Ruhigstellen von Kindern

Wenn natürlich off-label-use auch bedeutet, dass die Patienten schlicht zu jung für das verordnete Präparat sind, dann kann ich deiner Argumentation zumindest in diesem Fall folgen.

Ja, und fast überall in Medien ist das wohl der erste Punkt der einen anspringt. Das ist aber erst einmal allein überhaupt nicht aussagekräftig.


Sorry, aber darum geht es doch die ganze Zeit hier. Genau darum! Dass schwergewichtige Medikamente mit gravierenden Nebenwirkungen im großen Stil verabreicht wurden. Ohne sorgfältige Diagnostik, Abwägung und therapeutischen Begleitmaßnahmen. Und mutmaßlich ohne Not.

Das wird ja eben deutlich bestritten.

Und ernsthaft, Eltern von Kindern mit Behinderungen und/oder Verhaltensstörungen können auch kompliziert sein. Subjektiv gesehen weiß ich das noch von meiner Mutter (war ja Sonderschullehrerin), soweit sie früher erzählte. Anders als vielleicht bei Hauptschülern sind Eltern von solchen Kindern oft gebildet und intelligent usw., und wollen es nicht wahrhaben, dass Lehrer es nicht schaffen den Kindern etwas beizubringen, Ärzten es nicht gelingt eine Störung erfolgreich zu behandeln usw. Irgendwer muss schuld sein.

Umgekehrt klingt einiges was Winterhoff erzählt hat suspekt, die Anzahl seiner Patienten scheint zu hoch, es gibt Kritik von Kollegen. Aber andererseits ist zusätzlich davon auszugehen, dass er es mit schweren Fällen zu tun hatte, bei seinem Bekanntheitsgrad zuvor.

Wir sollten abwarten. Aber es ist nicht so simpel, dass ihn der Einsatz von Medikamenten für Erwachsene bei Kindern juristisch killt. Das ist durchaus üblich wie gesagt. Oder dass eine gesundheitliche Schädigung nach seiner Behandlung automatisch die "Smoking gun" gegen ihn wäre. Depressive in Behandlung bringen sich auch um, OPs gehen schief, Krebsbehandlungen schlagen nicht an usw.

Generell mag ich "Verurteilung" durch und in Medien nicht, aber hier haben wir es wirklich mit komplexen medizinischen Zusammenhängen zu tun. Ich weiß genug, um zu wissen, dass es nicht ausreicht (was die Öffentlichkeit weiß, und der Laie versteht), um hier den Strick zu drehen. Das geht ins Eingemachte, und ist nicht Ryke Hamer reloaded, wie gesagt.
 
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Ja, und fast überall in Medien ist das wohl der erste Punkt der einen anspringt. Das ist aber erst einmal allein überhaupt nicht aussagekräftig.

Aussagekräftig ist sehr wohl die Häufigkeit und Herangehensweise bei der Verordnung dieser Mittel.

Das wird ja eben deutlich bestritten.

Von wem? Von ihm selbst oder hat er noch andere Fürsprecher?


Und ernsthaft, Eltern von Kindern mit Behinderungen und/oder Verhaltensstörungen können auch kompliziert sein.

Streitet keiner ab. Das weiß ich selber aus meiner Berufserfahrung ganz sicher besser als du. Kein Grund, mit Medikamenten auf Kinder loszuballern, nur weil es der bequemere Weg ist. Wie gesagt: Antipsychotika sind indiziert bei Psychosen, und nicht, weil das Kind ruhiggestellt pflegeleichter ist.

Umgekehrt klingt einiges was Winterhoff erzählt hat suspekt, die Anzahl seiner Patienten scheint zu hoch, es gibt Kritik von Kollegen. Aber andererseits ist zusätzlich davon auszugehen, dass er es mit schweren Fällen zu tun hatte, bei seinem Bekanntheitsgrad zuvor.

Nochmal meine Frage, ob du dir die Dokumentation überhaupt angeschaut hast?
Es war schwer genug, dieses System Winterhoff überhaupt anzukratzen, geschweige denn, es zu durchdringen und gehört zu werden.
Zeit wird es, dass das endlich gründlich untersucht und Konsequenzen daraus gezogen werden.


Generell mag ich "Verurteilung" durch und in Medien nicht, aber hier haben wir es wirklich mit komplexen medizinischen Zusammenhängen zu tun. Ich weiß genug, um zu wissen, dass es nicht ausreicht (was die Öffentlichkeit weiß, und der Laie versteht), um hier den Strick zu drehen. Das geht ins Eingemachte, und ist nicht Ryke Hamer reloaded, wie gesagt.

Du musst nicht immer den Hamer zitieren. Dass der unter aller Sau und kriminell war, ist unstrittig.
Aber ich mag es auch nicht, wenn Leid geleugnet wird, nur weil es immer noch einen schlimmeren gab.
Ich weiß nicht mal, ob dir überhaupt bewusst ist, welches Leid die Kinder und Jugendlichen unter seiner Obhut durchlaufen haben, sollte es so gelaufen sein, wie es sich mittlerweile darstellt.

Wie auch immer: wir können hier ohnehin kein Urteil sprechen. Aber darüber diskutieren darf man schon. Dafür ist so ein Forum schließlich da.
 
Wie auch immer: wir können hier ohnehin kein Urteil sprechen.
Nicht im juristischen Sinne. Es wird dennoch Zeit, das Menschen lernen genau da zu unterscheiden.

