Meditation und Enthaltsamkeit

Inmitten von Rusafa sah ich eine Palme,
So weit im Westen, fern vom Palmenland!
Ich sprach, du gleichst mir, abgetrennt im Okzident
Von allen Freunden, von den Söhnen meines Hauses.
Du wächst in einer Erde wo du Fremdling bist,
Gleich mir am Ende dieser Welt, gleich mir so fern!​


Abt-al-Raman I. Erster Herrscher des Omeyadenreichs in Cordoba​




Ali verneigt sich...:liebe1: :liebe1: :liebe1:
 
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Ja, ich glaube tatsächlich, dass er ein leidenschaftlicher Mensch gewesen sein muss. Ich habe vor ca. 13 Jahren (boah ey, ist das lange her!) oder so mal einen längeren Aufsatz über Mohammed im Geschichtsunterricht schreiben müssen. Der Mann hatte wirklich vieles gemacht in seinem Leben: Prophet, Liebhaber, Kriegsführer und noch so einige Dinge mehr. Gerade in diesem Punkt unterscheidet er sich wesentlich von Buddha und Jesus. Sokrates hingegen, um eine weitere grosse Seele zu nennen (welche freilich keine Religion begründete), diente meines Wissens eine Zeit lang in der griechischen Armee. Von Zarathustra weiss ich's nicht. Paulus, um ein weiteres interessantes Beispiel zu nennen, hat die Urchristen ziemlich brutal verfolgt, bevor seine grosse Bekehrung vom Saulus zum Paulus stattfand. Tja, und das war dann unser Kirchengründer.

Ich himmle ihn an.

Mir fällt es ein wenig schwer, Mohammed anzuhimmeln, zumal er Karawanen überfiel und sie ausplünderte, zumal er 6.000 Männer ermorden ließ und ihre Frauen und Kinder als Sklaven verkaufte.

Ich bin schon sehr überrascht, dass man ihn als Propheten betrachtet, zumal er den Djihad bereits zu Lebzeiten einführte (Allah ist es, der die Feinde erschlägt und den Sieg erringt - Sure 8,17).
 
Mir fällt es ein wenig schwer, Mohammed anzuhimmeln, zumal er Karawanen überfiel und sie ausplünderte, zumal er 6.000 Männer ermorden ließ und ihre Frauen und Kinder als Sklaven verkaufte.
Ich weiss. Ich hab ja schon drauf hingewiesen. Wie gesagt, von Jesus, falls es ihn denn überhaupt gegeben hat, ist sowas nicht bekannt. Von Buddha auch nicht. Der spätere Paulus hingegen hat als Saulus Menschen foltern und umbringen lassen.

Trotzdem musst du auch hier wieder vorsichtig sein. Die Motive, die Mohammed für seine Kriegszüge gehabt hat, mögen vielschichtiger sein, als es auf den ersten Blick aussieht. Den Blick bloss auf die Fakten zu richten reicht einmal mehr nicht aus, es gilt auch, sie deuten zu können.
 
„Der Mensch ist nur in der Einsamkeit der Natur zu großen, starken Gedanken fähig. Unser Prophet Mohamed bekam seine Botschaften vom Erzengel Gabriel in der Wüste überbracht.“
„Vom Erzengel Gabriel? Ich weiß gar nichts darüber. Kannst du mir über Euren Propheten Mohamed erzählen?“
„Möchtest du das wirklich?“
„Ja, Mahoud. Die Einfachheit und die Kraft Eures Glaubens sind es, die mich tief beeindrucken. Es wäre für mich bereichernd, darüber aus der Sicht eines Muslim etwas zu erfahren.“
„Na gut.“
Er schenkte Kaffee aus dem Eisenkessel nach, stellte den Kessel zurück an den Rand der Feuerstelle und begann:
„Mohamed, unser Prophet, Allah preise ihn selig, war ein einfacher Mann. Er hütete die Schafe und war bei Allen bekannt als ein Mensch mit gutem Herzen. Aus diesem Grund vertraute ihm eine reiche Witwe eine Karawane an, die Mohamed bis nach Syrien bringen sollte. Als er zurückkehrte, hörte die Witwe nur Gutes über ihn und wollte ihn heiraten. Mohamed war bereits vierzig, als ihm der Erzengel Gabriel erschien.
Unser Prophet suchte gerne auf dem Berg Hira eine Felsengrotte auf. Der Berg liegt mitten in der Wüste, dorthin, in die Einsamkeit, zog Mohamed sich zurück. Da erschien ihm eine Lichtgestalt, hielt ihm ein silbernes Tuch mit Schriftzeichen vor und befahl: Lies!
Da antwortete Mohamed, er könne nicht lesen. Der Erzengel Gabriel befahl ihm drei Mal: Lies! Und dreimal antwortete Mohamed, er könne nicht lesen.
Doch plötzlich war es, als nehme jemand nach und nach Besitz von seinem Herzen. Da konnte er lesen und die Botschaften des Engels aufschreiben.
Mohamed empfing sein ganzes Leben lang Botschaften von ihm. Bald fanden sich viele Anhänger, erst in Mekka und später in Medina...“
„Warum Medina?“, unterbrach ihn Stella. „Ich dachte, Mekka sei das Zentrum des Islam.“
„Umm al-Qurrah, die Mutter aller Städte, wurde später zur Heiligen Stadt Mekka. Zuerst jedoch musste Mohamed gegen den Unglauben, die Vielgötterei und die schwarze Magie predigen. Mekka war damals eine reiche Stadt und die Händler boten ihm unbegrenzte Macht und Reichtum an, wenn er schwiege, worauf Mohamed sprach: Es gibt nur einen Gott und Mohamed ist sein Prophet.“
Mahoud schwieg und schien zu überlegen.

