Im Augenblick hat sie ihre aggressive Phase. Sie bekommt mit, dass sie nicht mehr normal reagiert. Dazu ist sie extrem dominant und durch die Kriegszeit geprägt. Außerdem war sie Altenpflegerin / Stationsleiterin und hat panische Angst im Heim zu landen. Bisweilen droht sie mit einer Überdosierung Insulin.
Ich habe mir schon Einiges an Verhaltensweisen auf YT angehört. Aber, bei manchen Dingen kann ich mein Temperament auch nicht zügeln. Sie tut mir unendlich leid, weil sie in ihren Ängsten gefangen ist.
Ich kenne das auch von meiner Mutter.
Sie hatte sehr starke Ängste - es schienen uralte Ängste hoch zukommen:
Z.B. ist Morgen noch schulfrei, muss ich die Kinder ( wir Geschwister - alle um die 60 J.)
wecken - damit sie alle rechtzeitig in die Schule kommen?
oder:
Sind die Kühe versorgt? ( Es gab seit 20 Jahre keine Kühe mehr)
oder:
Ist mein Mann mir böse, wegen dieses und jenes und hat mich verlassen? ( Ist schon 25 Jahre tot) usw....
Gefangen in einer schrecklichen Welt....
Von wegen - in friedliche Demenz!
Das Schwierige beim Umgang mit Demenzkranken war mir, dass ehrliche Argumente völlig sinnlos scheinen - ich habe beobachtet, dass Fachkundige auf die Scheinwelt der Dementen eingehen und das Thema umgehen oder eben wirklich lügen a la:
Die Kühe sind gut umsorgt,
dein Mann ist dir nicht böse -
der kommt sicher bald,
ja wir sind hier auf Urlaub,
du bleibst heute Nacht im Hotel...usw.
Schwierig - so zu sprechen, wenn man eigentlich eine ehrliche Haut ist.....
Die Aggressivität ist wohl das Resultat von Angst und Hilflosigkeit.
Euch alle Kraft und Energie in dieser schwierigen Zeit!