Juristisch ist Winterhoff bislang nicht verurteilt, das heißt, er gilt formal als unschuldig. Das ist ein wichtiges Prinzip in einem Rechtsstaat. Aber gesellschaftlich, fachlich und ethisch sieht die Lage nunmal anders aus: Zahlreiche Betroffene berichten von Leid, Fachgesellschaften distanzieren sich klar von seinen Methoden, und mehrere Institutionen haben die Zusammenarbeit mit ihm beendet. Wenn ein Arzt über Jahre hinweg Kindern ohne ausreichende Indikation Psychopharmaka verschreibt, dann ist das nicht einfach ein "Streit unter Experten‘ ... das ist ein systemisches Versagen. Ob das strafrechtlich als Schuld gewertet wird, entscheidet das Gericht. Aber dass hier Verantwortung übernommen werden muss, fachlich, politisch und institutionell, ist ja längst offensichtlich.
 
Nicht im juristischen Sinne. Es wird dennoch Zeit, das Menschen lernen genau da zu unterscheiden.

Nur das meinte ich auch. Juristisch können wir kein Urteil sprechen. Sich ein Urteil bilden aber sehr wohl.

Juristisch ist Winterhoff bislang nicht verurteilt, das heißt, er gilt formal als unschuldig. Das ist ein wichtiges Prinzip in einem Rechtsstaat. Aber gesellschaftlich, fachlich und ethisch sieht die Lage nunmal anders aus: Zahlreiche Betroffene berichten von Leid, Fachgesellschaften distanzieren sich klar von seinen Methoden, und mehrere Institutionen haben die Zusammenarbeit mit ihm beendet. Wenn ein Arzt über Jahre hinweg Kindern ohne ausreichende Indikation Psychopharmaka verschreibt, dann ist das nicht einfach ein "Streit unter Experten‘ ... das ist ein systemisches Versagen. Ob das strafrechtlich als Schuld gewertet wird, entscheidet das Gericht. Aber dass hier Verantwortung übernommen werden muss, fachlich, politisch und institutionell, ist ja längst offensichtlich.

Das sehe ich ganz genauso wie du.
 
Nicht im juristischen Sinne. Es wird dennoch Zeit, das Menschen lernen genau da zu unterscheiden.

Juristisch ist Winterhoff bislang nicht verurteilt, das heißt, er gilt formal als unschuldig. Das ist ein wichtiges Prinzip in einem Rechtsstaat. Aber gesellschaftlich, fachlich und ethisch sieht die Lage nunmal anders aus: Zahlreiche Betroffene berichten von Leid, Fachgesellschaften distanzieren sich klar von seinen Methoden, und mehrere Institutionen haben die Zusammenarbeit mit ihm beendet. Wenn ein Arzt über Jahre hinweg Kindern ohne ausreichende Indikation Psychopharmaka verschreibt, dann ist das nicht einfach ein "Streit unter Experten‘ ... das ist ein systemisches Versagen. Ob das strafrechtlich als Schuld gewertet wird, entscheidet das Gericht. Aber dass hier Verantwortung übernommen werden muss, fachlich, politisch und institutionell, ist ja längst offensichtlich.
Ich verstehe auch nicht, was daran so schwer zu verstehen ist, dass man Kindern keine Psychopharmaka gibt, wenn kein Grund dafür vorliegt. Was in dem Alter (für solche Diagnosen) eh sehr unwahrscheinlich ist.

Welches Medikament er da genutzt hat, ist im Grunde fast egal, da die bewusste 'Ruhigstellung" eines gesunden Kindes an sich schon der Schaden bzw. die Körperverletzung ist. Selbst literweise Baldrian oder Johanniskraut könnten aus den gleichen Gründen vor Gericht landen.

Denn jeder Stoff, egal wie legal er erscheint, wird bei falscher Anwendung, oder bei Anwendung aus falschen Gründen, juristisch zum Gift, sobald er dem Körper schadet. Eltern, die ihre Kinder aus "pädagogischen" Gründen zwingen, Salz zu essen, würde das Gleiche passieren …
 
Findest du es in Ordnung, wenn Medikamente, die für schwere Schizophrenie von Erwachsenen gedacht sind, an Kinder verabreicht werden, nachdem sie geäußert haben, wieder bei ihrer Mutter leben zu wollen?
Das sind solche Hammer-Medikamente, dass ich mich wundere, dass die Kinder das überlebt haben überhaupt.
Spätschäden inbegriffen wahrscheinlich.
Was für ein massloser Verbrecher.
Aber es würde mich wundern, wenn der Herr Doktor das kriegt, was er verdient, nämlich lebenlänglich für lebenslänglich verpfuschte Kinderleben.
Deutschland kniet doch in der Tendenz immer noch vor Ärzten wie vor Heiligen.. :rolleyes:
Wer hier Schäden durch Ärzte erleidet, steht meistens allein auf weiter Flur.
 
"Eines dieser Medikamente heißt Risperidon. Risperidon ist bei mäßiger bis schwerer Alzheimer-Demenz für die Behandlung anhaltender sehr starker Streitlust (Aggression) zugelassen. Dabei darf Risperidon nicht länger als sechs Wochen eingenommen werden."
" Pipamperon ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der niederpotenten Neuroleptika, der in der Psychiatrie gegen aggressive psychotische Zustände und Schlafstörungen angewendet wird. Es verfügt über eine stark sedierende Wirkung, welche die antipsychotischen Effekte in der Intensität übersteigt.
(Quelle: Stiftung Gesundheitswissen)

Da ahnt man die Zielsetzung des Herrn Doktor...
Es ist wirklich ein Skandal.
 
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Nochmal meine Frage, ob du dir die Dokumentation überhaupt angeschaut hast?
Ich glaube, angeschaut hat sich @PsiSnake die mehrteilige Doku nicht wirklich, sonst würde er nicht laufend dagegen halten.
Und solange er diese Frage auch nicht beantwortet, hat es im Prinzip auch keinen Sinn, eine Diskussion mit ihm fortzusetzen.
Aber gut ... das ist nur meine bescheidene Meinung.
 
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