Ich weiß, dass es so heißt in der Bibel - und trotzdem ist das für mich ein Widerspruch.
Wenn es für Gott so etwas, wie Sünde gibt, wie ist es ihm dann möglich, beide gleich zu lieben?
Gott liebt - vereinfacht gesprochen - den Sünder, nicht aber die Sünde.
Und da wir alle vor Gott Sünder sind, ist das ja auch kein Problem, Gott liebt uns alle. Und wir dürfen machen, was wir wollen. Jeder Mensch darf zu jedem Zeitpunkt völlig frei machen was er will - solange er mit den Konsequenzen leben kann.
Ich denke, dass Sünde eine Erfindung der Menschen ist.
was ist Sünde überhaupt?
es ist das Empfinden und Erleben einer bewusstseinsmäßigen Trennung und/oder Distanz von Gott.
ich hier und Gott dort oben irgendwo im Himmel - das ist das klassische Bewustsein eines Sünders.
Eine Erfindung der Menschen ist Sünde tatsächlich in der Hinsicht, dass nur der Mensch im Bewusstsein diese Entfernung von Gott produzieren kann. Gott selbst kann sich nicht von mir entfernen, er liebt mich wirklich bedingungslos. Selbst in der größten gefühlten Gottesferne (beispielsweise im Erleben einer schweren Depression) ist Gott immer noch bei mir, nur ich eben nicht mehr bei "ihm/ihr".
Man kann sich das so vorstellen, wenn man z.B. Scheiße betrachtet. Scheiße stinkt. Aber auch die schlimmste stinkende Scheiße ist aufgebaut aus lauter einzelnen Atomen, von denen kein einziges stinkt. Aber man kann die Atome genau so zusammenbauen, dass sie mächtig stinken. Doch den eigentlichen Baustoff, die Atome, die in der Liebe Gottes bestehen - sie sind völlig unempfindlich für den Geruch, den man damit produziert.
Ob ich also in meinem Leben einen lieblichen Wohlgeruch erzeuge und mein Leben lecker empfinde oder ob mir mein Leben stinkt, ich es beschissen finde oder zum Kotzen - es liegt am Zusammenbauen des Lebens, und nicht am Leben als solches. Das Leben ist so, dass es mich auch liebt, wenn ich "Scheiße baue". Aber ich darf den Geruch dann ertragen. Dem Leben ist das auf dieser Ebene gleichgültig. Wenn es mich freut Scheiße zu bauen und zu riechen, dann gibt es sich selbst dafür her.
In der geistigen Welt, in der Gott wie ein Vater und wie eine Mutter für mich ist, darf ich also auch in die Hose kacken. Den Gestank muss ich aber selbst ertragen und mich nicht wundern, wenn Mutter und Vater sagen, dass ich mit der vollgeschissenen Hose nicht am fein gedeckten Essenstisch sitzen darf.
Gott und ich als sein Kind - wir sind doch von vornherein eine Familie. Aber ich kann eben meinen Willen gebrauchen und mich aus dieser Familie entfernen und etwas EIGENES suchen. Das ist dann der Eigen-Wille. Und dieser Eigen-Wille entfernt mich einfach aus Gottes Gemeinschaft, aus diesem herzlichen Erleben des innigen Miteinanders und Ineinanders. So dass ich in Gott geborgen ist und Gott in mir wohnend erlebt wird.
Den freien Willen oder wie Du sagst, den Eigenwillen, den hat jeder.
Das heißt einerseits, jeder kann machen, was er will
nee, das ist schon ein Unterschied.
Frei heisst dieser Wille, weil Gott ihn nicht bestimmt. Der Mensch ist Herrscher über seinen Willen. Sonst wären alle Menschen quasi vorprogrammiert wie Roboter und Gott hätte Roboter geschaffen, die nicht anders können als wie sie sind.
Eigenwille bedeutet ein sich Entfernen von dem Gemeinsamen.
In der geistigen Welt herrscht ein funktionierender Kommunismus.
Allen gehört alles, und alle teilen miteinander, sowohl Freude wie Leid.
Eigenwille führt dazu, dass jemand etwas für sich selbst haben will. Privat-eigentum. lateinisch "privare" heisst "rauben". Privateigentum ist Raub an der Gemeinschaft. Vorher gehörte es allen, jetzt gehört es nur noch mir.
In der materiellen Welt funktionieren auch Gesellschaften mit Privateigentum, in der geistigen Welt funktionieren sie nicht.
In der Chemie heisst es "erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure". Will sagen, wenn man Wasser und Säure mischt, dann kann das explodieren, wenn man zuerst die Säure nimmt und in die Säure Wasser gibt - weil das eine exotherme Reaktion ist. Im Wasser, wo die Säure langsam dazuträufelt, wird diese Reaktion hingegen gut gekühlt.
Wenn einer nun sagt "ist mir doch egal" und doch das Wasser in die Säure kippt anstatt andersherum, braucht er sich nicht zu wundern, wenn das schief geht. Und dieses Abweichen von den vernünftigen, funktionierenden Regeln - das ist der Eigenwille.
- andererseits - niemand - auch Gott nicht, denn der ist neutral - hat aber gesagt, dass bestimmte Wesen keine Verantwortung übernehmen müssen und somit die Konsequenzen für ihr Handeln.
Jeder hat den freien Willen, die Verantwortung und die Konsequenz.
Aber vielleicht reden wir auch von den gleichen Sachen und drücken das nur anders aus.
vermutlich wird es das sein.