1993 als ich erstmals mit 16 in den Norden floh, bis Marburg zu Fuß, ca 50 km, dann mit einem LKW von Marburg aus nach Bremen, und dort angekommen zum Zirkus kam, der mich dann nach Cuxhaven verfrachtete, wurde der Ausweis eingezogen. Habe den langjährigen einzigen (Fiesel nannte man das) Helfer gefragt, warum. Da sagte er: "Tja, du bist jetzt Eigentum des Zirkus". Als ich etwas später nach ca 2 bis 3 Monaten bemerkte, dass ich fliehen musste, war klar, ich würde es ohne Ausweis tun müssen. In Oldenburg hab ich mich dann im kalten Winter unter Laub eingegraben und die Zeit abgewartet, bis der Zirkus weiter zog. Nur die Gewissheit, dass der Oberchef alle paar Tage zur Dialyse musste und sie deshalb nicht ganz Deutschland bereisten, lies mich aufatmen. Umso größer der Schock als genau dieser Zirkus 2006 in Düsseldorf aufkreuzte. Kurz nach dem ich nach 13 Jahren, bevor ich in Düsseldorf landete, das zweite Mal einen Zirkusversuch machte, der ebenfalls scheiterte. Das Gefühl im Leib war unbeschreiblich. Mir konnte das nur eins sagen. Der letzte Zirkus war mit dem ersten verschwägert und der Oberchef verstorben.
Und wieder hab ich mich versteckt, bis er verschwunden ist (selbst, wenn mittlerweile unbegründet - doch ich hab in all den Jahren ihre Ansage nie vergessen: "Wenn du abhaust, wir werden dich finden").
Nein: Ich denke über Flüchtlinge ganz anders als selbst ernannte Experten oder Waffenfetischisten.