Nein, wenn wir mit unserem "Tagesbewusstsein" beobachten, erhalten wir keine wertfreie Erkenntnis, da es vom Verstand beeinflusst wird.
Aber, wenn das Universum selbst nicht wertet, aber in allem manifestiert ist, muss es auch in uns einen Teil geben, ob er jetzt Unterbewusstsein, Geist oder Seele genannt wird, der dazu in der Lage ist, wertfrei zu beobachten.
Über Träume, Visionen, durch Krankheiten, durch Gefühle? Durch psychosomatische Krankheiten? Durch welche Gefühle? Ein Gefühl tiefer Ruhe, das begleitet wird von emotionaler Klarheit?
Mehr oder weniger freiwillig. Wenn sich mein Verstand schlichtweg weigert, einen Schritt zurückzutreten, stehe ich mir praktisch selbst im Weg.
Ich finde die Frage: "Was darf uns bewusst werden?" einfach etwas seltsam. Etwas zu dürfen, setzt ja eine Erlaubnis voraus. Und wer soll diese erteilen? Der Verstand? Der kann mich letzten Endes nur behindern. Entweder ich überwinde diese geistige Blockade oder nicht. Aber es kann mir nicht "verboten" werden.
Das Tagesbewusstsein mit dem Verstand.
Ein Bewusstsein, das aktiv ist, wenn ich wach bin. Und gleichzeitig ist es an die Materie gebunden, an das Funktionieren meines Gehirns, in dem alle Informationen, die für mein Überleben wichtig sind, gespeichert werden. Also ein wertendes Bewusstsein, ein Ich- Bewusstsein.
Sie sind nicht statisch und beobachtend. Aber sind sie dann wirklich nicht mehr wertend in dem Sinne? Denn wenn ich wirklich absolut gar nicht mehr werte, habe ich doch eigentlich gar keinen Anlass, andere auf ihre duale Sichtweise aufmerksam zu machen. So wie es wäre, wäre es eben. Wenn man dennoch aktiv wird, hätte es doch eine Ursache. Ein Widerspruch mit sich selbst, der es nicht erträgt, einfach nur zu beobachten. Das Gefühl, dem Anderen etwas mitteilen zu müssen, auf seinen Impuls zu reagieren, sei es nun aus Neugierde, Mitgefühl, Langeweile, ...

Aber Du sprachst ja auch von erweitertem Bewusstsein, nicht von verklärtem.
Ursache ist etwas ungeschickt ausgedrückt. Impuls würde es besser treffen, da wir uns unserer inneren Konflikte zum Teil nicht bewusst sind, bis sie uns durch äußere Ereignisse ins Bewusstsein gebracht werden, wo sie uns dann aber nicht zwangsläufig bewusst sind. Also, ich merke zwar, dass mich z.B. das Verhalten einer anderen Person stört, Auslöser war vielleicht nur irgendeine Bemerkung, aber ich kann gar nicht genau sagen, warum eigentlich. Ist es vielleicht die unbewusste Erinnerung an ein Ereignis, das in mir eine schlechte Erfahrung zurückgelassen hat? Dann muss ich versuchen, herauszufinden, welche das war.
Das hört sich an wie ein "Was -bin -ich -Rätsel".
Was es ist
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Erich Fried
Also, was ist Ursache und Auslöser des Zwiespalts?
Ursache sind die Erfahrungen, die wir unbewusst mit uns herumtragen, in Form von Erziehung, Erlebnissen, Erwartungen. Und solange sich alles innerhalb der Grenzen dieser Erfahrungen bewegt, ist alles gut. Solange der Andere einer Meinung mit mir ist und mein Weltbild bestätigt, bin ich sicher. Alles ist vorhersehbar. Der Konflikt wird dadurch ausgelöst, dass ein Ereignis nicht so stattfindet, wie wir es gewohnt sind, oder wie wir es erwarten würden. Also durch einen Widerspruch zwischen der Welt "da draußen" und mir, meiner Sichtweise, meinen Erwartungen. Und das verursacht eine innere Unsicherheit. Die Welt ist nicht mehr vorhersehbar, der Andere nicht berechenbar. Und das wirkt auf den Verstand erst einmal bedrohlich.
Schwierig. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man sich gegenüber neutral sein kann, wenn man will, und man kann auch auf seine inneren Widersprüche kommen. Aber dazu muss man bereit sein, einfach alles, was man bisher erfahren hat, loszulassen und sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Aber ob man dann langfristig alle Widersprüche klären kann, ist fraglich, da man ja ein Umfeld braucht, das einen auf diese aufmerksam macht. Das wäre in etwa so, als würde man sich in einer Gruppe aufhalten, zu deren Verhaltensweisen es gehört, beim Laufen zwei Schritte vor und einen zurück zu machen. Solange man sich in dieser Gruppe und somit diesem Denkmuster aufhält, fällt einem der Witz dieses Verhaltens nicht auf. Bis jemand kommt und sagt. Geh doch einfach nur nach vorn. Ja und dann muss ich mich mit mir auseinandersetzen.
Das heißt, wir brauchen schon einen Impuls von außen, der unser Denkmuster in Frage stellt und einen Zwiespalt verursacht. Aber diesen Konflikt zu lösen, liegt dann in unserer Verantwortung. Entweder ich nehme den Impuls auf, oder ich stelle mich dagegen und versuche ihn zu ignorieren. Im ersten Fall wird es zur Entwicklung kommen.
Ich denke, man kann auch mit dem dualen, also dem Tagesbewusstsein beobachten, aber dennoch neutral sein. Schließlich nehmen wir ja jede Information über dieses Bewusstsein auf. Sobald uns aber bewusst ist, dass dieses Bewusstsein wertend ist, verliert es ja auch an Einfluss über unser Verhalten. Dadurch kann es zwar sein, dass in mir Konflikte ausgelöst werden, ich mich dann aber frage, warum das so ist. Der Mechanismus muss uns also eigentlich nur einmal wirklich bewusst werden, also ins Tagesbewusstsein vordringen.
Was macht für Dich ein erweitertes Bewusstsein aus?
Liebe Grüße
thunderbird2012