Welche Mechanismen das sind, solltest du aber doch mal dazu schreiben. Ich glaube nämlich kaum, dass die sonst nachvollzogen werden können.
Welches sind denn die natürlichen Fressfeinde der Wölfe? Sind sie diesbezüglich wirklich mit Katzen (Löwen z.B. vergleichbar) und was auch interessant wäre zu erwähnen, wie wirkt sich so eine "Ausdünnung" (fieses Wort) auf die Umwelt, resp. auch auf den Menschen aus?
Der erwachsene Wolf hat keine Freßfeinde, er ist ein Apex-Prädator, der manchen Gebieten sogar Bären jagt.
Welpen können u.U. Opfer von Großgreifen und Bären werden (letzteres trifft in D nicht zu) werden.
Im einfachsten Fall erfolgt die Regulierung von Beutegreifern über die verfügbare Beute, die man mit den Lotka-Volterra-Gleichungen tatsächlich mathematisch beschreiben kann. Das klassische Beispiel, das hier immer herangezogen wird, ist das Verhältnis Rotluchs zu Schneeschuhhase in Amerika: Die Population der Rotluchse folgt ziemlich strikt der der Hasen und nicht umgekehrt.
Bei Wölfen ist das
sehr viel komplizierter, weil sie Beutegeneralisten sind, auch wenn größeres Schalenwild bevorzugt wird (das sind immer noch etliche Arten). Aber auch für sie gilt grundsätzlich: Zu wenig Beute gibt weniger Nachwuchs.
Die Wölfe regulieren ihrerseits die Paarhuferbestände, weil sich alleine schon ihre Gegenwart auf deren Reproduktion auswirkt. Das ganze sind hochkomplexe, mehrfach verwobene und verschachtelte Regelkreise, die kaum zu entwirren sind, weil sich der Einfluß der Wölfe auf Hirsche z.B. via Wald- und Buschbestand indirekt auch auf andere Arten, ja sogar auf die Landschaft auswirken kann (klassisches Beispiel Yellowstone).
Die Wölfe selber werden außer über die Beutetierbestände auch über andere Faktoren reguliert, z.B. Krankheit oder Kämpfe rivalisierender Familienverbände, wenn ihre Zahl zu hoch wird. Das ist alles fein austariert und steht, wenn der Mensch nicht dazwischenpfuscht, in einem dynamischen Gleichgewicht, das unter dem Strich immer aufgeht.
Was "Ausdünnung" betrifft (bei dem Wort läuft es mir kalt den Rücken runter), so reagieren Beutegreifer auf Verlust normalerweise mit verstärkter Reproduktion (besonders gut sichtbar bei Füchsen). Nur bildet der Mensch hier eine Bedrohung, die eine noch lange nicht stabilisierte Art leicht wieder ausrotten kann. Was manche Zeitgenossen offensichtlich gerne hätten. Zudem kann man weitreichende Gewehre wohl kaum als natürliches Regulativ bezeichnen. Die Natur kennt keine Fernwaffen.
Würde z.B. durch unqualifizierte Ballerei das Elternpaar getötet, so würden die Welpen sterben oder unerfahrene Jungwölfe würden
erst recht Schäden an Nutzvieh bewirken, weil selbst der unerfahrenste Wolf mit einem für seine Dummheit berüchtigten Schaf keine Probleme hat, im Gegensatz zu schnellem Schalenwild, das schon ein gerüttelt Maß an jägerischem Können erfordert. So geschehen z.B. in den USA, wo ja mit blankem Haß auf alles geschossen wird, das entfernt nach Wolf aussieht.
Was die Auswirkung auf den Menschen angeht, so ist die mehr metaphysischer Natur. Der Mensch meint, sich über die Natur erhoben zu haben und unterliegt nicht mehr natürlichen Regelkreisen, zumindest temporär. Auf Dauer wird er die Quittung dafür kriegen. Sollte es der Mensch jemals schaffen, den letzten Wolf zu töten, wird diese Welt sehr viel lebloser sein.
Ganz praktisch bekäme er eine Eliminierung der Wölfe darüber zu spüren, daß sich die Pflanzenfresserbestände wieder weiter vermehren (die Jäger kommen in vielen Bereiche jetzt schon mit den Abschußzahlen nicht hinterher) und Wald- und Flurschäden wieder zunehmen, was spätestens bei Bergwäldern fatal werden kann. Man kann der Natur nicht in's Handwerk pfuschen ohne eine Gegenreaktion zu erhalten.
Ich glaube, was mich bei dieser Diskussion so ärgert, ist, daß Stammtisch"weisheiten", Räuberpistolen, Gerüchte und Märchen in puncto Wolf (aber auch Fuchs) immer noch fröhliche Urständ feiern, ohne daß sich mal einer die Mühe macht, diesen Quatsch zu hinterfragen. Dabei wäre es so leicht, sich umfassend zu informieren, gerade auch im Internetzeitalter. Literatur gibt es wirklich genug, von leichtverständlichen, populärwissenschaftlichen Texten bis hin zu wildbiologischem und ethologischem Universitätsniveau. Man muß nur
wollen!
Zwei Seiten möchten ich stellvertretend für unzählige Texte nennen, die ich immer gerne empfehle:
http://www.wolfsregion-lausitz.de/
http://www.fuechse.info/ (das beste, was ich in dieser Richtung kenne!)
LG
Grauer Wolf