hallo opti,
was ich nie begreifen werde ist, dass Du den Körper nicht als Teil des göttlichen Alls verstehtst, als sündiger denn Geist/Gott.
Wir wissen doch nun heute alle, auch ohne Spleens:
Sünde ist nicht katalogisierbar, schon gar nicht einem Geist, einer Seele oder einem Körper zuordbar. Alles nur Hirngespinste, denn das All besteht aus allverbundenen Teilen. Wo Du da nun Deine eigene Sündhaftigkeit hinschiebst, ist letztlich nur eine Frage Deines Dogmas.
Find ich so.
lg, Christian
Trixi-Wortschmied, um diesen Absatz verstehen zu können, definiere bitte das Wort "Nachschleifen"!
- Haarschleife, Warteschleife?
- i.S.v. Nachbearbeiten
Nachbearbeiten, ja eine gute Idee. aus dem Hier und Jetzt heraus und hinein in ein Leid. So sieht es wenigstens aus, aber ich glaube, dass diese Nachbearbeitung ganz einfach notwendig und natürlich ist, weil der Mensch eben ein lernendes Individuum ist und man in jeder Millisekunde des Lebens im Grunde ja Neues erfährt. Und die Momente, die besonder intensiv spürbar sind (sei es nun Glück oder Trauma) bleiben in uns und kreisen da solange, bis wir alle Augenblicke, die wir erlebt haben in unserem Sein wahr nehmen und sein lassen wie sie sind. Dann,hups, kommt das Hier und Jetzt im Körper, ganz unabhängig von der Tätigkeit der Geistkörperseele, die sich ja im Hier und Jetzt nicht als Geist, Körper, Seele erfährt, sondern als Einheit. Beim Sex kann man das im Grunde gut üben: da sind 2 Teile, Mann und Frau z.B. und die üben Vereinigung.
So in etwa.
Romaschka schrieb:
Wenn ich beim Arbeiten die alten Menschen erlebe, die vielfach in einer Leere und in der Warteschleife zum Unvermeidlichen gefangen sind und auch Sätze wie "... und wir hatten uns doch noch so viel vorgenommen... *seufz* " von sich geben, dann kann ich nur jedem raten: Macht was aus Euren Sehnsüchten, dass Ihr später nicht ohne wundervolle Erinnerungen in dieser tristen Zwischenwelt dahinvegetieren müsst!
Ich hoffe, ich erlebe noch die Zeit, wo auch in der geriatrischen Pflege sexuelle Bedürfnisse als ein so normales Bedürfnis anerkannt werden, dass ich den alten Menschen abends vor dem Verpacken in sein Inkontinenzmaterial diskret fragen kann, ob er denn noch ein wenig "unverpackt" Zeit im Bett genießen möchte und ich später nochmal wiederkommen soll zum Absichern einer von Urin trockenen Matratze.
Das würde mit Sicherheit viele Nachtmedikationen (Schmerz- und Schlafmittel, Antidepressiva) vermeiden helfen.
Meinen part sehe ich hierbei, dass in Gesprächen mit Kollegen das Thema nicht tabu ist und ich Anstoß gebe, über die Situation einzelner Heimbewohner auch hinsichtlich Pflegeplanung, Unterpunkt "sich als Mann/Frau fühlen" nachzudenken und eigene sexuelle Handlungsmöglichkeiten des Bewohners an sich selbst zu ermöglichen und zu respektieren, ohne in diese albernen "Ooooh Gott o Gott"-Rufe zu verfallen, als sei es etwas Widernatürliches, obwohl grade diese gespielt-erschütterten Ausruferinnen zu Hause selbst einen Partner haben, der nur wartet, dass sie nach Hause in seinen Arm kommen..., und was sie da dann tun... ist komischerweise nicht "oh Gott" oder "igitt".
Is schon komisch mit den Menschlein...
Hupps, ganz schon abgeschweift.
... sinnierende Grüße von Nachtschwester Romaschka
Ach, Du bist Nachtschwester, das war ich auch mal, nur eben auf männlich.
