Ich wollte beide Fälle nicht gegeneinander aufwiegen, wer mehr gelitten hat . Ich hätte auch ein anderes Mobbingopfer als Beispiel nehmen können.
Ok,
Also, wie ich schon schrieb: Nicht nur Morddrohungen sind Übergriffe. Sie sind allerdings ein Extrembeispiel für Übergriffe, die auch eine Straftat sind. Und da gilt ganz klar, dass es abzulehnen und zu ächten ist, auch wenn einem das Opfer zutiefst unsympathisch ist.
Daneben gibt es natürlich auch eine Klasse von Übergriffen, die zwar legal bzw. nicht strafbar sind, aber moralisch fragwürdig. Und auch das gilt allgemein unabhängig von der Meinung.
Allerdings gibt es auch Aktionen, die sich für "das Opfer" wie Übergriffe anfühlen, aber keine wirklichen Übergriffe sind. Dazu gehört z.B. sachlicher Widerspruch, Quellenkritik o.ä. Auch das ist für die "Opfer" mitunter unangenehm, und einige jammern auch da schon über Mobbing o.ä., das ist es aber nicht.
Du sprichst ja auch an, dass wir diese Übergriffe unterschiedlich bewerten, je nachdem, auf welcher Seite wir stehen. Der eigenen Meinungsseite lässt man mehr durchgehen. Das liegt in der Natur der Sache, und niemand ist davor vollkommen gefeit.
Vielleicht ein paar Beispiele, der verschiedenen Kategorien, die mir so einfallen:
Vor ein paar Jahren gab es mal den Vorfall, dass dem AfD-Fraktionsvorsitzendem Gauland am Badesee die Kleidung gestohlen wurde. Er musste also in Badehose ein paar Blocks durch einen Randbezirk Berlins laufen, um irgendwie Hilfe zu bekommen. Ich gestehe, dass dieser Vorfall bei mir doch eine gewisse Schadenfreude und dieses Grinsen hervorrief... aber er ist nicht zu dulden. Es ist eine Straftat, die auch als solche zu handhaben und zu ahnden ist, egal wer der Täter und wer das Opfer ist.
Während der Pandemie gab es ja die Aktion #AllesDichtMachen, an der sich einige Künstler beteiligt haben - am prominentesten der Schsuspieler Jan Joseph Liefers. Sie ernteten einen "Shitstorm".
Die Kritik an der Aktion, und damit auch ein großer Anteil des "Shitstorms", war sachlich - es wurde erklärt waren man welchen Beitrag daneben findet. Und da bin ich auch der Meinung, dass Liefers metaphorisch ins Klo gegriffen hat - sprich: Ich finde sein Video da extrem daneben und gönne ihm jeden Widerspruch dazu.
Ein Teil dieses Shitstorms ging aber darüber hinaus. Da gab es dann auch Stimmen, die ein Berufsverbot für Liefers wünschten, bzw. dass er deswegen seine Rolle beim Tstort verliert. Und DAS hätte er NICHT verdient. Solche weitreichenden persönliche Einschnitte gehen mitunter über sachliche Kritik hinaus, die der "Schwere der Schuld" nicht angemessen ist.
Ähnliches Beispiel Ranga Yogeshwar. Ich schätze ihn sehr. Er hat mit einer Petition gegen die Waffenlieferungen an die Ukraine mMn jetzt einmal voll daneben gefasst, und jeder Widerspruch in der Sache ist da normal und zu dulden. Wer jetzt aber anfängt seine ganze Qualifikation als Wissenschafts-Vermittler zu negieren, schießt über das Zuel hinaus und beginnt mitunter ihn zu mobben bzw. unangemessen zu behandeln.
Ich erinnere auch an "Jana aus Kassel", die sich auf einer Demo gegen die Coronamaßnahmen mit Sophie Scholl verglichen hat. Ihren Vergleich finde ich auch extrem daneben, und wenn ihr deswegen heftiger Gegenwind entgegensteht, ist das vollkommen gerechtfertigt und verdient. Das hat nichts mit einem Einschnitt der Meinungsfreiheit zu tun, denn die "Gegenseite" hat genauso das Recht der freien Meinungsäußerung. Irgendwann muss da aber auch Gras über die Sache wachsen können, und ich hoffe, Jana kann ihr Leben einigermaßen normal weiter leben.
Während eines großen Teils meiner Schulzeit wurde ich gemobbt. Zum Abitur von wurde es besser, aber es hörte auch da nicht komplett auf. Ich habe mir währenddessen und danach so einige Gedanken drüber gemacht, was davon nun genau Mobbing war und ist und was nicht. Denn... es muss ja erlaubt sein, mich nicht zu mögen. Das ist zwar unangenehm für mich zu bemerken, aber es kann nicht verurteilt werden Übergroffig wird es dann, wenn sich eben daraus Aktionen ergeben, die mir Schaden und weit darüber hinaus geht, auf irgendwelche Taten, Aussagen oder Verhaltensweisen von mir zu reagieren, die die Mobber ablehnten.