Doch was ist Erleuchtung?
Erleuchtung oder das letztendliche Ziel allen spirituellen Strebens ist die direkt erfahrene Erkenntnis des seinem Wesen nach Absoluten.
Doch was bedeutet dieses Absolute und was hat es mit dem menschlichen Leben zu tun? Wenn wir unsere grundlegende Einstellung zum Leben durchleuchten, wird die Frage was "Absolut" ist schon bald sehr viel wichtiger werden als wir gedacht haben. Dies geschieht nicht zuletzt, weil die Überzeugung über die Beschaffenheit der Wirklichkeit einen großen Einfluss auf unsere Beziehung zum Leben haben. So haben diejenigen von uns, die davon überzeugt sind, dass es letztlich etwas gibt das Absolut ist (Gott, Erlösung, Erleuchtung....) eine positive Einstellung zum Sinn des Lebens als diejenigen die davon überzeugt sind, dass es nichts gibt.
Shankara, der berühmte indische Lehrer aus dem achten Jahrhundert und Begründer der Advaita-Philosophie (vedantischen Non-Dualismus, der "Nicht zwei" Philosophie), bezeichnet das was absolut ist, als "reines Bewusstsein" oder "Fülle".
Gautama Buddha hingegen ist für seine Aussage berühmt, dass Absolute ist "Leere". Wenn nun die Grundlegende Definition des Absoluten von den Erleuchteten selbst als unterschiedliche Erfahrung erkannt wird, wie soll dann die Frage beantwortet werden, was Satori mit dem menschlichen Leben zu tun hat?
Doch könnte nicht Leere und Fülle gleichbedeutend mit der philosophischen Aussage vom "Nichts und Alles" oder mit den Widerspruch aus der Quantenphysik, dass Atome gleich "Wellen als auch Teilchen" sind, verstanden werden? Also eine unterschiedliche Bezeichnung für den qualitativ gleichen Zustand einer subjektiven Wahrnehmung.
Oder führt uns die unterschiedliche Beschreibung des "Absoluten" zu dem Schluss, dass Erleuchtung die direkte Erkenntnis dessen ist, was in der westlichen Religion mit Gott, Liebe oder Christusbewusstsein ihren Ausdruck findet
Doch, die westliche Logik teilt die Welt in Subjekt und Objekt, die westliche Religion in Diesseits und Jenseits. Wahrheit ist jeweils anders definiert. Die Widersprüche zwischen Welt und Gott werden z.B. in der katholischen Lehre durch den "Heiligen Geist", der sich im Papst und im Kardinalskollegium unfehlbar äußert und in der Kirche als permanente Offenbarung wirkt, überwunden. Im Denken des Ostens kommt es nicht zu solchen Widersprüchen: wahr ist allein das Ein-Alle.
So zeigen uns die Aussagen Buddhas und Shankara, dass es letztlich etwas gibt, dessen Verwirklichung uns befreit, wobei es Phänomene gibt, die wir zwar erleben aber nicht erklären können, und tun wir es doch, so ist ihre Interpretation ein Schwindel erregendes Unterfangen, dass es andere verstehen würden.
Der östliche Weg des Zen ist eine mystische und geheimnisvolle Offenbarung zwischen Geist und Universum, so ist auch die Sprache der Zen-Buddhisten nicht mit einer westlichen Logik zu verstehen. Sie findet ihren Ursprung aus der Weisheit meditativer Erkenntnis. Die Grenzen einer logischen und rationalen Erklärung werden durch irrationale Elemente der Mystik überschritten.
Als der Zen-Meister Daito den Kaiser Godaigo, der Anhänger von Zen war, sah, sagte er:
Wir gerieten vor vielen Tausend Kalpas auseinander, doch wir waren nicht einen Augenblick getrennt. Wir sehen uns gegenseitig den ganzen Tag lang an, aber wir haben uns nie getroffen.
http://mitglied.lycos.de/wilfried_louis/index52.htm