Sie dachte, was für eine bedeutsame Nacht. Wir sitzen oben in den Bergen des Oman und ich erfahre die Geschichte des Propheten Mohamed.
Diese Nacht wird nichts aus meiner Erinnerung löschen können.
„In Medina breitete sich der Islam rasch aus“, fuhr Mahoud mit seiner Erzählung fort. „Es war, als hätten die Menschen bereits darauf gewartet. Besonders die Hirtenvölker in den Steppen Zentralasiens waren es, die den Islam mit offenem Herzen aufnahmen. Unser Glaube breitet sich weiter und weiter aus. Bis heute, Stella, nicht in einem straffen, statischen Muster, welches leicht zu analysieren wäre, sondern im steten Auf und Ab.“
„Beziehst du dich mit Aufstieg und Niedergang auf eine Kurve? Meinst du das mit statisch?“
„Genau“, nickte er. „Das sind die üblichen Entwicklungsformen, nicht aber beim Islam. Beim Islam sind es rhythmische Wellenbewegungen. Wie in einem großen Ozean musst du es dir vorstellen. Der Koran ist ein Ozean mit verschiedenen Tiefen und er ist unendlich und unerschöpflich. Von den meisten westlichen Gelehrten wird der Koran völlig missverstanden.“
Mahoud verzog verächtlich den Mund. „Mit wenigen Ausnahmen werten die westlichen Gelehrten den Koran als unlogisch ab. Sie vermögen es nicht, seine gewaltige Kraft und Poesie zu verstehen.“

Er lachte auf. „Und vor allem, Stella, verstehen sie nicht seine schlichte Einfachheit. Das ist der wahre Grund, warum der Koran seinen Siegeszug angetreten hat, er wurde so auf natürliche Weise angenommen.“
Mahoud machte eine kleine Pause und reckte sich.
Stella sagte nichts, sie wartete, bis er fortfahren würde.
„Und nicht nur das, Stella“, begann er. „Das Wichtigste von allem, der Koran ist Aufbewahrungsort aller Geheimnisse des Universums.“
Er schaute sie ernst an. „Und der geistigen und metaphysischen Mysterien. Der Koran ist lange noch nicht erschöpft. Er ist unerschöpflich.“

Text von K.Ali aus "Kismet" 2006




Allâhu akbar





Ali:liebe1: :liebe1: :liebe1:
 
Ich weiss. Ich hab ja schon drauf hingewiesen. Wie gesagt, von Jesus, falls es ihn denn überhaupt gegeben hat, ist sowas nicht bekannt. Von Buddha auch nicht. Der spätere Paulus hingegen hat als Saulus Menschen foltern und umbringen lassen.

Trotzdem musst du auch hier wieder vorsichtig sein. Die Motive, die Mohammed für seine Kriegszüge gehabt hat, mögen vielschichtiger sein, als es auf den ersten Blick aussieht. Den Blick bloss auf die Fakten zu richten reicht einmal mehr nicht aus, es gilt auch, sie deuten zu können.

Entweder praktizierte er Brahmacharya, dann kann ich ihn wirklich als einen Heiligen anerkennen. Oder er vergnügte sich in seinem Harem. Dann kann ich ihn höchstens als Staatsmann und Weltling anerkennen, aber nicht als Prophet.

Aber der Suchende braucht wohl solch eine Gottesvorstellung, solch einen Strohhalm, die Vorstellung eines irdischen Vertreters, egal welchen Glaubens.
 
Aber der Suchende braucht wohl solch eine Gottesvorstellung, solch einen Strohhalm, die Vorstellung eines irdischen Vertreters, egal welchen Glaubens.

opti
ich Ali weiss es!
du bist ein weiser Mann

und Ali trinkt nun besonders viel Kaffee:morgen:
um die verführerischen Djinns zu vertreiben...

denn es geht uns doch um Enthaltsamkeit?
opti?
willst du den Mohammedh auch noch zur
Enthaltsamkeit bekehren?

aber glaube mir: Enthaltsamkeit lohnt sich nur
bei leidenschaftlichen Menschen!
die - welche innerlich halb tot sind
wo es nur das Jahr ohne Jahreszeiten gibt

die werdens eh von allein....:schnl:



