Indem wir einen Fokus auf etwas richten, machen wir es konkret; es findet eine Konkretisierung statt. Unkonkretes gibt es nur dort, wo wir etwas nicht verstehen. Wenn du Aufmerksamkeit auf etwas Konkretes richtest, konkretisierst du es gleichzeitig - man könnte auch sagen, du "verstehst", worauf du deine Aufmerksamkeit richtest. Wenn du z.B. einen Satz, den ich schreibe, nicht verstehst, dann war er - dem Sinn nach - auch nichts Konkretes in deiner Wahrnehmung.
Nun hast du behauptet, der Mensch würde zeitliche Eindrücke bewusst erschaffen, indem er Aufmerksamkeit auf etwas Konkretes richtet und wieder abzieht.
Wenn dir jetzt aber das Gegenteil als Theorie vorläge: Wir werden erst fähig, Aufmerksamkeit auf etwas Konkretes zu lenken (sprich Dinge zu konkretisieren) als Ergebnis einer zeitlichen Wahrnehmung.
Würdest du das als Möglichkeit ausschließen?
Danke, jetzt habe ich verstanden, was du meinst.
Allerdings stimme ich dem nicht zu. Da sind keine Dinge als gegeben vorhanden im Sinne eines Attraktors, der eine Fähigkeit anwendet von ”Schau mich an“, so dass wir gewissermaßen als Folge von dem Ding erst dann unseren Fokus darauf richten.
Der mehrmals für den Nobelpreis vorgeschlagene, berühmte französische Autor, Jean Anouilh, 1910-1987, hat es einmal herrlich auf den Punkt gebracht formuliert, in dem er sinngemäß sagte: ”Die Dinge sind nicht das, was sie sind, sondern wozu wir sie mit unserem Denken machen.“ Auch er hatte erkannt, dass es keine Wahrnehmung gibt, von der wir alle ausgehen, sondern eine Wahrgebung. Das heißt, die Art und Weise, wie wir von einem Ding denken, bestimmt sein Aussehen und seine Eigenschaften. Und da wir alle, jeder Einzelne von uns, qualitativ ähnliche geistige Eigenschaften anwenden, sehen wir demzufolge auch die Dinge ähnlich und können uns darüber austauschen.
Vielleicht erinnerst du dich an meinen
Beitrag über IS-BE´s (zu dem es hier geht), in dem ich diesen Vorgang noch drastischer formulierte und in dem ich erwähnte, dass wir alle durch eine Vielzahl von Schablonen und Filtern blicken und dass sie es sind, die die Dinge erscheinen lassen. Denn unsere Wissenschaftler haben übereinstimmend herausgefunden, dass außerhalb von uns nichts Verdinglichtes ist, sondern das elektromagnetische Spektrum in seiner Gesamtheit. Was auch immer man untersucht, es wird sich bei hinreichend genauer Untersuchung auflösen und noch während der Untersuchung restlos in einer Wirkungslosigkeit verschwinden. Stabilität und Festigkeit sind keine Eigenschaften von Materie. Es sind unsere benutzten Schablonen, unsere Filter, wie die unserer 5 Sinne, die uns eine Festigkeit der Materie vorgaukeln. Denn wären unsere Sinne von anderen Qualitäten (was zwangsläufig auch eine andere Körperlichkeit mit sich brächte), wie z.B. das Sehen im Röntgenbereich, dann würden wir niemals sagen ”Da steht eine Mauer“, weil wir gar keine sehen würden. Es ist das Sehen durch diese Schablonen/Filter, die wir auf das elektromagnetische Spektrum richten, mit dem Ergebnis, dass die Schablonen das zeigen, was sie hergeben. Und das sind dann alle Dinge, die wir um uns herum als solche bemerken, benutzen und selbst in geringem Ausmaße umformen können.
Wir benötigen ein vollkommen anderes Weltbild, dass die bisherigen wissenschaftlichen und psychologischen Erkenntnisse auch in unsere Alltagssprache bringt. Wir benötigen eine Ent-Dinglichung der Welt, hin zu einer Welt von Abläufen und Prozessen.