Nun, es steht doch jedem frei, seine Zwangsfreiheit wg. Arbeitslosigkeit, sinnvoll zu gestalten. Man könnte z.B. freiwillig in Alters- oder Kinderheime gehen und dort den Senioren oder Kindern was vorlesen. Man könnte auch den Förster fragen, ob man helfen kann oder man hilft im Tierheim aus. Es gibt so viele Möglichkeiten, Sinnvolles zu tun, ohne daß es Geld kostet. Und wer weiß, vielleicht findet man dadurch auch noch eine bezahlte Arbeit.
Da hast du zwar Recht, aber so einfach ist das auch nicht. Ich hab auf jeden Fall diesen sozialen Touch, ich fände es sogar toll, wenn ich genug Geld hätte und nur noch ehrenamtlich zu arbeiten bräuchte. Das würde mir am meisten Freude machen. Und Bedarf gibt es wirklich genug. Dich schätze ich auch so ein, dass du immer tätig wärest. So oder so.
Worauf ich hinaus will, ist, dass es eigentlich sehr bedauerlich ist, wenn bei einem Menschen dieses Bedürfnis nach einer Aufgabe total verkümmert ist.
Bei dem Typen, den ich weiter oben zitiert habe war das auch so: Er hatte überhaupt kein Bedürfnis, in der Gesellschaft integriert zu sein und für die Gesellschaft was zu tun. Er hatte irgendwie schon mit allem abgeschlossen.Ich habe ihm damals auch erklärt, dass die Gesellschaft nur etwas für einen tut, wenn man auch für sie was tut. Es ist eine Interaktion. Davon war er aber nicht zu überzeugen. War er deshalb aber glücklich? Nein, war er auch nicht. Er war auch bereits auf dem Weg zum Alkoholiker und ich hab dann auch den Kontakt abgebrochen, weil es mich einfach zu sehr runtergezogen hat und er nicht bereit war, etwas zu ändern.
Man kann jetzt darüber philosophieren, was im Leben von solchen Menschen schief gelaufen ist. Denn irgendwas ist schiefgelaufen. Und natürlich spreche ich sie auch nicht von jeder Verantwortung frei. Manch einer hätte es vielleicht in der Hand gehabt etwas zu verändern, manch einer aber auch nicht.
Es geht mir nur darum klar zu machen, dass ich etwas ganz anderes darunter verstehe, wenn ich sage, dass es jemandem gut geht. Ein zufriedenes oder gar glückliches Leben führen diese Menschen ganz sicher nicht. Warum auch immer sie in diesen Sumpf geraten sind.
Da fand ich den jungen Mann aus Nigeria toll, der vor ca. 3Jahren in Bochum ankam, mich fragte, wo man Arbeit bekommen könnte und nach 20 Minuten einen Job in einem Hotel bekam. Komisch, wieso hat der es geschafft und deutsche schaffen´s nicht, jedenfalls manche.
Ich freue mich immer, wenn ich höre, dass es so etwas gibt.
Ja, darüber kann man nur spekulieren. Warum finden manche gleich einen Job, wenn sie die erste Bewerbung abschicken und andere bewerben sich hundert Mal und sind qualifiziert und kriegen trotzdem nichts? Fraglos gehört wohl auch ein bisschen Glück dazu und die Fähigkeit, sich verkaufen zu können. Die hat auch nicht jeder. Willenskraft und nicht gleich zu resignieren, wenn die ersten Bewerbungen nicht so laufen. Was weiß ich, was alles so dazugehört. Ich war jahrelang im gleichen Beruf und an der gleichen Arbeitsstelle tätig, mir ist es erspart geblieben, mich groß bewerben zu müssen. Wenn ich mit meiner Umschulung fertig bin, bin ich auch gespannt, was mich erwartet.