So, jetzt habe ich den Beitrag nochmal richtig geschrieben - Anevays Äußerungen befinden sich in Zitatform!
Hi Ireland,
ich bewerte wissenschaftliche Ergebnisse nicht über. Mehr nicht. Dann nämlich entsteht Glauben, Hörigkeit.
Das ist gut, wenn Du weißt, wie wissenschaftliches Arbeiten funkioniert (ich mußte mich sehr quälen, bis ich z.B. nur ne Varianzanalyse verstanden habe und anwenden konnte, bis ich die Gütekriterien in allen Fällen beurteiln konnte usw. - ich müßte mir heute noch bei manchen Verfahren nen Expertenrat einholen - KOMPLIMENT)
In vielen Studien werden die Ausreißer einfach unberücksichtigt gelassen. Das gibt es dann nicht. Popp wurde so Opfer und der Uni verwiesen, ist aber inzwischen rehabilitiert worden.
Es gibt IMMER ein paar Fälle, die fragwürdig liefen/ laufen - weißt Du, wieviel das prozentual ist? Mit wieviel Prozent würdest Du die Irrtümer der Esoterik dem gegenüberstellen?
Die gängige Lehrmeinung des jeweiligen Fachgebiets, das eigentlich nur temporäres Wissen sein kann (da bin ich bei Pragma), dominiert gemeinhin. Anderes darf nicht sein, ist unseriös, falsch oder krank. Nicht immer, aber ganz oft ist es so.
Natürlich ist es nur temporäres Wissen! (ein Glück - stell Dir vor, wir befänden uns immer noch bei Freud oder den reinen Behavioristen oder der ersten Fassung der Gesprächstherapie von Rogers ... .
Und trotzdem waren das Meilensteine, ohne die es heutige Verfahren nicht gäbe).
Und ich bin mir sicher, jeder Forscher hat seine persönlichen Vorstellungen, was noch alles möglich ist - aber das muß auch begründet und sinnvol sein. Forschung kostet sehr viel Geld und Zeit, dafür hat man aber auch mehr als ein "inneres Wissen" oder ein "Bauchgefühl" - man kommt, Schritt für Schritt, weiter und immer weiter, kann auf etwas aufbauen.
Ich kann damit leben, es einordnen. Und würde ich Stimmen hören, wäre ich sicherlich nicht sofort beim Neurologen, mir Pillen andrehen zu lassen, weil ich weiß, das kann auch andere Hintergründe haben.
Ich vermute, Du hast noch nie Stimmen gehört, die Dir befohlen haben, Dich oder andere umzubringen, die permanent auf Dich einredeten, Dir drohten, Dich kommentierten usw. und Du Dir absolut sicher warst, daß diese da sind?
Auch diese Menschen sind nicht sofort in Behandlung. Die Suizidalitätsrate bei Schizophrenie liegt immer noch hoch, je nach Quelle unternehmen bis zu 50% einen Suizidversuch.
Und besonders im Bereich der Psychologie, in unserer Gesellschaft, wird viel zu schnell mit dem Prädikat krank und behandlungsbedürftig agiert, wenn bestimmte Symptome sich zeigen und der Patient vielelicht noch etwas unbedarft ist, sich angemessen auszudrücken. Und dann falsch interpretiert wird.
Auch da gibt es "Ausreisser" nach oben und nach unten.
Früher hieß es "reiß Dich zusammen" (fandest Du das besser bei Depressionen, bei Burn-out und den Psychosen?).
Und was wird ein Aufstand gemacht, wenn wieder mal ein Vater seine Familie umgebracht hat (als Beispiel) - warum wurde nicht rechtzeitig was unternommen usw. ... .
Hier wird sich grad parallel im Thread ordentlich über die multiplen Persönlichkeitsstörungen (heute dissoziative Identitätsstörung) lustig gemacht. So etwas bekommt man nur, wenn Todesangst (Folter, Mißbrauch, heftigste Mißhandlung) im Spiel waren.
Das ist das, was Opfer kennen und wovor sie furchtbare Angst haben: UNWISSENHEIT und auf der Basis dieser Unwissenheit gemeinste Diffamierungen.
Es ist auch das, was Pragma sagt: ja, ich erkenne ja einfach an, mein Patient nimmt soundso wahr. Sokrates-Methode... was aber auch nur dazu hinführen soll, einen Heilerfolg zu ermöglichen. Und dieser Heilerfolg schließt esoterische Erklärungen fast immer per se aus, wenn Möglichkeiten von vornherein ausgeschlossen werden, weil sie nicht ins Konzept passen.
Ich selbst kenne keine esoterische Erklärung von anderen und habe in 24 Jahren Psychiatrie noch nie eine erlebt - wie hoch schätzt Du die Möglichkeit einer esoterischen Erklärung, kannst Du Beispiele geben?
Ich kenne wohl zahlreiche Suchterkrankungen aus diesem Bereich (wo sich Menschen des Kartenlegens/ der Hellseherei/ ihrem "ganz persönlichen Heiler" usw. "verschrieben haben", nicht mehr eine Entscheidung ohne das/ den treffen konnten und somit hilflos und hochverschuldet, oft mit Panikattacken und weiteren diffusen Angststörungen versuchte, noch ihren Alltag einigermaßen zu strukturieren ... ).
So entsteht eine Lücke, die von jemandem wie der Frau Segal (aus dem Buch "Kollision mit der Unendlichkeit") auf einen jahrelangen Spießrutenlauf durch die Psychiatrie schickte, obwohl sie nicht psychisch krank war.
Und Du weißt selbst, dass wenn auch ein gesunder Mensch erst einmal mit Psychopharmaka behandelt wird, dies alleine krankmachend sein kann, wie eine selbsterfüllende Prophezeihung. Es gab auch Versuche, wo gesunde Patienten Symptome vortäuschten und massiv Probleme hatten, wieder als gesund entlassen zu werden.
In einem stimme ich Dir zu, - es wird im Alltag viel zu schnell nach Psychopharmaka gegriffen. Oft werden sie von Hausarzt ohne irgendein Konsil über Jahre verschrieben.
In den Psychiatrien erlebe ich das Gegenteil - da wird trotz massiver Symptomatik sehr vorsichtig und zurückhaltend damit umgeganen - man macht sich stets "einen Kopf" über mögliche Alternativen, immer wieder Ausschleichversuche/ Versuche mit niedrigeren Dosierungen u.ä..
Diese Risiken sollten meiner Ansicht nach ruhig genannt werden dürfen. Ich lehne Wissenschaft und auch Psychologie nicht ab, aber erkenne ihre Lücken, die Risiken, die Fehler in diesem System. Ebenso, wie ich sie bei manchen esoterischen Wegen sehen kann. Und Glaube, auch Wissenschaftsglaube, kennzeichnet sich selbst durch eine gewisse "Blindheit".
Da stimme ich Dir zu - wenn man repräsentatives Wissen/ Erfahrungen hat.
Wenn man es nicht hat, dann bleiben es hohle "Stammtischparolen".