Roti schrieb:
Warum, sollte es als Unglück oder Ungerechtigkeit gesehen werden? Weil sich die Betroffene Angehörige sich nicht ändern wollen ihn ihrem Verhalten?
Das würde aber Bewusstsein über Zusammenhänge von Verhalten und Krankheit voraussetzen. Und ich wage mal die These, dass sich die wenigsten darüber vollumfänglich im Klaren sind.
Musikuss schrieb:
Und wenn man sagt, das Kind habe keine Schuld an seiner Krankheit, also wenn man keinen kausalen Schluss zieht, was wäre das dann?
Wäre das nicht Unglück oder Ungerechtigkeit?
So lange du der Meinung bist, alles bewerten, beurteilen, verurteilen; einteilen in gut und böse usw. zu müssen, so lange wirst du in der "Unglücks-, Ungerechtigkeits-, Schuld-, Strafe-, Sühne-Schleife hängen.

Unglück und Ungerechtigkeit sind auch nichts anderes als Wertungen. Weil der Schritt zu der Frage "warum muss ausgerechnet
mir das passieren?" winzig ist. Und damit ist die Verantwortung schon wieder wo anders, nur nicht bei mir. Bei Krankheit (ausser selbst leichtfertig verursacht) würde ich mit derartigen Bewertungen sehr vorsichtig sein.
Musikuss schrieb:
Warum soll sie einen schwächen, wenn es eine Chance ist?
Weil Chancen oft nicht erkannt werden? Weil dann Gott, das Schicksal, was weiss ich wer noch *schuld* an der Misere ist (auch wenn sie selbst verursacht wurde)? Weil viele Menschen einfach in der Opferrolle hängen, unter dem Motto "ich kann ja nix dafür?
Sobald ich in einer misslichen Lage die Chance erkenne, etwas zu verändern/verbessern, und diese Chance ergreife, bin ich in meiner Eigenverantwortung. Und dazu braucht es kein Schulddenken.
Musikuss schrieb:
hätten wir keine Korrekturmöglichkeit, was man auch als Gnade bezeichnet, wäre das in meinen Augen grausam!
Gnade? Wird uns ununterbrochen und jede Menge zuteil. Um die Gnade der Korrekturmöglichkeit zu nutzen, braucht es kein Schuldprinzip.
Ich nehme mich da gar nicht aus, es war ein langer Weg, zu erkennen, dass Schuld-Strafe-Sühne-Prinzip nicht nötig ist.
LP