Goldklang))) schrieb:
Völlige Verschmelzung mit dem absoluten Sein würde aber kein Punkterl überlassen?
Das ist deine Interpretation Liebe Goldklang
oder weisst du es?
Nochmals über jenes Pünktchen,
dem ich die grösste Wichtigkeit
beimesse: dem Ich-Bin:
Ein Interpret besteht darauf, Eckhard spreche hier von dem menschlichen Unvermögen, den Grund der Wirklichkeit zu erreichen., den »tiefsten Grund des göttlichen Seins.»
Nach dieser Interpretation besteht eine unüberbrückbare Kluft zwischen »jedem erkennenden Wesen» und der »Ewigkeit des göttlichen Seins».
Gott versehe uns daher mit einem Pünktlein, durch das wir rationalen Geschöpfe auf uns selbst zurückgeworfen würden und uns bewusst machten, dass wir schliesslich endliche Wesen seien und immer davon ausgeschlossen, im Schoβ oder dem innersten Sein Gottes aufzugehen.
Ein anderer Interpret denkt darüber folgendermaβen: Nach Eckhards ganzer Denkart zu urteilen, meinte er durchaus nicht, dass die Kluft zwischen dem Göttlichen Seinsgrund und uns absolut unüberbrückbar sei. Im Gegenteil, er deutete an, dass er selbst die Kluft übersprang und dabei auf diese Seite der rationalen Existenz zurückkehrte.
Das »Pünktlein», dass Gott uns lieβ, entspricht dem, was die Zen-Buddhisten satori nennen.
Wenn wir dieses Pünktlein berühren, erfahren wir satori. Satori erfahren bedeutet, an oder in diesem Punkt Eckhards zu stehen, von dem wir in zwei Richtungen schauen können:
In die Richtung Gott und in die Richtung auf das Geschaffene hin.
D.T.Suzuki Der östliche und der westliche Weg
und da West und Ost sich begegnen
füge ich dies noch hinzu:
Der östliche Weg des Zen ist eine mystische und geheimnisvolle Offenbarung zwischen Geist und Universum, so ist auch die Sprache der Zen-Buddhisten nicht mit einer westlichen Logik zu verstehen. Sie findet ihren Ursprung aus der Weisheit meditativer Erkenntnis. Die Grenzen einer logischen und rationalen Erklärung werden durch irrationale Elemente der Mystik überschritten.
Als der Zen-Meister Daito den Kaiser Godaigo, der Anhänger von Zen war, sah, sagte er:
Wir gerieten vor vielen Tausend Kalpas auseinander, doch wir waren nicht einen Augenblick getrennt. Wir sehen uns gegenseitig den ganzen Tag lang an, aber wir haben uns nie getroffen.
Was ist denn nun Zeit?
Wenn niemand mich fragt weiss ich es.
Wenn ich es einem anderen, der mich
fragt, erklären möchte, weiss ich es nicht.
Dennoch sage ich dreist: Wenn nichts dahin
ginge, gäbe es keine vergangene Zeit,
wenn nichts käme, gäbe es keine zukünftige Zeit.
Jene beiden Zeiten also, die vergangene und die
zukünftige, wie sind sie, da wir doch sehen,
dass die vergangene nicht mehr ist,
und die zukünftige noch nicht?
Aber die Gegenwart, wäre sie immerzu
gegenwärtig und ginge nicht in
Vergangenheit über, wahrlich,
dann wäre sie nicht Zeit, sondern Ewigkeit.
von Meister Eckhart
Karuna
