KingOfLions
Sehr aktives Mitglied
Ja. Es gibt niemanden, der nichts kann. Wie kommst du auf die Idee, dass es sowas gibt? Die Unlust, nichts leisten zu wollen liegt am Zwang und an der permanenten Abwertung, die wir erfahren. Das beginnt doch schon in der Schule. Individualität zeigt sich in einer riesigen Bandbreite an Fähigkeiten, mit einer unermeßlichen großen Varianz an Ausdrücken.
Hast du schon mal mit Kindern gearbeitet? Keines ist wie das andere, jedes ist völlig einzigartig mit seinem ganz eigenen Paket an Begabungen und Fähigkeiten. In der Schule werden sie dann zur Gleichförmigkeit zurechtgestampft. Unlust ist vorprogrammiert. Wer mit seinen Begabungen durch den Rost der Schulfächer fällt, hat Pech, zu blöd, kann nix etc und muss dann halt den "Dodljob" machen. Und wer begabt ist, muss sich dann trotzdem wieder Vorgaben beugen, die bestimmen, wie eine Begabung "gut" ausgelebt wird=Geld und wann nicht=kein Geld. Findest du das etwa gut und ein Zustand, der aufrecht erhalten werden sollte?
Wenn jemand "nur" darin gut ist, mit Hingabe verschiedenste Erbsensorten zu ziehen, na, was glaubst du, wie diejenigen sich freuen, die keine Erbsen haben? Die können sich die Erbsen bei diesem Gärtner holen, ohne dass da ein Konzern oder eine Bank dazwischen geschaltet ist. Er bekommt dann zum Ausgleich Tomaten oder ein paar Fäustlinge oder sonstwas. Es wäre der Weg in die Autonomie; unabhängig von den ganzen Konzernen zu werden, es würde die Menschen langfristig ins Miteinander führen.
Die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen an Bedingungen zu knüpfen ist für mich ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Ich würde fürs erste folgende Lösung begrüßen: Grundeinkommen für alle, das die Grundbedürfnisse abdeckt. Wer mehr will, muss sich zusätzlich anstrengen. Und glaub mir, kein Mensch will dauerhaft nichts machen, das ist uns nicht gegeben. Wir können nur Rückschlüsse daraus ziehen, wie Menschen sich verhalten würden, anhand unseres eigenen Verhalten in der Freizeit. Das ist aber nicht dasselbe. Wenn man Wochenende und Urlaub versauft, bedeutet das nicht, dass das dann der Dauerzustand wird, wenn die Grundversorgung bedingungslos gegeben ist.
Wenn nun einer der Meinung ist, dass er nichts kann, sollte man sich fragen, wieso er das glaubt.
Bewertung im Sinne ständigen Vergleiches der uns in den Leistungszwang hineindrückt ist schädlich für den Selbstwert des Menschen und sonst gar nix. Das bringt nur denjenigen was, die wirklich fett am System profitieren.
Ich habe damit alles zu dieser Angelegenheit gesagt. Es streift zwar das Thema des Fadens am Rande, aber ich will das jetzt nicht ausufern lassen.
Das ist grundsätzlich richtig, es gibt kaum jemanden, der nicht irgendwas kann. Das Problem ist aber, dass eine Gesellschaft nur dann prosperiert, wenn jemand das kann, was die Gesellschaft auch braucht. In einer Gesellschaft müssen erst einmal alle lebensnotwendigen Rollen erfüllt sein. Und genau das regelt sich über die Wirtschaft: ich muss etwas anbieten, das jemand braucht, dann werde ich davin leben können. Ich kann noch so individuell sein, wenn ich nicht genügend Leute finde, die das was ich anbiete auch wollen, dann werde ich verhungen. Ein selbstregelndes System.
Und nein, Bewerung ist nicht schädilich für den Selbstwert. Das kann jeder sehen, dessen Kind schon einmal mit einem 1er im Zeugnis heimgekommen ist. Der Selbstwert wird durch schlechte Erziehung zerstört, die Nichterfüllung eines Solls bestraft, ohne ein gleichwertiges Lob bei Erfüllung entgegenzustellen. Oder anders gesagt: erfüllen ist selbstverständlich, der kleinste Fehler eine Tragik.