Neutrino
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Sei so nett, informier Dich oder frag einfach wenn Du etwas nicht weisst - Tatsachen zu ignorieren ist keine Diskussionsbasis sondern schlicht Dummheit. Die tatsache von der ich allerdings spreche ist, dass die Lehrmeinung den oben genannten Kommentar zur Thematik abgibt. Mir persönlich ist es völlig egal ob jemand Stimmen hört oder nicht solange derjenige meinen Persönlichkeitsbereich nicht beeinflusst, mich interessieren ide Erfahrungen Betroffener und jene des Umfeldes - möglichst ohne Negativbesetzung des Begriffs " Krankheit ".
Bei psychischen Krankheiten treffen nicht immer alle Symptome zu - es gibt zur Typisierung eine Auflistung an Symptomen und wenn eine gewisse Mindestanzahl davon auftritt, dann ist das Vorliegen der Krankheit wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich.
Zunächst ist zwischen Paranoia - mit den von Dir genannten Symptomen Verfolgungswahn etc. und Schizophrenie mit den von Dir genannten Smptomen wie Ich - Störungen, Kinder nict mehr erkennen etc. zu unterscheiden und diese beiden Krankheiten unterscheiden sich dann wieder von der paranoiden Schizophrenie obwohl alle drei Ähnlichkeiten aufweisen.
Das Stimmen hören allein legt allerdings eine paranoide Schizophrenie sehr nahe ( es wurde bis jetzt keine gegenteilige Diagnose erstellt ), die Idee zB. dass sich gewisse Institutionen gegen einen Einzelnen verschworen haben legen als einzelnes Symptom Paranoia nahe.....
Du, ich bin da ja kein Profi, ich kann allerdings schon Unterschiede erkennen zwischen dem, was sich gemeinhin Schizophrenie nennt und ja... ggf Demenz, allgemeine Verwirrung oder auch schlicht ggf. Bewusstseinserweiterung, wer weiss das schon so genau
Es mag sicherlich nochmals Schubladen geben in die nach Stand und Grad der Schizophrenieart unterschieden wird, aber als Angehörige ist für mich zunächst der Leidensdruck das relevante Merkmal. Und der ist bei meiner Mutter nicht ausgeprägt, bzw. nicht auf die Stimmen die sie hört zurück zuführen. Sie leidet tatsächlich seit Jahrzehnten an Tinitus und Ohrgeräuschen, ist auf einem Ohr ganz taub und hört auf dem anderen sogut wie gar nichts mehr, was die Folge eines Kindheits"unfalls" war. (Wenn du mich fragst nahm hier das ganze Desaster seinen Lauf), desweiteren hat sie, auch auf Grund dieses Unfalls Phantomschmerzen die Ärzte, zum Teil sie selbst nur schwer lokalisieren können. Durch die Abgeschiedenheit in der Taubheit führt sie ohnehin vielfach ein *anderes* Leben, kann zwar an allem möglichen teilnehmen, hat auch bis jüngst zur Rente gearbeitet... Hinzu kamen einige Todesfälle, darunter ihre zwei Brüder sowie ein Sohn eines Bruders, und am Tag der Trauerfeier ihres zweiten Bruders (der älteste) ist auch noch ihr Lebensgefährte/Mitbewohner gestorben.
Zwei Tage nach seinem Tod meinte sie, sie würde ihn sehen, er hätte sich fein hergerichtet und sei wieder da. Sie ist nach anfänglicher Trauer übrigens erstaunlich gut fertig geworden mit den Verlusten.
Das mit den Stimmen hatte sich schon vorher angedeutet, aber sie hat immer selbst wieder gefragt, was das denn sei, sehr verwundert, zum Teil gelacht über das, was ihr die Stimmen gesagt haben. Was auch immer es war, sie beschrieb es als sehr nett, und sie würden ihr einen Weg zur Selbstheilung zeigen. Und sie müsse Bücher darüber schreiben
Es war auch, gerade für mich, erstaunlich zu beobachten, wie sie sich praktisch ohne ein Bewusstsein dafür eine Art Welt von alternativen Heilmethoden, Zahlensymbolik, Farbenlehre bis hin zu Ansätzen von FengShui usw. erschloss...
Dazu muss man wissen, dass sie streng orthodoxe Christin ist, also so eine, die meint, das Linkshänder, so wie ich zb. des Teufels seien, Homosexuelle entweder Krank oder dämonisch besessen, Buddhismus und andere Religionen sowie auch alle möglichen esoterischen Ansätze und das ganze alternative Zeugs eben auch irgendwas teufliches verbotenes sind ... *g
Ich fand das eigentlich sehr spannend zu beobachten und sie hat sich auch wirklich ernstlich Gedanken gemacht, wie das in Vereinbarung mit ihrem biblischen Credo zu bringen sei... und dabei, wie gesagt fulminante Entdeckungen für jemanden ihrer Geistesgrösse gemacht. Hat(te) alles auch etwas von einer innerrevolutionären Forschungsreise.
Wenn das alles so geblieben wäre hätten wir nichts weiter unternommen, hatte schliesslich alles was interessantes, liebenswertes, aufgeschlossenes...
Letztlich aber ist wohl doch sowas wie ein Gewissenskonflikt zutage getreten. Sie war da gerade bei meiner Cousine und ich sollte sie schnell abholen kommen. Die heilige Mutter Gottes hätte gerade versucht, sie zu töten. Ok, alles klar. Das dürfte wohl ein Fall für den Arzt sein. Fand sie allerdings selbst auch.
Inzwischen ist sie raus aus der Klinik, macht gerade Urlaub bei Verwandten, nimmt Medikamente, die, wie sie sagt, ihr sehr gut tun... bekommt Ergotherapie und ist in der Pflegestufe 1. Und von, ich glaube 80% Behinderung auf 100% gestuft.
Ihr selbst, wie sie sagt und wie bereits erwähnt tuen die Medis gut, ich hingegen hab immer mal wieder so ein Gefühl von: Hilfe, wer isn dieses Gespenst hier. Komische Motorik, komischer Gang, Abwesenheit, Stumpfheit...
Dennoch, alles in allem... ich kenne noch eine andere Schizophrene, puh.... mein lieber Scholli, da war das hier mit Muttilein ein Spaziergang dagegen...