lichtgewandes gemeint. Um aufzusteigen, braucht die Seele ein Lichtgewand,
Ich weiß jetzt nicht so recht, warum das in diesem Vers neuerlich als das "Verherrlichen" übersetzt wird?

Möglicherweise liegt es daran, dass in den alten griechischen Texten etwas vom „Rühmen“ (δοξαϲον/doxason) die Rede ist. Luther hatte dieses „doxason“ als „Verklären“ übersetzt, das dem eigentlichen Sinn dieses Verses näherkommt.

Verklären bedeute ja Verwandlung in eine anderen Gestalt im Sinne einer Metamorphose. Etwas das auch im Zusammenhang mit der Auferstehungsgeschichte von Jesus eine Rolle spielte.

In meinen älteren Ausgaben zu Luther steht deshalb:
Johannes 17[1] Solches redete Jesus, und hob seine Augen auf gen Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da, dass du deinen Sohn verklärst, auf dass dich dein Sohn auch verkläre.


Merlin
 
da ich dich gefragt hatte:

"ein " völlig anderes verständnis" als WER ?"

und du mit dem antwortest was du dir so zurecht legst, dass es für dich halt passt,
- wir können das auch konkret im einzelnen durchgehen- nehme ich mal an, dass deiner ansicht nach
plato "als philosoph" ein anderes verständnis hatte als du.
nun, plato entwickelte seine philosophie aus den griechischen mysterien heraus. diese waren
wiederum eine fortsetzung der ägyptischen mysterien usw.

woraus entwickelst du deine weisheit? und als was?
So wie Platon ein Kind seiner Zeit war, so bin ich ein Kind meiner Zeit. Platon hatte also alleine aus seinen Gedanken herausgeschöpft, während wir heute halt viel mehr über diese Dinge wissen. So wissen wir aus den Neurowissenschaften, dass der Gedanke nun einmal nicht am Anfang eines Prozesses steht und einiges mehr.

Ach ja, die alten Ägypter hatten zwar auch eine dreiteilige Seelenvorstellung, aber diese unterschieden sich grundsätzlich von den griechischen Vorstellungen. Bei den Griechen gab es über die Zeit zudem so verschiedene Seelenmodelle, wie kaum in einer anderen Kultur. Übrigens hatten bei Homer die Menschen, wie auch die Tiere noch gleichermaßen nur eine Seele.


Merlin
 
Konkret: Wer nach Erkenntnis sucht, merkt, dass Wünsche und Ängste schwächer und schwächer werden, bis sie verschwinden.

muss nicht sein. Auch kann man Erkenntnisse durch Yoga bekommen und/oder Meditation. Das ist z.B. mir passiert. Da solltest du mal bisschen über den eigenen Tellerrand schauen. MfG
 
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Platon hatte also alleine aus seinen Gedanken herausgeschöpft,

er hat, wie gesagt, aus den mysterien geschöpft! und das ist erfahrungswissen.

während wir heute halt viel mehr über diese Dinge wissen. So wissen wir aus den Neurowissenschaften, dass der Gedanke nun einmal nicht am Anfang eines Prozesses steht und einiges mehr.

wir bilden uns heute nur mehr ein. es gibt wohl neurowissenschaftler die das so interpretieren,
aber solche gehen nunmal davon aus, dass die gedanken irgendwie- sie wissen nicht genau wie- im gehirn entstehen.
wenn sie dann signale messen die später ankommen, gehen sie davon aus dass der gedanke später ankommt.
deshalb postulieren sie auch, dass es keinen freien willen gäbe, weil angeblich das signal für die tat
vor dem des gedankens ankommen soll. diese anschauung der gedanken ist aber so, als würden wir
bei einem radio etwa davon ausgehen, dass das was wir hören in dem radiogerät selbst entsteht.

kennst du eigentlich platos ideenlehre? was wissen heutige neurologen davon...

auch das mysterienwissen der ägypter beruhte auf erfahrung, die viel weiter reicht als alles was wir uns heute
so rein abstrakt zusammen reimen.
 
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