Atomstrom

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"Wird ein Reaktor abgeschaltet, so wird durch den radioaktiven Zerfall der Spaltprodukte weiterhin Wärme produziert. Die Leistung dieser so genannten Nachzerfallswärme entspricht anfänglich etwa 5 - 10 % der thermischen Leistung des Reaktors im Normalbetrieb und klingt in einem Zeitraum von einigen Tagen ab. Häufig wird dafür der Begriff „Restwärme“ verwendet, welcher aber irreführend ist, weil es sich nicht um die verbleibende aktuelle Hitze des Reaktorkerns handelt, sondern um zusätzliche Energie, die durch weiterlaufende Zerfallsreaktionen frei wird.
Um die Nachzerfallswärme in Notfällen (bei ausgefallenem Hauptkühlsystem) sicher abführen zu können, besitzen alle Kernkraftwerke ein aufwändiges Not- und Nachkühlsystem. Sollte jedoch der Fall eintreten, dass auch diese Systeme versagen, kann es durch die steigenden Temperaturen zu einer Kernschmelze kommen, bei der Strukturteile des Reaktorkerns und unter Umständen Teile des Kernbrennstoffs schmelzen."
http://de.wikipedia.org/wiki/Kernreaktor

Ja eben, die Kühlung hat keinen Einfluss auf die Kernreaktionen, es handelt sich, wie du zitiert hast, um Wärmeabfuhr, damit es zu keiner Schmelze kommt. Die heutigen Reaktoren sind übrigens so gebaut, dass eine Schmelze den Reaktorgrund zu Glas aufschmelzen würde, so dass die ganze Sache zusätzlich versiegelt würde.

"Die Kernreaktion geht nicht weiter" Damit meinte ich Kernfission wird, wenn nicht gekühlt, nicht einfach wieder starten.
 
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Ja eben, die Kühlung hat keinen Einfluss auf die Kernreaktionen, es handelt sich, wie du zitiert hast, um Wärmeabfuhr, damit es zu keiner Schmelze kommt. Die heutigen Reaktoren sind übrigens so gebaut, dass eine Schmelze den Reaktorgrund zu Glas aufschmelzen würde, so dass die ganze Sache zusätzlich versiegelt würde.

"Die Kernreaktion geht nicht weiter" Damit meinte ich Kernfission wird, wenn nicht gekühlt, nicht einfach wieder starten.

http://www.patent-de.com/19950105/DE4032736C2.html
Das ist glaube ich das Verfahren. (ohne Gewähr)
lg
Cyrill
 
In welchem AKW wurden diese Sicherheitssysteme denn verbaut?

Das habe ich im "Kernschmelze" artikel auf Wikipedia gefunden:
"Bei neueren Reaktorkonstruktionen sollen spezielle Vorrichtungen (Core-Catcher) den Reaktorkern bei einer Kernschmelze auffangen und die Freisetzung des Spaltstoffinventars verhindern.

Wegen der verheerenden potenziellen Folgen einer Kernschmelze wird mittlerweile, vor allem im asiatischen Raum, erfolgreich der Betrieb inhärent sicherer Reaktoren, speziell von dezentralen PBMR mit reduzierter Leistung, erprobt. Für sämtliche derzeit in Europa betriebenen kommerziellen Kernreaktoren gilt allerdings, dass das Risiko einer Kernschmelze durch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zwar signifikant verringert, aber nicht prinzipiell ausgeschlossen werden kann."
 
Nicht unbedingt. Wer schon mal geschäftlich mit Japanern oder Asiaten im
Allgemeinen zu tun gehabt, weiß das diese auch sonst nur Informationen raus
geben, wenn diese absolut sicher sind. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig
das sie was verheimlichen wollen oder Informationen unterdrücken. Es wird halt
nur das bestätigt was stimmt.

Echt? Na dann scheint ja alles in Ordnung zu sein.

Allerdings kenne ich auch andere Berichte über das Informationsverhalten von japanischen Geschäftsleuten. Mal hören?

Bitte schön:

Gefälschte Dokumente, vorgetäuschte Reparaturen, tödliche Unfälle: Das Desaster im japanischen AKW Fukushima ist der Höhepunkt einer Reihe von Skandalen der Betreiberfirma Tepco.

Die Betreiberfirma Tepco des japanischen Katastrophen-Reaktors gerät durch die Atomkatastrophe nicht das erste Mal ins Zwielicht. "Tokyo Electric Power Company", wie das Unternehmen vollständig heißt, ist eines der größten Unternehmen Japans - und affärenreich. Die gegenwärtige Katastrophe lässt nun frühere Skandale der Firma in neuem Licht erscheinen.

Vor neun Jahren musste der damalige Firmenchef von Tepco zusammen mit weiteren Managern die Firma verlassen. Japans größter Energieerzeuger war unter Verdacht geraten, in 29 Fällen Wartungsdokumente gefälscht zu haben. Die Spitzenfunktionäre übernahmen mit dem Rücktritt die Verantwortung für die Affäre. 17 Reaktoren, darunter auch der jetzige Unglücksmeiler, mussten für Inspektionen vorübergehend vom Netz genommen werden. Als Tepco die Reaktoren im Jahr 2003 wieder hochfuhr, gab es laute Proteste.

