Vorab: Beziehung ist für mich nicht dieses Männlein-Weiblein-Dings, sondern bezieht sich auf jede*n, der*die mir begegnet. Mit einigen habe ich eine enge Beziehung, mit anderen nicht.
Die, mit denen ich mich wohl fühle, habe ich gerne häufiger in meiner Nähe, alle anderen entsprechend weniger. Wenn ich traurig bin und jemand ist da, der*die mich trösten kann - von dem*der ich es auch annehmen kann - dann ist das schön, aber nicht nötig. Ich kann auch alleine traurig sein. Genauso geht es mir mit allen anderen Gefühlen. Entweder es ist jemand da, mit dem ich dieses Gefühl "teilen" kann und will, oder nicht.
Wenn ich bei etwas Hilfe brauche, dann suche ich so lange, bis ich jemanden finde, der*die mir hilft, oder ich sehe ein, dass was-auch-immer eben nicht erledigt werden kann - oder erst später, wenn sich dann zufällig doch jemand findet. Wenn ich keine Hilfe brauche, sondern nur gerne welche hätte - sie aber nicht bekomme - dann mache ich meinen Kram eben alleine.
Mal geht es mir gut (meistens), mal geht es mir schlecht (kommt vor), mal geht es mir miserabel (selten).
Wenn Du das als Gott-gleich bezeichnest, dann ist das Gott-gleich. Ich finde das normal. Vermutlich sind mir Einzelgänger*innen die liebsten Freunde*innen, weil sie nix fordern und nicht enttäuscht sind, wenn ich gerade nich zur Verfügung stehe. Die sind dann natürlich im Gegenzug selbst nur dann da, wenn es ihnen gerade passt im Sinne von sie-können-und-wollen-da-sein.
Das finde ich in insofern super, weil ich ganz genau weiß: WENN diese Person bei mir ist, dann weil er*sie es WILL, nicht aus Höflichkeit oder Nettigkeit oder einem das-macht-man-so oder das-wird-von-mir-erwartet heraus.
In dem Moment entsteht dann wirkliche, echte Nähe, weil niemand in Gedanken woanders ist.