Du hast Recht: Wer die Vermutung aufstellt - also wer etwas neues postuliert - liegt in der Beweispflicht.
Materialismus:
Wir kennen Materie.
Wir kennen Bewusstsein.
Bewusstseinsprozesse sind nachweislich mit Gehrinfunktionen eng korreliert.
Also zumindest als Arbeits-Hypothese, dass das Gehirn - wie auch immer - das Bewusstsein ganz erzeugt.
Kein neues Postulat. Wir versuchen alle Fragen mit schon Bekanntem zu beantworten (was noch nicht ganz geschafft ist)
Dualismus:
Wir kennen Materie.
Wir kennen Bewusstsein.
Wir postulieren eine weitere Ebene - eine Seele in einer Art Parallelwelt, die sehr selektiv auf Gehirnfunktionen eingriff nehmen kann.
Hier wird etwas neues postuliert. D.h. Hier liegt die Beweispflicht, dass die Arbeitshypothese Sinn ergibt.
Ockhams Rasiermesser: Das Modell mit weniger zusätzlichen Postulaten gewinnt - mindestens, bis es ausgereizt ist. Das ist der Materialismus noch nicht.
Es ist schon lustig: Du verwendest den Satz
Es spricht auch nichts dagegen, dass igrendwo im Universum mythologische Fabelwesen existieren, der normalerweise gegen Fabelwesen, Gott etc. verwendet wird, um ein Fabelwesen - nämlich die Seele - bzw. Deine Interpritation der Psychonen - zu begründen.
Zum einen: in jedem Weltbild brauchst Du auch Grundaxiome, weil Du sonst die Kette der Belege unendlich nach hinten verlagern kannst, wie ien 4-jähriges Kind, was die Frage "Warum?" entdeckt hat.
Desweiteren: Wo sind die gesicherten Belege FÜR eine Seele? Es handelt sich hier um eine postulierte Erweiterung der Welt. Wieso ist das notwendig?
Hier traust Du den aktuellen bildgebenden Verfahren zuviel zu. Zunächst einmal, um Dein Vertrauen da ein wenig zu dämpfen:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,760220,00.html
Und nun speziel auf die Frage gemünzt, wie man nachBewusstseinsprozessen sucht:
Die Bewusstseinsprozesse "verstecken" sich in den Aktivitätsmuster der Neuronen untereinander. Diese Muster sind in Signalen mit Milisekunden Auflösung versteckt. Diese Zeitauflösung wird mit EEGs erreicht, aber die Ortsauflösung ist horrend schlecht - da werden mit jeder Linie ein ganzer Hirnbereich beobachtet und nicht einzelne Neuronen. Außerdem wird nur die äußerste Großhirnrinde erreicht. Amygdala und andere Bereiche, die für Gefühle und andere Bewusstseinsprozesse Verantwortlich gemacht werden, liegen tiefer.
Die Erfolge mit diesen hochzeitaufgelösten Hirnstrommessungen sind schon beachtlich:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,716442,00.html (und, da es neulich mal angesprochen, aber noch nicht verlink wurde:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,760220,00.html und
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,787867,00.html) Allerdings die geringe Ortsauflösung erschwert hier die gezielte Suche nach Signalen beträchtlich. Das ist so, als wenn Du aus einem km Höhe eine Zeitung lesen willst.
Kommen wir zu den Verfahren, bei denen die Ortsauflösung zwar besser ist - wenn auch noch immer nicht ideal; es werden immernoch große konglomerate von Neuronen beobachtet - und die tiefer ins Gehirn reinschauen. Diese Verfahren haben eine irrsinnig schlechte Zeitauflösung. Um ein Bild zu kriegen musst Du Sekunden bis Minuten messen. Die Aktivität der Hirnregionen wird anhand der Durchblutung z.B. anhand eines radioaktiven Makierungsmittels (bei der Positron Emissions Tomographie) gemessen. Zum einen braucht hat auch die Durchblutung eine gewisse Reaktionszeit. Und die Messdauer für ein Bild beträgt mehrere Sekunden bis hin zu Minuten. Anhand des Stromverbrauchs kannst Du sehen , dass Dein Radio an war, aber nicht, welches Stück gespielt wurde. Hier nach Signalen für Bewusstsein zu suchen, ist hoffnungslos. Man kann nur sehen, dass da was an war, nichts, mit dem sich eine komplexe Signalsuche und Mustererkennung machen ließe. Und so dolle ist die Ortsauflösung wie gesagt auch nicht.
Du traust den momentanen Verfahren viel zuviel zu, wenn Du behauptest, dass man mit ihnen schon das Bewusstsein gefunden haben müsste, sollte es im Gehirn entstehen.
Desweiteren sind, wenn die nötige Orts- und Zeitauflösung irgendwann erreicht werden sollte, die Probleme noch nicht zuende. Mit möglicherweise noch zu entwickelnden Algorithmen der Signal- und Mustererkennung muss man dass viele Gehirne abhorchen, um die Daten dann richtig runterzukochen. Auch diese Analyse wird dann ein sehr zeitaufwändiges Unterfangen sein, was Jahre bis Jahrzehnte dauern kann (man beachte z.B. dass die komplette Datenanalyse des Speicherrings HERA am Hamburger Kernforschungszentrum DESY auch immernoch nicht angeschlossen ist, obwohl das Instrument nunmehr seit einigen Jahren nicht mehr läuft).
Woher willst Du wissen, dass es unmöglich ist?
Weil die aktuellen Verfahren noch nicht die dafür notwednige Orts- und Zeitauflösung haben (siehe oben), und die Signalauswertung ein alles andere als einfaches Unterfangen ist.
Das sieht man dann auf dem Bild, dass da eine Hirnregion "an" gegangen ist. Nicht, in welchem Mustern die Neuronen da untereinander gefeuert haben. Viel zu schklechte Zeitauflösung - und die Ortsauflösung läßt auch hier zu wünsche übrig.
Wenn ich nach 20 Jahren erst 1% der Insel abgesucht hätte, nicht. Wie gesagt: Du überschätzt die Möglichkeiten der modernen Neurologie gewaltig.
Das tun die Fabelwesen, die Du oben erwähnst, auch nicht.
Nein, Du legst zweierlei Maß an. Vom Materialismus verlangst Du empirische Belege, Deine Theorie belegst Du damt, dass der Materialismus keine hat. Du postulierst eine Seele, ein vollkommen neues Konstrukt, und bemängelst am Materialismus, dass die Behauptung "Bewusstsein als Hirnfunktion" ein unbegründetes Postulat wäre. Dabei werden im Materialismus nur zwei bekannte Dinge in Verbindung gebracht. Im Dualismus wird eines der beiden in ein neues unbekantes Postulat -Jenseit, Seele.... etc. - verlagert.