Das halte ich z.B. überhaupt nicht für belanglos, sondern im Gegenteil sogar für etwas Grundlegendes. Was kann ich überhaupt relativ sicher wissen?
Das jetzt in diesem Moment etwas passiert, das ich "Wahrnehmung" nenne.
Alles weitere sind nun mal Ableitungen, mentale Konstrukte.
Deshalb ist z.B. dieser Bildschirm auf den ich jetzt gerade schaue für mich auch ein "Beliefsystem". Wie du bereits sagtest, habe ich nicht die geringste Möglichkeit zweifelsfrei festzustellen, ob der überhaupt "objektiv" vorhanden ist. Und wenn ich die wissenschaftliche Methodik anwende, möchte ich darin auch so konsequent sein, dass ich mir eingestehe, nichts unabhängig von mir gesichertes darüber aussagen zu können. Ich arbeite also lediglich mit der Annahme (BS), dass da vor mir ein Bildschirm vorhanden ist.
Nun ist aber das wunderbare, dass, jedesmal wenn ich mich abgewendet habe und dann wieder hinschaue, diese Entität "Computerbildschirm" sehr vorhersehbar wieder meine Wahrnehmung ist. Die Arbeitshypothese "Computerbildschirm" besitzt also eine enorme Effizienz. Und genau diese wiederholbare Efizienz zeichnet ja auch wissenschaftliche Methodik aus.
Nichtsdestotrotz bleibt sie unter erkenntnistheoretischen Gesichtspunkten eine Annahme, eine Arbeitshypothese, ein Beliefsystem.
Sie funktioniert halt in den meisten Bereichen präziser, als das andere Annahmen tun...
Ja, ich beschäftige mich zwar auch leidenschaftlich gerne mit Modellen, die versuchen das Universum und den ganzen Rest zu erklären, aber letztlich ist das aus den oben gennannten Gründen völlig bedeutungslos. Das Kriterium für Modellle, die ich als Arbeitshypothesen für mich übernehme, sind in solchen Fällen für mich:
1.funktionierts überhaupt für mich?
2.macht mich die Annahme eines solchen Modells glücklicher, zufriedener?
3.ermöglicht mir dieses Modell gedanklich und meine Handlungen betreffend
freier zu werden?
4.eröffnet es mir mehr Möglichkeiten der Wahl?
Klar, vollkommen d´accord.
Der menschliche Geist ist nun mal sehr phantasiebegabt. Zum Glück.
Übrigens kann der von mir sehr geschätzte RK auch nicht hinter diese miesen epistomologischen Teufeleien blicken. Das wird aber, wie schon mal gesagt, schnell deutlich, wenn man ihn auf sich selbst anwendet.
Und wie gesagt halte ich diese Teufeleien sogar für sehr bedeutend.
Das ist die einzige Grundlage, auf der alles was wir denken beruht.
Mir ist das meiste einfach viel zu ideologisch.
Worshipper suchen Sicherheiten.
Oft möglichst recht kuschelige.
Da kann man sich wunderbar im Kreis drehen und meinen dabei irgendeinen Weg zu gehen.
Hauptsache nicht unangenehm.
Mein Trick ist, mich einfach als ernsthaft spirituell Interessierten zu bezeichnen.