Puuuuuuuh, da hab ich eine gaaanz dreckige Geschichte zu erzählen hier von dem belgischen Altenheim, wo ich noch einmal in die Urgründe unseres Berufes eingetaucht bin um noch einmal zu erfahren: was motiviert eigentlich diese Schreckgespenster in den Köpfen, die da im Altenheim den natürlichen Blick auf die Menschen verhindern? Dreckig deshalb, weil das Thema Hygiene dort ein Fremdwort war. Hygiene ist ja immerhin der Aspekt, der uns gesund sein lässt. Soll man nicht meinen, aber wenn man die geistige und emotionale Hygiene, die man für sich selber betreiben sollte, einmal richtigerweise zur Hygiene hinzufügt (Stichwort Selbstpflege), dann wird sehr schnell deutlich, wie wichtig Hygiene ist. Gerade im spirituellen, qualitativen Sinne. Ist z.B. ein krankhafter Glaube an die Schrecklichkeit der Sexualität irgendwie gesundheitsförderlich? Oder auch ein krankhafter Glaube an einen externalisierten Gott, der die eigene Körperlichkeit in irgendeiner Weise sündhaft fände? Ist das wirklich gesund?
Da war z.B. ein Mann, so etwa 60, nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt, teigig hautmässig, tolpatschig, aber wenn ich da war, immer sehr bemüht, mit mir zusammen die Pflege zu meistern. Er konnte auf einem Bein stehen, sich festhalten und so war eigentlich alles propper.
Nun ja, er onanierte gerne, hatte sonst nix zu tun.
So, da wurden dann mehrere Abwehrmassnahmen versucht:
-Pampers anziehen: machte er auf, war ja ein erwachsener Mann. Welche Unverschämtheit, befanden die Kolleginnen.
-Einen Waschhandschuh mit einem Klebeband um das Handgelenk an der Hand fixieren, so dass er nicht mehr orgeln konnte. Wirkte nicht wirklich.
-...
Es endete dann darin, dass besagter Herr ein Psychopharmakum bekam, er trübte recht massiv ein, bewegte sich überhaupt nicht mehr selber, verlor das Vermögen zu stehen, konnte seine Zeitung nicht mehr lesen, verlor die Fähigkeit, sich zu rasieren, bekam einen Speichelfluss, weil die Parese (Halbseitenlähmung in dem Fall) sich verschlimmerte, er fiel beinahe aus dem Rollstuhl, duselte den ganzen Tag vor sich hin, eine Unterhaltung war kaum mehr möglich. Er bekam eine Pampers an, denn ab da war er inkontinent. Er trank nicht mehr, weil er keine Lust auf irgendetwas hatte, trübte dadurch noch mehr ein. Wenn er aufgefordert wurde zu trinken, nahm er das Glas nicht, guckte es nur an. Und dann hiess es: der trinkt nicht.
Vom Anreichen von Getränken und vom Zusammenhang der Medikamentierung und der offensichtlichen Verschlechterung der Lebensqualität war in der Wahrnehmung der Schwestern keine Rede, Hauptsache "die Orgel" stand still. Was man von den Kolleginnen stets hörte war: der Mann ist so eklig.
Und ich ekelte mich vor meinen Kolleginnen über die Monate hinweg mehr und mehr und weisst Du, was ich getan habe: habe das gesagt: ich ekele mich vor der Umgehensweise, die in diesem Altenheim hier mit Menschen herrscht, so dermassen, dass ich dafür keine Worte mehr finde.
Und das war es dann gewesen mit der Zusammenarbeit

Aber ich war echt froh, meine Güte, war das ein asozialer Saustall. Hier in Belgien sind sie bestimmt 20 Jahre zurück, was Pflegequalität angeht, aber ich habe hier superviel für mich gelernt in den etwa 18 Monaten, die sich mich ausgehalten haben.
Nun ja, man fragt sich wirklich was Sexualität für manche Frauen eigentlich ist. Scheint eine schreckliche Sache zu sein.
Und weisst Du was? ich habe keinerlei Ahnung, warum das so ist, nicht die Bohne. Vielleicht die Unfähigkeit, Gefühle zu überwinden und fachlich und sachlich korrekt und menschlich mit sich selber und anderen Menschen umzugehen? Also ich muss schon sagen, wenn Du krankgepflegt werden willst, dann komm nach Belgien. Klappt hier ziemlich gut. Warum? Nun, hier haben die Schwestern studiert. Und haben von Pflegepraxis soviel Ahnung wie der Hund vom Mäusemelken. Immerhin: als ich anfing, war ich noch der einzige aus Deutschland, als ich ging, waren wir schon zu Acht. Von daher kann ich nicht soviel Falsches gesagt und getan haben.
so, aber jetzt zurück zum Thema, Frau Nachtschwester. hey, ab Februar unterrichte ich Pflege