Sallam,


Ali:liebe1: :liebe1: :liebe1:
 
Nein! Ich schwöre es bei den Sternen, die kreisen und verschwinden!
Ich schwöre es bei der Nacht, wenn sie sich ausbreitet!
Bei der Morgenröte, wenn ihr Dunst sich verflüchtigt!,
In der Wahrheit ist sicher ein ehrwürdiger Bote,
befähigt mit Macht, nahe dem Herrn des Thrones;
unbeweglich, folgsam und sicher ist er.
Euer Gefährte ist kein Besessener!
Sicherlich sahst du ihn am flimmernden Horizont;
Im Unbekannten zeig dich nicht karg.
Es ist nicht das Wort eines verfluchten Dämons.
Wohin gehst du?
Dies ist ein Bauwerk für die Welt,
Für diejenigen unter euch, die dem graden Weg folgen.


Koran Sure 83




Stille trat ein, und Stella war wie hinweg getragen von der Kraft seiner Worte. Sie wollte ihnen Raum geben.
Mahouds Worte aber waren so machtvoll, dass sie glaubte, das gesamte Universum dafür zu benötigen. Sie schauten aneinander an und er wusste, er hatte es ihr vermitteln können, mit jener Sure. Er fühlte, sie verstand ihn und nichts war zwischen ihnen. Keine begrenzenden Ideologien, nichts.
„Die Verbreitung des Islam nahm seinen Lauf“, erzählte er weiter. „Bagdad übernahm dabei eine führende Rolle. Das Jahr 529 war später von großer Bedeutung für seine weitere Entwicklung. Es war das Jahr der Vertreibung der Philosophen aus Athen durch Kaiser Justinian. Die Philosophen wanderten ab in den Orient. Genau genommen nach Gondischapur, den Bewahrungsort für Aristoteles. Als dann im IX Jahrhundert Ibn Ishaq aus Bagdad Aristoteles Schriften ins Arabische übersetzte, begann eine Renaissance des Islam. In der Akademie von Gondischapur...
„Gondischapur?“ unterbrach sie ihn. „Wo war Gondischapur? Ich habe diesen Namen nie gehört.“
„Gondischapur war im heutigen Irak, an den Ausläufern des Zagrosgebirges. Damals der Ort allen wissenschaftlichen Geschehens. Dort, wo die Philosophen, die Mediziner und auch christliche, nestorianische Theologen versammelt waren.
Das war der Vermittlungsort der griechischen, indischen und sogar der chinesischen Kultur“, schwärmte er. „Und wiederum die Verbindung zum persischen Erbe des Zarathustra.“
„Das muss gewaltig gewesen sein!“, warf sie lebhaft ein. „Ein Schmelztiegel des gesamten damaligen Wissens. Aber, Mahoud, woher weißt du das alles?“
„Ich war in Bagdad“, antwortete er. „Und habe in der Bibliothek Nachforschungen betrieben. Leider gibt es über Gondischapur wenig Information. Diese sagenumwobene Akademie bestand zwischen dem dritten und elften Jahrhundert, sie wurde völlig zerstört und verschwand dann endgültig im Nebel der Jahrhunderte.“
„Du hast dich sehr intensiv mit der Entwicklung des Islam befasst. Es ist ein faszinierendes Bild, dass du mir aufzeichnest.“
„Ich hielt es für wichtig, jene Impulse von damals gedanklich zu verarbeiten.“
„Dein Glaube hat dadurch Struktur“, sagte sie voll Bewunderung. „Wir alle sollten jene Impulse von damals versuchen zu integrieren und gedanklich zu bewältigen, damit wir frei bleiben und uns weiter entwickeln.“ Stella seufzte. „Ohne in irgendwelchen Kollektivismen zu stranden.“
„Willst du damit sagen, dass wir weitergehen müssen?“
„Ja, Mahoud. Nur so ist Entwicklung möglich.“
„So war es damals mit Aristoteles. Wie in einem Prisma gebündelt fiel sein Lichtstrahl in die islamische Welt. Die Strahlen, gebrochen zu einer glitzernden Farbenpracht, aus der jener Strom hervorging, in dem wir uns heute alle wiederfinden.“

Beide waren durch diese Worte zu einer tiefen geistigen Erfahrung gelangt. Es ist die Erfahrung des Menschseins und die Ahnung des Weltenvorgangs, in welcher der Mensch so klein und wiederum so unendlich groß sein kann, denn alles geht zuerst von einem einzigen Individuum aus.
Es war, als wären sie in einem Raum angelangt, den man als den Raum des absoluten Geistes bezeichnen könnte. Einer der Wege, die dort hinführen, geht über das reine Denken. Philosophische Gedanken führen zum reinen Geist - und das ist reine Erfahrung.
Mahoud hatte seinen Arm um Stella gelegt, das Feuer war längst heruntergebrannt.
Sie blickten stumm hinauf in den dunklen Nachthimmel.


Text von K.Ali aus "KIsmet" 2006



Ali:liebe1: :liebe1: :liebe1:
 
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