Nein, das Ego piekst nur, wenn man sie ablegt, weil sich dann das wahre Selbst zeigt, das aber unerwünscht ist, laut Ego.
Dazu noch ein Zitat aus dem Buch:
… das Ego ist arbeitsscheu, speziell, wenn es um Aufgaben geht, die gleich auf den ersten Blick mit Angst und Schrecken verbunden sind.
Angst haben wir alle, das wissen wir. Jeder, der lebt, hat Angst. In den Geschichten der Inuit gibt es einen Rabenvogel, der die Ansichten und Gewohnheiten des Egos wunderbar treffend illustriert. Der Rabe ist ausschließlich an der Befriedigung seiner Genusssucht interessiert und versucht, alles Ungewisse und die Angst, die durch Ungewissheit ausgelöst wird, tunlichst zu vermeiden. Das Raben-Ego ist wie ein Liebhaber auf der Suche nach den besten Investitionen mit dem geringsten Aufwand, nach dem Motto "Pick und friss". Trickreich und unersättlich flattert er er hierhin und dorthin, missgünstig krächzend wie jemand, der ständig darauf achtet, wer das größte Stück Kuchen auf dem Teller hat, an welcher Stelle das Bett am bequemsten ist, welche Beziehung sich am meisten lohnt.
Unser Raben-Ego weigert sich standhaft, etwas dazuzulernen, ganz im Gegensatz zu unserer Seele, die sich danach sehnt, Neues zu ergründen, die eine buchstäblich sagenumwobene Ausdauer auf den härtesten Strecken des Weges beweist und Geduld genug, um eine Liebe über Jahrzehnte hinweg zu nähren. Und so ist es nie das Ego, das die Menschen bewegt, einander zu lieben, sondern ihre wilde Seele.