Ich bin nicht der Meinung, dass ein Mensch einen Gott braucht, um ein gewissenhafter Mensch zu sein, der von Herzen gut ist.
Der eine braucht einen persönlichen Gott um gutherzig daherzukommen, der andere meint, keinen zu brauchen. Der eine schafft es, ohne Gott grausam zu morden, ein anderer, ebenfalls von Wahnsinn verzeichnet und entstellt, tötet gar in Dessen Auftrag, wie er behauptet.
Ich weiß nur, der Glaube an das ÜBER MIR öffnet mir neue Fenster der Wahrnehmung und Möglichkeiten der Handlung und Herangehensweise an alltägliche Problemstellungen. Der Glaube an das ÜBER MIR bietet bietet mir die Möglichkeit, die Gefangenschaft meiner Herkunft und persönlichen Geschichte zu durchbrechen. Ich brauche diesen Glauben an das ÜBER MIR, weniger wegen meiner Gutherzigkeit, eher wegen meiner Freiheit, denn meine eigenen Grenzen empfinde ich oftmals wie einen Kerker. Ohne ein ÜBER MIR bin ich nur ein Gefangener meiner Selbst. Und ich kann trotzdem auch wunderbar damit leben, dass ein anderer das nicht braucht, weil er offenbar mit dem Glauben an SICH SELBST ausreichend bedient ist. Dieser macht seine Erfahrungsreise, ich mache die meine.
Mein Glaube an das ÜBER MIR ist allerdings nicht immer gleich stark und in schwachen Momenten bin ich versucht, ihn festzuhalten. Wodurch er natürlich ebenfalls zu einem Gift wird.
Ich vermute nur, dass es sich, würde ich nur an MICH SELBST glauben und zwanghaft daran festhalten, ebenso verhalten würde. Ob ich es allerdings bemerken würde, in der grenzenlosen Überzeugtheit von mir selbst, das sei dahingestellt.
Die Liebe selbst verwandelt sich in Gift, will man sie zwingen.