Unfälle und Vorwürfe über gefälschte Dokumente gegen Tepco gab es schon bald wieder. Im August 2004 starben vier Arbeiter, als im Atomkraftwerk Mihama heißer Dampf austrat - am 59. Jahrestag des Atombombenangriffs auf Nagasaki. 2006 wurde dem Konzern vorgeworfen, Daten über die Kühlwassertemperatur in ihren Reaktoren in den Jahren 1985 und 1988 gefälscht zu haben. Die Daten seien noch 2005 bei Inspektionen vorgelegt worden. 2007 tauchten weitere gefälschte Reaktordaten von Tepco auf. Die Kraftwerke blieben aber diesmal in Betrieb.

Nicht nur Vertuschungsaffären, auch Störfälle prägen die Geschichte der Atomanlage in Fukushima, 200 Kilometer nordöstlich von Tokio: Zuletzt war nach einem Erdbeben im Juni 2008 radioaktives Wasser aus einem Becken geschwappt, in dem verbrauchte Brennstäbe lagerten. 2006 trat radioaktiver Dampf aus einem Rohr, 2002 wurden Risse in Wasserrohren entdeckt. Im Jahr 2000 musste ein Reaktor wegen eines Lochs in einem Brennstab abgeschaltet werden. 1997 und 1994 gab es ähnliche Vorfälle, bei denen etwas Radioaktivität freigesetzt wurde.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,750572,00.html
 
Echt? Na dann scheint ja alles in Ordnung zu sein.

Allerdings kenne ich auch andere Berichte über das Informationsverhalten von japanischen Geschäftsleuten. Mal hören?

Bitte schön:



http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,750572,00.html

Exakt... und man braucht dafür doch nix als Logik. Gäbe es gute Nachrichten, wüssten wir es. Gibt es scheibchenweise schlechte oder sogar gar keine, stimmt was nicht.

Mittlerweile gibt es bei noch mindestens einem Reaktor ähnliche Probleme.

Ich glaube, dass es ziemlich düster aussieht.
 
Exakt... und man braucht dafür doch nix als Logik. Gäbe es gute Nachrichten, wüssten wir es. Gibt es scheibchenweise schlechte oder sogar gar keine, stimmt was nicht.

Wem würden panische Reaktionen innerhalb des japanischen Volkes helfen? Sie würden die aktuelle Lage vielmehr dramatisieren, denn dann gälte es nicht bloß, den übertemperierten Reaktor und den radioaktiven Austritt unter Kontrolle zu bringen, sondern zugleich eine sich aus panischer Angst gegenseitig zu Tode tretende Bevölkerung, wie man es z. B. auch aus Fußballstadien oder von der Loveparade 2010 kennt.

Zwar bin ich grundsätzlich der Meinung, dass Menschen ein Recht auf die Wahrheit haben. Wenn diese allerdings zu einer drastischen Verschlechterung der allgemeinen Situation führt und damit noch weitere Menschenleben gefährdet, halte ich es für legitim, VORERST die bedrohlichen, unabwendbaren Fakten und Konsequenzen zu verschweigen, bis die kritische Lage normalisiert wurde.
 
Wem würden panische Reaktionen innerhalb des japanischen Volkes helfen? Sie würden die aktuelle Lage vielmehr dramatisieren, denn dann gälte es nicht bloß, den übertemperierten Reaktor und den radioaktiven Austritt unter Kontrolle zu bringen, sondern zugleich eine sich aus panischer Angst gegenseitig zu Tode tretende Bevölkerung, wie man es z. B. auch aus Fußballstadien oder von der Loveparade 2010 kennt.

Zwar bin ich grundsätzlich der Meinung, dass Menschen ein Recht auf die Wahrheit haben. Wenn diese allerdings zu einer drastischen Verschlechterung der allgemeinen Situation führt und damit noch weitere Menschenleben gefährdet, halte ich es für legitim, VORERST die bedrohlichen, unabwendbaren Fakten und Konsequenzen zu verschweigen, bis die kritische Lage normalisiert wurde.

Ja... ich sage nicht, dass es unlogisch oder falsch ist, Informationen zurückzuhalten. Meine Argumentation geht schon den ganzen Tag dahin: "Wir" erfahren auf keinen Fall zeitnah das gesamte Ausmaß. Das richtet sich an diejenigen, die den Ernst der Lage anscheinend noch nicht so ganz begreifen, weil offenbar ja nicht so viel passiert.

Wenn man das zusammennimmt, was bekannt wurde... etwa 3 Strahlenopfer, kann man schon klar sagen: Eher 300. Wenn gesagt wird: 20 km Evakuierungs-Umkreis, ist das ein schlechter Witz, wenn er nicht weiter ausgeweitet wird. Wenn die japanische Regierung das Wort "Kernschmelze" nicht über die Lippen bringt, Stunden später aber schon ein zweiter Reaktor des AKWs außer Kontrolle zu geraten droht oder schon ist... Dann sieht es düster aus.
 
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Das sehe ich auch so. Es wird Zeit, die Kernfissionstechnik endgültig durch effektive Altenativen zu ersetzen. Kernfusionsreaktoren wären eine Möglichkeit.

Ich denke eher, dass es Zeit wird, ein Ende des Atomstrom-Zeitalters einzuläuten. Das läutet sich sonst selbst ein...
 
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